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Baltische Staaten fürchten Einknicken Deutschlands vor Putin – „Brandgefährlich“

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Von: Linus Prien, Marc Dimitriu, Franziska Schwarz

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Kremlchef Putin besucht „Woskok 2022“ mit dem Freund China. Sein Sprecher Peskow äußert sich zur neuen britischen Premierministerin. News-Ticker zur Kriegsdiplomatie.

Update vom 7. September, 7.47 Uhr: Die baltischen Staaten haben an Deutschland appelliert, trotz steigender Energiepreise und trotz der im Winter drohenden Gasknappheit nicht vor Russland einzuknicken. „Dass einige sagen, man muss dem Erpresser nachgeben, ist brandgefährlich“, sagte Lettlands Regierungschef Krisjanis Karins in einem Interview mit der Welt. Die Energiekrise werde in diesem Winter ein Problem sein, vielleicht auch noch im nächsten - danach aber nicht mehr, fügte er hinzu.

„In meinem Land haben wir 25 Prozent Inflation. Das ist eine Kriegssteuer“, sagte Estlands Ministerpräsidentin Kaja Kallas in dem Interview. „Wir zahlen sie in Euro, die Ukrainer in Menschenleben.“ Sie rief Deutschland dazu auf, trotz steigender Preise solidarisch mit der Ukraine zu bleiben.

Die litauische Regierungschefin Ingrida Symonite wiederum kritisierte Forderungen, angesichts des Stillstands von Nord Stream 1 die Pipeline Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen. Russland könne selbst bei tatsächlichen technischen Problemen mit Nord Stream 1 sein Gas auch über den Landweg schicken, sagte sie, etwa über die Jamal-Pipeline. „Glaubt denn wirklich jemand, dass es technische Probleme mit Nord Stream 1 gibt?“, fügte Symonite hinzu.

Krisjanis Karins, Ministerpräsident von Lettland, auf einer Pressekonferenz in Marienborg.
Krisjanis Karins, Ministerpräsident von Lettland © Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

Absage an Selenskyj-Forderung: USA stufen Russland nicht als Terrorstaat ein

Update vom 7. September, 6.14 Uhr: Entgegen einer ukrainischen Forderung wollen die USA Russland nicht als Staat einstufen, der Terror unterstützt. Die Regierung in Washington halte dies nicht für den effektivsten Weg, Russland zur Verantwortung zu ziehen, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby.

Die US-Regierung habe mögliche Auswirkungen beleuchtet und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Einstufung eher hinderlich sein könnte - zum Beispiel falls es irgendwann zu Verhandlungen über ein Ende des Krieges käme. „Es wurde nicht leichtfertig abgetan“, betonte Kirby. Die USA betrachten derzeit vier Staaten als Terrorunterstützer: Syrien, Iran, Nordkorea und seit Anfang 2021 auch Kuba.

Bei einem Treffen im Jahr 2021: US-Präsident Joe Biden und der russische Präsident Wladimir Putin.
Bei einem Treffen im Jahr 2021: US-Präsident Joe Biden (r.) und der russische Präsident Wladimir Putin. © Mikhail Metzel/Imago

Ukraine-News: Scholz verteidigt deutsche Rolle bei Waffenlieferungen

Update vom 6. September, 20.30 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz sieht die deutsche Rolle bei der Unterstützung der Ukraine mit schweren Waffen vor allem in der Lieferung von Luftverteidigungssystemen und Artillerie. Eine „gewisse Arbeitsteilung“ sei bei der militärischen Unterstützung sinnvoll, sagte der SPD-Politiker in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) auf eine Frage nach seiner Haltung zur ukrainischen Bitte um deutsche Leopard-2-Kampfpanzer. „Deutschland kann einen Schwerpunkt auf Luftverteidigung und Artillerie legen.“

Ein eindeutiges Nein zur Lieferung von Kampfpanzern kam von Scholz allerdings nicht. Der Kanzler verwies darauf, dass man sich bei den Waffenlieferungen eng mit den Verbündeten und vor allem mit den USA abstimme. „Die Lage ist dynamisch“, sagte Scholz. Er erinnerte daran, dass er sich auch vor der Lieferung deutscher Mehrfachraketenwerfer an die Ukraine mit dem Präsidenten Joe Biden abgesprochen habe. Bisher hat kein Nato-Staat moderne westliche Kampfpanzer an die Ukraine geliefert.

Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal hatte bei seinem Treffen mit Scholz am Sonntag um die Lieferung von Leopard-2-Panzern gebeten. „Wir haben über das Thema gesprochen. Wir haben sogar vorgeschlagen, auf welche Weise Deutschland die Ukraine mit diesen Panzern versorgen kann“, sagte Schmyhal nach dem Treffen im Kanzleramt. Das Gespräch sei „absolut konstruktiv“ verlaufen. Bereits vor seinem Besuch hatte Schmyhal gesagt, die deutschen Leopard 2 und die amerikanischen Abrams-Kampfpanzer seien „die modernen Panzer, die die Ukraine auf dem Schlachtfeld braucht“.

Wie lässt sich Russlands Gas-Preis deckeln? EU-Kommission erwägt zwei Maßnahmen

Update vom 6. September, 15.04 Uhr: Wie lässt sich Russlands Gas-Preis für Europa deckeln? Die EU-Kommission erwägt aktuell zwei Maßnahmen. Erstens: sich auf einen EU-weiten Höchstbezugspreis einigen, oder einen einzelne Käufer für die EU zu bestimmen, der über Kosten und Mengen verhandelt. Zweitens: den Preis an europäischen Handelsplätzen unter bestimmten Voraussetzungen deckeln. Die Financial Times berichtete zuerst.

Eine Preisobergrenze für russisches Gas könnte per Gesetz umgesetzt werden, zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus einem ihr vorliegenden internen Diskussionspapier. Dessen Autoren warnen jedoch, dass Russland bei einem Preisdeckel auch gar nicht mehr liefern könnte. Am Freitag (9. September) treffen sich die EU-Energieminister, um über die verschiedenen Optionen zu beraten.

Update vom 6. September, 14.41 Uhr: Die internationalen Sanktionen führen laut Militärexperten zu Lieferengpässen für Putins Truppen. Die Folge laut einem New-York-Times-Bericht: Russland kauft jetzt in Nordkorea ein.

Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew hat unterdessen einmal mehr mit dem russischen Atomwaffen-Arsenal gedroht.

Türkei auf Putin-Kurs: Erdogan sieht EU vor „ernsthaften Problemen“

Update vom 6. September, 13.19 Uhr: Recep Tayyip Erdogan hat sich offenbar auf die Seite der Kritiker an den Russland-Sanktionen der EU geschlagen. Die europäischen Länder würden „ernten, was sie gesät haben“, sagte der türkische Präsident in Ankara. Putin setze alle seine Mittel und Waffen ein. „Erdgas ist leider eine davon“, sagte Erdogan laut der Nachrichtenagentur AFP. Er gehe davon aus, dass Europa in diesem Winter „ernsthafte Probleme“ haben werde. Für sein Land hingegen gelte dies nicht.

Die Türkei pflegt sowohl zu Russland als auch zur Ukraine gute Beziehungen. Ankara lieferte Kiew Militärdrohnen, schloss sich aber nicht den westlichen Sanktionen gegen Moskau an. 2021 bezog die Türkei fast die Hälfte ihres Erdgases aus Russland. Anfang August hatte Erdogan angekündigt, künftig einen Teil der russischen Gasimporte in Rubel zu bezahlen. Aus Sicht von Analysten stellt die Vereinbarung sicher, dass Moskau die Türkei weiter über die TurkStream-Pipeline mit Gas versorgen wird.

Ukraine-Krieg: Recep Tayyip Erdogan (l.) und Wladimir Putin Anfang August 2022 in Sotschi
Recep Tayyip Erdogan (l.) und Wladimir Putin Anfang August 2022 in Sotschi © Murat Kula/Turkish Presidential Press Service/AFP

Johnson-Nachfolgerin Liz Truss: Putin-Sprecher schweigt sich bei Nachfrage aus

Update vom 6. September, 11.49 Uhr: Der Kreml reagiert kühl auf das neue Amt von Liz Truss. „Den Äußerungen von Frau Truss nach zu urteilen (...) können wir mit hoher Sicherheit davon ausgehen, dass keine Änderungen zu erwarten sind“, sagte Sprecher Dmitri Peskow bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Die Frage, ob Präsident Wladimir Putin Truss zu ihrem neuen Amt gratulieren werde, beantwortete Peskow nicht.

Truss soll nächster Premier von Großbritannien werden. Die Beziehungen zu Moskau sind seit Jahren sehr angespannt. Unter der Führung von Truss‘ Vorgänger Boris Johnson unterstützte Großbritannien die Ukraine militärisch, politisch und finanziell in hohem Maße. Als Außenministerin bestimmte Truss diesen Kurs maßgeblich mit.

Liz Truss
Liz Truss nach ihrem Wahlsieg in London © Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Putin geht wieder auf Reisen: Kremlchef besucht Großmanöver – auch China ist dabei

Update vom 6. September, 9.16 Uhr: Die „felsenfesten“ Freunde Russland und China simulieren den Ernstfall: Wladimir Putin ist zu dem großangelegten Militärmanöver „Wostok 2022“  in den fernen Osten seines Staates gereist. Auf dem Militärgelände Sergejewski werde der Kremlchef mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow zusammentreffen, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow laut russischen Nachrichtenagenturen.

An dem Manöver sind neben russischen Truppen Soldaten mehrerer verbündeter Staaten beteiligt, darunter auch China. Der Zeitpunkt dafür könnte heikler kaum sein, auch wegen der aktuellen Spannungen in der Taiwanstraße nach dem Besuch von Nancy Pelosi in Taipeh.

Allerdings ist sich der britische Geheimdienst sicher, dass sich Russlands Militärübungen durch das schwache Abschneiden der russischen Streitkräfte in der Ukraine als nutzlos erweisen. Veranstaltungen wie „Wostok 2022“ hätten sich nicht darin bewährt, die Fähigkeiten des Militärs zu großangelegten, komplexen Einsätzen zu erhalten, erklärte das Verteidigungsministerium in London vergangenen Freitag.

Wegen „feindseliger Aktionen“ der US-Regierung: Hollywood-Stars landen auf Russlands schwarzer Liste

Update vom 6. September, 6.31 Uhr: Als Reaktion auf Sanktionen der USA hat Russland 25 US-Bürgern die Einreise verboten, darunter die Hollywood-Stars Ben Stiller und Sean Penn. Das russische Außenministerium erklärte am Montag, damit reagiere Moskau auf die „nicht endenden“ US-Sanktionen gegen russische Bürger. Russland hat bereits mehr als tausend US-Bürgern die Einreise untersagt.

Außer Penn und Stiller, die sich im Ukraine-Konflikt auf Seiten Kiews stellten und sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj trafen, stehen auch US-Politiker auf der schwarzen Liste. Für sie gelte ein „dauerhaftes“ Einreiseverbot, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Die „feindseligen Aktionen“ der US-Regierung, die die „bilateralen Beziehungen“ und die Konfrontation verstärkten, würden weiterhin vehement zurückgewiesen.

Ukraine will Voraussetzungen für EU-Aufnahme erfüllen: „Bis Ende des Jahres“

Update vom 5. September, 20.25 Uhr: Die Ukraine will bis Jahresende die Voraussetzungen der EU für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen erfüllen. „Bis Ende des Jahres haben wir die Absicht, alle sieben Bedingungen zu erfüllen, die uns bei der Vergabe des Kandidatenstatus gestellt wurden“, sagte der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal am Montag am Rande von Gesprächen mit EU-Vertretern in Brüssel. Die Regierung und die Gesellschaft seien absolut geschlossen und einig, das Ziel des EU-Beitritts zu erreichen.

Die EU hatte die von Russland angegriffene Ukraine im Juni offiziell zum Beitrittskandidaten gemacht. Nach der Entscheidung der Staats- und Regierungschefs der EU muss das Land vor dem Beginn von Beitrittsverhandlungen allerdings zunächst sieben Voraussetzungen erfüllen. Bei ihnen geht unter anderem um das Auswahlverfahren ukrainischer Verfassungsrichter und eine stärkere Korruptionsbekämpfung – insbesondere auf hoher Ebene. Auch fordert die EU, dass Standards im Kampf gegen Geldwäsche eingehalten werden und ein Gesetz gegen den übermäßigen Einfluss von Oligarchen umgesetzt wird.

Ukraine-Krieg: Ursula von der Leyen wirft Russland Manipulation der Energiemärkte vor

Update vom 5. September, 17.05 Uhr: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Russland abermals eine Manipulation der Energiemärkte vorgeworfen und versprochen, Verbraucher vor den gestiegenen Preisen zu schützen. „Putin benutzt Energie als eine Waffe, indem er Lieferungen reduziert und unsere Energiemärkte manipuliert“, twitterte von der Leyen. „Er wird scheitern.“

Die EU-Kommission arbeite an Vorschlägen, um gefährdete Haushalte und Unternehmen dabei zu unterstützen, mit den hohen Preisen umzugehen. Konkret nannte von der Leyen:

Am Freitag wollen die Energieminister der EU-Staaten über die Vorschläge der EU-Kommission beraten.

Putin-Sprecher äußert sich zum Gas-Stopp – Separatisten blasen „Referendum“ vorerst ab

Update vom 5. September, 13.37 Uhr: Die Schuld für den erneuten Nord-Stream-1-Lieferstopp trägt aus Sicht des Kreml allein der Westen. Es gebe „keinen anderen Grund dafür“ als die Russland-Sanktionen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut der Nachrichtenagentur AFP. Schon zuvor hatte er von „behinderten Servicearbeiten“ gesprochen. Er weise daher jegliche Versuche des Westens, die Verantwortung dafür Moskau zu geben, „kategorisch zurück“.

Ukraine-Krieg: Kremlsprecher Dmitri Peskow am 31. August 2022 bei einem Event in Moskau
Kremlsprecher Dmitri Peskow Ende August bei einem Event in Moskau © Vladimir Astapkovich/Imago

Eine Überraschung gibt es indes bei den russischen Plänen für ein „Referendum“ in der Südukraine: Die Vorbereitungen für die Abstimmung hätten zwar bereits begonnen, sagte am Montag der Chef der pro-russischen Behörden, Kirill Stremusow, im Fernsehen. „Aber angesichts der aktuellen Entwicklungen glaube ich, dass wir im Moment eine Pause einlegen werden.“

Zuvor hatte die Ukraine Fortschritte bei ihrer Gegenoffensive in der Region gemeldet. Nach Angaben des Südkommandos eroberten die ukrainischen Soldaten mehrere Gebiet zurück und zerstörten unter anderem ein Munitionsdepot, eine Pontonbrücke und ein Kontrollzentrum der russischen Armee.

Stärkung der Ostflanke: Rund hundert Bundeswehrsoldaten treffen in Litauen ein

Update vom 5. September, 11.19 Uhr: In Litauen sind am 4. September die ersten Bundeswehrsoldaten einer neuen Brigade eingetroffen. Sie sollen in Klaipeda mit den litauischen Streitkräften gemeinsame Ausbildungen und Übungen abhalten, wie die Bundeswehr twitterte. Als Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine hatte die Nato bei ihrem Gipfel in Madrid eine Stärkung der Ostflanke beschlossen. Aktuell sind rund 1500 Bundeswehrsoldaten in Litauen stationiert.

Zusammenarbeit mit Moskau: Iran erwägt Kauf von russischen Jagdbombern

Update vom 5. September, 11.05 Uhr: Der Iran erwägt den Kauf russischer Jagdbomber des Typs Suchoi Su-35 der vierten Generation. Das sagte Luftwaffenchef Hamid Wahedi laut der staatlichen Nachrichtenagentur Borna. Die US-Regierung hatte sich wiederholt scharf gegen derartige Pläne gewandt.

Die beiden von weitreichenden westlichen Sanktionen betroffenen Länder hatten zuletzt ihre Zusammenarbeit verstärkt, um ihre Wirtschaft zu stützen. Das US-Militär berichtete in der vergangenen Woche, dass Iran Drohnen für den Einsatz in der Ukraine an Russland lieferte - der Kreml soll mit ihnen aber „nicht zufrieden“ sein.

Selenskyj macht Putin Krim-Kampfansage: „Das freie Leben wird zurückkehren“

Update vom 5. September, 10.13 Uhr: Wolodymyr Selenskyj will unbedingt die Krim zurückerobern. „Ich glaube daran, dass die ukrainische Flagge und das freie Leben auf die Krim zurückkehren“, sagte der ukrainische Präsident in seiner regelmäßigen Videoansprache.

„Und alle sehen: Die Okkupanten haben schon angefangen, von der Krim abzuhauen. Das ist die richtige Wahl für sie alle“, fügte Selenskyj hinzu. Es gibt allerdings keine Belege dafür, dass sich die Russen tatsächlich von der Halbinsel im Schwarzen Meer zurückzuziehen. Die russische Invasion in die Ukraine hatte Kremlchef Putin unter anderem damit begründet, dass er nach eigenen Angaben Hinweise auf Versuche der Führung in Kiew sah, sich die Krim mit militärischer Gewalt zurückzuholen.

Selenskyj forderte nach einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erneut EU-Visa-Verbote für russische Bürger (hier ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Anastasiadis zu den Russland-Sanktionen). Allerdings ist auch Kanzler Olaf Scholz (SPD) gegen diese Maßnahme. „Europa ist ein Land der Werte und kein Disneyland für die Unterstützer von Terror“, begründete Selenskyj seine Forderung.

Ukraine-MP Schmyhal auf Twitter: „Wir werden gewinnen“

Update vom 4. September, 21.45 Uhr: Während dem Besuch des ukrainischen Ministerpräsidenten Denys Schmyhal in Berlin am Sonntag unterstrich er bei seinem Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Angaben seines Büros, wie wichtig es für sein Land sei, dass die Waffenlieferungen „verstärkt“ würden.

Mit Blick auf die Energiekrise und die bevorstehende Heizsaison sagte Schmyhal, die Ukraine sei bereit, ihre Stromlieferungen zu erhöhen, um zur Energiesicherheit Europas beizutragen. Beim Treffen mit Steinmeier habe er sich auch „für die Solidarität mit den Ukrainern und die Unterstützung bedankt“, schrieb Schmyhal im Kurzbotschaftendienst Twitter - und betonte: „Wir werden gewinnen.“

Besuch in Berlin: Ukrainischer Regierungschef setzte Scholz unter Druck - Panzer Leopard 2 gefordert

Update vom 4. September, 20:14 Uhr: Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal hat Bundeskanzler Olaf Scholz bei einem Treffen in Berlin konkrete Vorschläge zur Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern an die Ukraine gemacht. „Wir haben über das Thema gesprochen. Wir haben sogar vorgeschlagen, auf welche Weise Deutschland die Ukraine mit diesen Panzern versorgen kann“, sagte Schmyhal am Sonntag nach seinem Gespräch mit Scholz im Berliner Kanzleramt vor Journalisten.

Er könne „nicht alle Vereinbarungen und alle Einzelheiten des Gesprächs“ offenlegen. „Aber wir haben diese ganzen Fragen zu den Panzern und anderen militärischen Systemen für die Ukraine absolut konstruktiv diskutiert.“ Auf die Frage, ob er optimistisch sei, dass die Kampfpanzer am Ende geliefert werden, sagte er: „Ich bin immer optimistisch.“

Schmyhal war am Nachmittag von Scholz mit militärischen Ehren vor dem Kanzleramt empfangen worden. Eine gemeinsame Pressekonferenz war am Samstag von deutscher Seite aus Termingründen abgesagt worden. Schmyhal hatte bereits vor seiner Ankunft in Berlin die Lieferung von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 von der Bundesregierung gefordert. „Wir benötigen einen Wandel in der Philosophie der Waffenlieferungen. Damit meine ich: Es sollten auch moderne Kampfpanzer geliefert werden“, sagte Schmyhal in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Die Leopard 2 seien „die modernen Panzer, die die Ukraine auf dem Schlachtfeld braucht“.

US-Botschafter in Russland beendet Amtszeit: John Sullivan seit Ende des Kalten Krieges im Amt

Update vom 4. September, 19.03 Uhr: Inmitten der schwersten diplomatischen Krise zwischen Moskau und Washington seit dem Ende des Kalten Krieges hat der US-Botschafter in Russland, John Sullivan, seine Amtszeit beendet. Sullivan habe Moskau am Sonntag verlassen, teilte die diplomatische Vertretung mit. Er war im Dezember 2019 zum Botschafter in Moskau ernannt worden.

Der 62-Jährige beende gleichzeitig seine Arbeit im Staatsdienst nach vier Jahrzehnten und unter fünf US-Präsidenten, teilte die Botschaft weiter mit. Der aus Boston im US-Bundesstaat Massachusetts stammende Sullivan war stellvertretender Außenminister unter Ex-Präsident Donald Trump und besetzte mehrere ranghohe Posten in den Ministerien für Justiz, Verteidigung und Handel.

Die ebenfalls an der Botschaft in Moskau arbeitende US-Diplomatin Elizabeth Rood übernimmt bis zur Ankunft von Sullivans Nachfolger das Amt der Geschäftsträgerin.

AKW Saporischschja: Dauer des Aufhaltes der internationalen Atomexperten noch unklar

Update vom 4. September, 12.48 Uhr: Die Dauer des Aufenthaltes von internationalen Atomexperten in dem von Russland besetzten Atomkraftwerk Saporischschja in der Südukraine ist noch nicht restlos geklärt. „Was die Mission angeht, so wird sie vorläufig bis zum 5. (September) funktionieren. Das heißt, morgen arbeiten sie noch“, sagte Wladimir Rogow, einer der russischen Besatzer, dem Radiosender der russischen Zeitung Komsomolskaja Prawda, wie er am Sonntag bei Telegram schrieb. „Und am 6. ziehen sie ab. Das ist noch vorläufig. Sie können ihren Aufenthalt verlängern“, sagte der Vertreter, ohne Details zu nennen.

Die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sind seit Donnerstag in dem AKW, um es nach Angriffen auf Schäden hin zu untersuchen. IAEA-Chef Rafael Grossi sprach zuletzt von einer „dauerhaften Mission“. Auch in einer IAEA-Mitteilung vom Samstagabend war von „kontinuierlichen Arbeiten“ die Rede.

Putins „Bluthund“: Ramsan Kadyrow kündigt „unbefristeten“ Urlaub an

Erstmeldung vom 4. September 2022:

Grosny - Inmitten des eskalierten Ukraine-Konflikts zieht nun der Putin-Vertraute und tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow Aufmerksamkeit auf sich. In einem Video, das er über Telegram veröffentlichte und welches in den sozialen Medien kursiert, kündigt der Tschetschene einen „langen und unbefristeten“ Urlaub an: „Mir ist bewusst geworden, dass ich seit langer Zeit in meiner Position bin“, sagte Kadyrow laut Radio Free Europe.

In seiner Ansprache sagte Kadyrow nach Übersetzung des Mediennetzwerks Nexta: „Unter uns Kaukasiern, Tschetschenen gibt es ein Sprichwort. Ungeachtet davon, wie respektiert, lang erwartet ein Gast ist, wenn er pünktlich geht, ist es noch angenehmer. Ich denke, dass auch meine Zeit gekommen ist. Bevor sie mich rauswerfen.“

Ukraine-Krieg: Tschetschenischer Machthaber führt Krieg über soziale Medien

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs unterstützt Kadyorw die russische Armee und Wladimir Putin mit seinen Einheiten. Der Tschetschene und seine Soldaten gelten als besonders grausam. Kadyrow selber wird unter anderem der „Bluthund Putins“ genannt. Immer wieder kursieren Videos vom tschetschenischen Machthaber und seinen Soldaten auf Internetplattformen wie Twitter, Telegram oder TikTok. In den Videos werden vermeintliche Kampfeinsätze gezeigt oder Kadyrow spricht Drohungen gegen Ukrainer oder Feinde Russlands aus.

Ukraine-Krieg: Experte ist skeptisch über Kadyrows Ankündigung

Radio Free Europe zufolge habe Kadyrow bereits in der Vergangenheit ähnliche Bemerkungen gemacht und diesen keine Taten folgen lassen. Aus diesem Grund könne man sich nicht sicher sein, was es mit der Ansage des Putin-Loyalisten auf sich hätte. Der Kaukasus-Experte vom Johan Skytte Institute of Political Studies in Estland, Ivan Klyszcz, sagte diesbezüglich: „Ich bin skeptisch. Er hat derartige Dinge schon in der Vergangenheit gesagt. Normalerweise sagt er derartiges, wenn er etwas von Putin möchte, zumindest ein öffentliches Unterstützungsbekenntnis.“ Sollte Kadyrow jedoch die Wahrheit sagen, so ein weiterer Experte gegenüber Radio Free Europa, hätte niemand mit diesem Schritt gerechnet. (lp)

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