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Ronald Schill: Hamburger Richter Gnadenlos und RTL-Dschungel-Kandidat

  • Alessandro Alviani
    VonAlessandro Alviani
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In Hamburg kennt man ihn als Richter Gnadenlos. Ganz Deutschland dürfte er durch das Dschungelcamp und diverse TV-Skandale in Erinnerung bleiben: Ronald Schill.

Hamburg – Ronald Schill stand bereits während seiner Tätigkeit als Amtsrichter in der Öffentlichkeit. Grund hierfür waren seine sehr harten Urteile, die ihm auch den Namen „Richter Gnadenlos“ einbrachten. Insbesondere bei sogenannten Wiederholungstätern und Jugendkriminalität müsse die Justiz nach seiner Auffassung mit aller Härte durchgreifen. Heute ist Ronald Schill menschlich und beruflich gescheitert und lebt von seiner Pension in einer Favela in Rio de Janeiro (Brasilien).

Politiker:Ronald Schill
Geboren: Am 23. November 1958 in Hamburg
Studium:Rechtswissenschaften an der Uni Hamburg
Beruflicher Werdegang:Ab 1993 Richter am Amtsgericht in Hamburg

Ronald Schill: Karriere in der Hamburger Politik

Ronald Schill, der als Richter immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit drängte, gründete im Jahr 2000 eine eigene Partei mit dem Namen „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“. Das Parteiprogramm war vor allem auf eine rigide Sicherheitspolitik ausgelegt und bediente vor allem rechtspopulistische Ressentiments. So kündigte Ronald Schill an, dass mit seiner Politik die Gewaltkriminalität innerhalb von 100 Tagen halbiert werden könne. 

Bei der Bürgerschaftswahl 2001 gelang es Ronald Schill und seiner Partei, mit über 19 % der Wählerstimmen in die Hamburger Bürgerschaft einzuziehen. In den Medien wurde die Partei häufig nur als Schill Partei bezeichnet. Anschließend zog Ronald Schill unter dem Bürgermeister Ole von Beust in den Hamburger Senat ein.

Während seiner Amtszeit als Innensenator fiel Ronald Schill vor allem wegen seiner harten Maßnahmen gegen das alternative Projekt Bambule auf. So ordnete Schill die Räumung des Bauwagenplatzes an, auf dem sich das Projekt befand. Darüber hinaus führte Schill für die Hamburger Polizei neue Uniformen in Blau ein, die vom Designer Luigi Colani (* 2. August 1928, † 16. September 2019) gestaltet wurden.

„Richter Gnadenlos“: Eklat im Bundestag

Ronald Schill sorgte während seiner Amtszeit als Innensenator gleich für mehrere Eklats. Im Jahr 2002 sprach Ronald Schill im Deutschen Bundestag und äußerste eine verfehlte Migrationspolitik als Ursache für fehlende finanzielle Mittel, die für die Bewältigung der Flutkatastrophe an der Elbe 2002 notwendig wurden.

Nach Schills Auffassung würden Zugewanderte in Deutschland zu viel Geld erhalten, somit war Schill in gewisser Weise mit seinen rechtspopulistischen Äußerungen ein früher Vorbote der heutigen AfD. Nachdem Schill die vorgegebene Redezeit deutlich überzog, wurde ihm von der damaligen Bundestagsvizepräsidentin Anke Fuchs (* 5. Juli 1937, † 14. Oktober 2019) das Mikrofon abgestellt. In den Medien wurde Schill somit häufig als Provokateur dargestellt.

Schill sorgte auch in Hamburg für Skandale

Auch in der Hamburger Bürgerschaft blieben Skandale nicht aus. Nach einer Affäre um den Staatsrat Walter Wellinghausen (* 23. Mai 1944), der neben seinen politischen Ämtern noch wirtschaftlichen Aktivitäten nachging, kam es zu einem Eklat mit dem damaligen regierenden Bürgermeister Ole von Beust.

So wollte von Beust den Staatsrat Wellinghausen aufgrund seiner Nebentätigkeiten entlassen. Im Streit um die Entlassung von Wellinghausen drohte Schill damit, eine angebliche Beziehung zwischen Ole von Beust und dem CDU-Politiker Roger Kusch (* 19. August 1954) öffentlich zu machen. 

Daraufhin wurde Schill als Innensenator abberufen und von Beust entlassen. Darüber hinaus gab es während der Amtszeit von Ronald Schill mehrfach die Vermutung, dass er Kokain konsumiere. Gegen diese Behauptung erwirkte Schill schließlich eine einstweilige Verfügung. Nach einer freiwilligen Haaranalyse von Schill konnte schließlich kein Konsum nachgewiesen werden und ein eröffnetes Verfahren bei der Hamburger Staatsanwaltschaft kam zur vorzeitigen Einstellung.

„Richter Gnadenlos“: Stationen nach seiner politischen Laufbahn

Nachdem seine politische Laufbahn aufgrund professioneller und menschlicher Verfehlungen gescheitert war, wanderte Ronald Schill aus Deutschland in Richtung Südamerika aus und ließ sich in Rio de Janeiro in Brasilien nieder. Dort lebt Schill bis heute von seiner Pension in einer der vielen Favelas der Metropole. Für kurze Zwischenstopps kam Schill jedoch nach Deutschland zurück:

  • Im Dezember 2006 wird Ronald Schill von der Hamburger Polizei zu einer Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben, es geht um die unterlassene Aussage vorm Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft. Der Untersuchungsausschuss sollte Missstände in einem Heim für junge Straftäter aufzeigen, die sich zu seiner Amtszeit ereigneten.
  • 2007 ist Ronald Schill plötzlich wieder in Deutschland und nun bereit vor dem Untersuchungsausschuss in Hamburg auszusagen. Es wird laut Wikipedia angenommen, dass die Aussage nur unter Druck zustande kam. So drohte die Bürgerschaft Ronald Schill mehrfach damit, sein Ruhegehalt als ehemaligen Senator erheblich zu kürzen.
  • Nach kurzer Zeit in Deutschland lebt Schill weiterhin in der Favela Pavão-Pavãozinho, die sich in Rio de Janeiro befindet.

Hamburger Politiker Schill im TV

Ronald Schill war auch nach Beendigung seiner politischen Laufbahn mehrfach im Fernsehen zu sehen. So nahm Ronald Schill an der Sat1-Sendung Promi Big Brother teil und bewohnte mit anderen Kandidaten im August 2014 einen TV-Container. In der Show erlangte Ronald Schill den dritten Platz. Darüber hinaus war Schill in der VOX-TV Sendung Goodbye Deutschland zu sehen, die 2015 ausgestrahlt wurde. In einem Interview äußerste Ronald Schill zudem, dass er gerne als Kandidat beim Dschungelcamp teilnehmen wolle.

Zuletzt folgten TV-Auftritte in der Sendung Adam sucht Eva und Promis unter Palmen. In der letzten TV-Sendung sorgte Schill mit einer Coronavirus-Skandal-Aussage für Aufsehen. So äußerte Schill in einem Interview, dass Corona mit zu großer Hysterie betrachtet werde. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Kay_Nietfeld

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