1. 24hamburg
  2. Politik

Politik bricht eigene Regel: Harte Maßnahmen trotz niedriger Hospitalisierung

Erstellt:

Von: Natalie-Margaux Rahimi

Kommentare

Eigentlich sollte die Hospitalisierungsrate mittlerweile die wichtigste Kennzahl in der Corona-Politik sein. Doch trotz niedriger Quote werden die Regeln verschärft.

Hamburg – Mitte November kamen Bund und Länder zum Corona-Gipfel zusammen. Inzwischen waren viele Menschen gegen das Coronavirus geimpft, die Inzidenz alleine würde für die Bewertung des Infektionsgeschehens nicht mehr ausreichen, hieß es im Anschluss an den Gipfel von der Politik. Denn weil Geimpfte sich zwar noch infizieren, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber nicht mehr schwer an Corona erkranken, sollten Maßnahmen nicht mehr nur aufgrund einer hohen Inzidenz beschlossen werden.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor einem Schild, das auf die 2G-Regel hinweist.
Politik hält sich nicht an eigene Regeln: Strenge Maßnahmen trotz niedriger Hospitalisierungsrate. (24hamburg.de-Montage) © Reiner Zensen/imago & Jan Huebner/imago

Die Hospitalisierungsrate sollte der neue Maßstab aller Corona-Regeln sein. Die Rate gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner wegen Corona im Krankenhaus behandelt werden müssen. Tatsächlich bestimmt diese Quote aktuell aber nicht die Regeln. Denn trotz niedriger Krankenhausrate gelten aktuell strenge Maßnahmen.

Stadt:Hamburg
Neuinfektionen (1. Januar 2022):+873
Corona-Inzidenz (1. Januar 2022):389,9
Hospitalisierungsrate (30. Dezember 2022):2,86

Strenge Maßnahmen trotz niedriger Hospitalisierungsquote: Politik hält eigene Regel nicht ein

Die Politik hatte es klar geregelt. Ab einer Hospitalisierungsrate von 3, 6 und 9 sollten die Corona-Regeln in den Bundesländern jeweils verschärft werden. Ab einer Krankenhausrate von 3 sollte für Veranstaltungen zunächst flächendeckend 2G gelten. Bei einer Rate ab 6 sollte 2G-Plus für Bars, Clubs und Diskotheken gelten. Bei einer Hospitalisierung von über 9 sollten Länder über noch strengere Maßnahmen beraten.

In Hamburg liegt die Hospitalisierungsrate aktuell bei 2,86 (30. Dezember 2021) und damit unter drei. Dennoch gelten in dem von Peter Tschentscher (SPD) geleiteten Bundesland seit Monaten strenge Regeln. Das 2G-Modell wurde beispielsweise schon vor Monaten eingeführt. Auch beim Lockdown light preschte Hamburg vor und beschloss Sperrstunde, Tanzverbot und Kontaktbeschränkungen noch vor der Bundesregierung.

Obwohl Bars, Clubs und Diskotheken erst ab einer Hospitalisierungsrate von drei auf 2G-Plus umstellen sollten, wurden sie nun in Anbetracht der steigenden Inzidenz deutschlandweit geschlossen. Dabei sollte diese Kennzahl doch eigentlich an Bedeutung verlieren. Kontaktbeschränkungen sollten laut BILD außerdem erst ab einer Hospitalisierungsrate von 9 verhängt werden – doch gelten sie inzwischen auch für Geimpfte in Deutschland.

Deutschlandweit zu strenge Corona-Regeln: 2G-Plus wäre nur in drei Bundesländern notwendig

Würde sich die Politik an den selbst gesetzten Katalog halten, müssten derzeit nur die Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bremen auf 2G-Plus umstellen. Doch statt sich an die eigenen Regeln zu halten, gilt derzeit deutschlandweit ein Lockdown light, auch in Bundesländern mit besonders niedriger Inzidenz, wie zum Beispiel Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Laut BILD bessert sich aktuell nicht nur die generelle Lage in den Krankenhäusern in Deutschland. Auch die Intensivbettenbelegung sinkt demnach allmählich. Während am 10. Dezember, dem Höhepunkt der vierten Welle, 4917 Menschen auf einer Intensivstation betreut werden mussten, sind es am 1. Januar 2022 nur noch 3802. Möglich, dass dies auch an der steigenden Zahl von Omikron-Fällen in Deutschland liegt – laut aktuellen Studien sorgt die neue Corona-Variante für mildere Krankheitsverläufe.

Hamburg mit Rekordinzidenz, aber niedriger Hospitalisierung: Politik hält bei Regelsetzung an altem Modell fest

In Hamburg steigt die Corona-Inzidenz auf immer neue Rekordwerte. Am 31. Dezember 2021 wurden 1.565 neue Corona-Fälle gemeldet. Die Inzidenz stieg auf 383,4 Neuinfektionen. Dennoch müssen derzeit „nur“ 69 Patienten auf der Intensivstation betreut werden. Im Frühjahr waren es zu Spitzenzeiten deutlich über 100 Intensivpatienten.

Nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die Hansestadt Hamburg halten also scheinbar am alten Bewertungsmodell der Corona-Lage fest. Bei der Entscheidung über neue Regeln wird allem Anschein nach weiter die Inzidenz als wichtigster Faktor bewertet. Warum? Darauf gibt es bisher seitens der Politik keine Antwort.

24hamburg.de Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Eine mögliche Antwort wäre die Verbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante. Weil sie sich noch schneller ausbreitet als andere Varianten und noch nicht klar ist, wie gefährlich sie ist, soll das Infektionsgeschehen möglichst frühzeitig gestoppt und so eine Welle in den Krankenhäusern verhindert werden. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare