Ein Leben im Zeichen der Politik

Ole von Beust: Früher Erster Bürgermeister Hamburgs – nun Lobbyist

Der ehemalige Bürgermeister Ole von Beust ist eine wichtige Persönlichkeit Hamburgs. Seit elf Jahren arbeitet er nun in Berlin als Unternehmensberater.

Hamburg/Berlin – Der ehemalige Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust, kehrt 2010 der Stadt und der Politik den Rücken. Trotz einiger unbeliebter Beschlüsse erfreut er sich doch stets großer Beliebtheit in seinem Hamburg. Zurzeit betreibt er ein Beratungsunternehmen mit Sitz in Berlin und Hamburg und ist als Lobbyist weiterhin am politischen Geschehen beteiligt.

Früherer/Vollständiger Name:Carl-Friedrich Arp Freiherr von Beust
Geburtsdatum:13. April 1955
Aktueller Wohnort:Berlin
Ehepartner:Lukas Förster
Heutige Tätigkeit:Lobbyist/Unternehmensberater
Sonstiges Engagement:Rotary Club, LGBT Bewegung

Ole von Beust: Vom Rechtsanwalt zum Ersten Bürgermeister

Der ehemalige Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust, stand ganze neun Jahre lang an der politischen Spitze der Hansestadt. Vor seiner politischen Karriere studierte von Beust von 1975 bis 1983 Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg. Anschließend arbeitete er als Rechtsanwalt in einer Kanzlei. Nach dem Ende seiner politischen Laufbahn kam für ihn eine Rückkehr in den juristischen Berufszweig jedoch nicht mehr infrage. Die über 17 Jahre in der Politik haben ihn nach eigener Aussage zu sehr aus der Materie rausgebracht, um dem Beruf des Anwalts noch nachgehen zu können.

Ole von Beust wurde 2009 unfreiwillig von seinem Vater als homosexuell geoutet. Mit seinem Ehemann Lukas Förster (28) wohnt er sowohl in Hamburg sowie am Spittelmarkt in Berlin. Er engagiert sich weiterhin politisch und hat sich zuletzt auf die Seite von Robert Habeck (50) gestellt, der für Fleisch eine Preiserhöhung forderte. Noch heute ist er mit damaligen politischen Partnern in Kontakt und berät die CDU in Berlin.

Herkunft: Schon der Vater war in der Politik

Schon sein Vater war viele Jahre in der Führung der Hamburger Kommunalpolitik, was seinen Sohn somit nachhaltig prägen sollte. Bereits mit 16 Jahren trat Ole von Beust der CDU bei. Dort war er zunächst Assistent der CDU-Fraktion und zog 1978 bei der Landtagswahl in die Hamburger Bürgerschaft ein.

1992 trat von Beust dem CDU-Landesvorstand bei, sechs Jahre später wurde er in den Bundesvorstand der CDU gewählt. Bei der Bürgerschaftswahl 1997 scheiterte von Beust zunächst aufgrund einer Rot-Grünen-Koalition. Bis einschließlich 1997 war die SPD immer an der Regierung in Hamburg beteiligt oder konnte diese sogar durch eine absolute Mehrheit allein stellen.

  • Ole von Beust trat 1971 in die CDU ein
  • Von 1973 bis 1975 war er Assistent der CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft
  • 1983 schloss er sein Jurastudium ab und begann anschließend seine Tätigkeit als Rechtsanwalt
  • Von Beust saß von 1978 bis 2010 in der Hamburger Bürgerschaft und führte von 1993 bis 2001 die CDU-Bürgerschaftsfraktion
  • Von 1998 bis 2010 saß er im Bundesvorstand der CDU
  • Von Beust war von 2001 bis 2010 Erster Bürgermeister in Hamburg
  • Seit 2010 ist er Mitgesellschafter der Ole von Beust Consulting GmbH & Co KG

Ex-Bürgermeister wagt als Erster eine Schwarz-grüne-Koalition

Am 31. Oktober 2001 wurde Ole von Beust zum Ersten Bürgermeister Hamburgs gewählt. Jedoch fand diese Wahl innerhalb einer Koalition aus CDU, FDP und der Partei Rechtsstaatliche Offensive, die auch als Schill-Partei bekannt war, statt.

Es war das erste Mal, dass der Erste Bürgermeister nicht von der SPD gestellt wurde. Ronald Schill wurde Zweiter Bürgermeister und Innensenator. Schill, der unter dem Spitznamen „Richter gnadenlos“ bekannt ist und schon länger mit seinen prolligen Sprüchen polarisierte, erpresste von Beust im Jahr 2003 und drohte ihm mit der öffentlichen Bekanntmachung seiner Homosexualität. Der Streitgrund: Von Beust wollte den skandalträchtigen Staatsrat Walter Wellinghausen, der als rechte Hand Schills galt, entlassen.

Als Reaktion auf die Erpressung entließ von Beust sowohl Wellinghausen als auch Schill. Eine weitere radikale Entscheidung in Form einer Entlassung folgte 2006, als Beust dem Justizsenator Roger Kusch in Folge der „Protokoll Affäre“ einen Rücktritt nahelegte, und ihn entließ als er ablehnte*.

Die Auflösung der Koalition im Dezember 2003 hatte Neuwahlen zur Folge, aus denen die CDU mit einer erstmaligen absoluten Mehrheit hervorging. Bei der nächsten Wahl im Jahr 2008 verlor die CDU ihre absolute Mehrheit, weswegen sie mit der Grün-Alternativen Liste (GAL) ein Bündnis einging. Es war das erste Mal, dass Schwarz und Grün auf Landesebene zusammenarbeiteten.

Ole von Beusts Abschied aus der Politik: Volksentscheid!

Ausschlaggebend für sein politisches Ende und sein Ausscheiden aus dem Hamburger Senat war unter anderem ein Volksentscheid über eine Schulreform. Er wollte sich zudem zukünftig mehr um sein Privatleben kümmern, das unter seiner Tätigkeit als Erster Bürgermeister Hamburgs gelitten hatte. Zusätzlich fiel das Ergebnis des Entscheids gegen von Beust aus, sodass er noch am gleichen Tag seinen Rücktritt verkündete*. Dieser kam für alle überraschend. Er empfahl dem CDU-Landesvorstand Christoph Ahlhaus als seinen Nachfolger. Dieser wurde am 25. August 2010 in das Amt des Ersten Bürgermeisters Hamburgs gewählt.

Seit dem 1. Oktober 2010 ist Ole von Beust Senior Advisor der Beratung für Unternehmen Roland Bergers und somit deren Lobbyist. Zusätzlich ist er Mitgesellschafter der Ole von Beust Consulting GmbH & Co KG, bei der er als Berater für Unternehmen und Verbände fungiert.

Ole von Beust Privalleben und Skandale: Mit ehemaligem Praktikanten verheiratet

Ole von Beust hielt und hält sein privates Leben so gut es geht aus den Medien raus. Geboren wurde er am 13. April 1955 in Hamburg unter dem Namen Carl-Friedrich Arp Freiherr von Beust. Seine Mutter Hanna Freiin von Beust wurde im Nationalsozialismus als „Halbjüdin“ eingestuft und starb 1995. Mit seiner Volljährigkeit ließ er seinen Namen offiziell zu Ole von Beust ändern. Weiterhin besitzt der ehemalige Bürgermeister Hamburgs eine Wohnung auf Sylt, wohin er sich regelmäßig für eine Auszeit vom Großstadtleben und seiner Beschäftigung zurückzieht.

Mit seiner Beziehung zu seinem damaligen Praktikanten im Rathaus im Jahre 2009 zog er jedoch unfreiwillig das mediale Interesse auf sein Privatleben. Zwischen den beiden lag ein Altersunterschied von 36 Jahren, wofür er zunächst viel belächelt wurde. Doch was einst als Skandal begann*, hält bis heute. Seit 2013 ist von Beust mit seinem Lebensgefährten Lukas Förster verheiratet. Förster selbst studierte zu dem Zeitpunkt Medizin und war gerade 22 Jahre alt. Von Beust hielt die Hochzeit zunächst jedoch geheim.

Rat des einstigen Ersten Bürgermeisters an Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg

Trotz Rückzug aus der politischen ersten Riege, äußert von Beust medial dennoch seine Meinung. Ende 2018 beklagte er etwa, dass der CDU ihre Nackensteaks wichtiger seien als Nachhaltigkeit. Damit kritisierte er das fehlende Engagement für Umweltbewusstsein und die geringe Bepreisung von Fleisch.

Zusätzlich unterstützte er die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Chefin der CDU und hielt auch nach Wahlniederlagen zu ihr. Auch Angela Merkel habe schwere erste Jahre gehabt und sich dann in ihrer Rolle eingefunden. Er appelliert, Kramp-Karrenbauer müsse mutiger sein.

Ole von Beust ist auch heute noch öffentlich aktiv, wie hier zu sehen, als er zu Anfang der Maskenpflicht bei einer Pressekonferenz vor einem „Maskomat“ posiert, einer Einrichtung eines Supermarktes für Kunden, die ihre Maske vergessen haben.

Im September 2019 schrieb er einen offenen Brief an die Klimaaktivistin Greta Thunberg. Darin sagt er, dass sie viel erreicht habe und durch sie das Thema Klimaschutz allgegenwärtig sei. Dennoch solle Greta nicht die Demut vor Andersdenkenden vergessen. Vor allem vor den Menschen, die ihre Familie durch Knochenarbeit in den Braunkohleminen versorgen mussten. Sie solle die Lebensgeschichten respektieren und Kompromisse zulassen. * Kreiszeitung.de, fr.de und Merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt

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