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Trauer um Gorbatschow: Merkel und Scholz reagieren – auch mit Vorwürfen an Putin

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Von: Franziska Schwarz

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Michael Gorbatschow gilt als einer der wichtigsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Politiker weltweit äußern sich zu seinem Vermächtnis.

Update vom 31. August, 9.49 Uhr: Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Michail Gorbatschow als „einen einzigartigen Weltpolitiker“ gewürdigt. Ohne seinen Mut „zu Glasnost und Perestroika, also zu Offenheit und Umbau, wäre auch die friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen“, hieß es in einer Erklärung Merkels auf ihrer Internetseite.

Mit Blick auf den von Wladimir Putin - der ebenfalls seine Trauer ausdrückte - geführten Ukraine-Krieg erklärte Merkel, dass gerade in diesen „schrecklichen Wochen und Monaten“ die Erinnerung an Gorbatschows historische Leistung ein Innehalten möglich machen möge.

Gorbatschow habe sich 1989/1990 dem Ruf der Menschen nach Freiheit in der DDR nicht mehr entgegen gestellt. „Mehr noch, er ließ zu, dass ein wiedervereinigtes Deutschland Mitglied der Nato werden konnte.“ Für sie unvergessen seien die Bilder der Begegnung von ihm mit dem damaligen Kanzler Helmut Kohl (CDU) im Kaukasus 1990, mit der die Einheit Deutschlands in Frieden und Freiheit zum Greifen nah wurde, hieß es in der Mitteilung.

Scholz nach Gorbatschows Tod: Demokratie in Russland gescheitert

Update vom 31. August, 9.26 Uhr: Kanzler Olaf Scholz hat den verstorbenen Michail Gorbatschow als mutigen Reformer gewürdigt. Gorbatschow habe vieles gewagt, sagte Scholz am Rande der Kabinettsklausur in Meseberg. Seine Politik habe es möglich gemacht, „dass Deutschland vereint werden konnte und der Eiserne Vorhang verschwunden ist“.

Auch Russland habe dank Gorbatschow den Versuch unternehmen können, eine Demokratie zu etablieren. Nun sei er in einer Zeit gestorben, „in der nicht nur die Demokratie in Russland gescheitert ist“, sondern in der der russische Präsident Wladimir Putin auch neue Gräben in Europa ziehe.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) twitterte: „Michael Gorbatschow hat sich in Schicksalsmomenten unserer Geschichte von Frieden und der Verständigung zwischen den Menschen leiten lassen. Das Ende des Kalten Kriegs und die deutsche Einheit sind sein Vermächtnis.“ Und weiter: „Wir trauern um einen Staatsmann, dem wir dafür ewig dankbar sind.“ Auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) betonte auf Twitter, dass Gorbatschows Einsatz für Frieden und Freiheit in Europa unvergessen bleibe.

Michael Gorbatschow gestorben - Politiker aus aller Welt äußern sich

Erstmeldung vom 31. August: München - Der Tod von Michail Gorbatschow hat international große Bestürzung ausgelöst. US-Präsident Joe Biden würdigte Gorbatschow als „Mann mit außergewöhnlicher Weitsicht“ und „Anführer, wie es ihn selten gibt“, der die Welt „sicherer“ gemacht habe.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron bezeichnete Gorbatschow als „Mann des Friedens, dessen Entscheidungen den Russen den Weg zur Freiheit eröffnet haben“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, Gorbatschow habe „eine entscheidende Rolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und dem Fall des Eisernen Vorhangs“ gespielt und „den Weg für ein freies Europa“ geebnet.

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnet den Friedensnobelpreisträger als „einzigartigen Staatsmann, der den Gang der Geschichte verändert hat“. „Er hat mehr als jeder andere für ein friedliches Ende des Kalten Krieges getan.“

Gorbatschow ist tot: „Präsident Putin ist in tiefer Trauer“

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson twitterte: „Ich habe immer den Mut und die Integrität bewundert, die er gezeigt hat, indem er den Kalten Krieg zu einem friedlichen Ende brachte. Zu einer Zeit von Putin Aggression in der Ukraine bleibt sein unermüdliches Engagement für die Öffnung der sowjetischen Gesellschaft ein Vorbild für uns alle.“

Dmitri Peskow, Sprecher des Kreml unter Wladimir Putin, teilte offiziell mit: „Präsident Putin ist in tiefer Trauer im Hinblick auf den Tod von Michail Gorbatschow. Am Morgen wird er den Angehörigen und Nächsten ein Telegramm schicken.“

Michail Gorbatschow im Dezember 1988 in New York
Michail Gorbatschow (Archivbild aus dem Jahr 1988) © Ron Sachs/Imago

Tod von Michael Gorbatschow: Reaktionen aus Deutschland

„Von Anfang an war klar, dass er die Welt verbessern könnte. Es ist ihm gelungen“, twitterte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). CDU-Chef Friedrich Merz schrieb auf Twitter: „Ohne Michail Gorbatschow wäre die deutsche Einheit in Freiheit nicht möglich gewesen. Die CDU trauert um einen Staatsmann, dem Deutschland vertrauen konnte und der uns vertraut hat.“

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) würdigte Gorbatschows Verdienste: „Deutschland hat ihm viel zu verdanken“, twitterte er. Früher als andere habe Gorbatschow die Zeichen der Zeit erkannt, den Kalten Krieg beendet und eine lange Periode des Friedens möglich gemacht. „Den Weg zur Deutschen Einheit hat er ohne Zögern eröffnet.“

„Kann ein einzelner Mensch die Welt verändern? Ja. Er kann. Keine Gewalt, keine Panzer, Abzug von 350 000 sowjetischen Soldaten aus Deutschland. Freiheit für Millionen in Mittel-Osteuropa. Deutsche Einheit. Undenkbar ohne Michail Gorbatschow“, so Ex-CDU-Chef Armin Laschet. „Sein Tod bedrückt. In dieser Zeit noch mehr, twitterte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne).

Michael Gorbatschow im Alter von 91 Jahren gestorben

In den vergangenen Wochen hatten russische Medien immer wieder von Gesundheitsproblemen des einstigen Chefs der Kommunistischen Partei der Sowjetunion berichtet. Der Friedensnobelpreisträger starb am 30. August „nach langer schwerer Krankheit“, wie das Zentralkrankenhaus in Moskau laut russischen Nachrichtenagenturen mitteilte.

Die Nachrichtenagentur Tass berichtete, Gorbatschow solle an der Seite seiner 1999 verstorbenen Ehefrau Raissa auf dem Friedhof des Neujungfrauenklosters in Moskau bestattet werden. (AFP/dpa/frs)

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