Zweite Infektionswelle im Herbst

Karl Lauterbach (SPD) bei Markus Lanz (ZDF): Coronavirus-Jugendliche töten Rentner – Pandemie-Manöver-Kritik

  • Yannick Hanke
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SPD-Politiker und Shooting-Star Karl Lauterbach spricht in der ZDF-TV-Talkshow von Moderator Markus Lanz über die zweite Coronavirus-Infektionswelle. Die Corona-Pandemie könnte noch viele weitere Tote fordern.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 24. September 2020, sind SPD-Politiker Karl Lauterbach, Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot, Autorin Elke Heidenreich sowie Politologe Hamed Abdel-Samad zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus steht der in Hamburg produzierten Talkshow Sozialdemokrat Karl Lauterbach, der mit ZDF*-Moderator Markus Lanz intensiv über Coronavirus-Sars-CoV-2 diskutiert.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Karl Lauterbach
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 57 Jahre), Düren
Ehepartnerin:Angela Spielsberg (verh. ?-2010)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Ausbildung:Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf u.vm.

Markus Lanz (ZDF): SPD-Politiker Karl Lauterbach kündigt zweite Coronavirus-Infektionswelle an

Karl Lauterbach ist neben seinen Tätigkeiten als SPD-Politiker, Mediziner und Gesundheitsökonom auch so etwas wie eine Art Dauergast in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz. Vor allem in Zeiten von Coronavirus-Sars-CoV-2 wird nur allzu gerne auf die Expertise des 57-Jährigen gesetzt, der sich zum Stand der Forschung und der Sinnhaftigkeit der geltenden Einschränkungen und Maßnahmen* äußern darf. Wie auch Jürgen Trittin in Bezug auf die US-Präsidentschaftswahl*.

SPD-Politiker Karl Lauterbach befürchtet, dass die Sorglosigkeit vieler Jugendlicher im Sommer zahlreichen Rentnern im Herbst das Leben kosten wird – denn die Coronavirus-Infektionszahlen würden nach Lauterbach ansteigen. (24hamburg.de-Montage)

So auch in der neuesten Ausgabe der Talkshow. „Der Herbst wird zeigen, wo wir stehen“, zitiert Moderator Markus Lanz den SPD-Politiker und will direkt wissen, „wo wir denn stehen“. Die Antwort Karl Lauterbachs: „Wir stehen am Anfang einer zweiten Infektionswelle. Die Fallzahlen werden deutlich ansteigen, wir könnten 5.000 bis 10.000 Fälle am Tag haben. Dies gilt es abzuwenden. In den nächsten zwei bis drei Wochen wird sich entscheiden, ob wir den Erfolg der ersten Infektionswelle wiederholen können“. SPD-Politiker Peter Tschentscher fürchtet sich indes vor einer zweiten Infektionswelle*.

Markus Lanz (ZDF): Sorgloser Coronavirus-Sommer gefährdet Menschen im Herbst

Darüber hinaus pflichtet der Gesundheitsökonom dem Star-Virologen Christian Drosten bei. „Der hat gesagt: Die Pandemie geht jetzt erst so richtig los“, erinnert Moderator Markus Lanz an die Worte vom 48-Jährigen. „Wir wissen, dass 90 Prozent der Infektionen zu vielen anderen Infektionen führen. Dann spricht man von sogenannten Superspreader-Ereignissen. Das ist eigentlich der einzige Mechanismus, um die Pandemie nach vorne zu bringen. Denn das Virus kann sich nicht von einzelnen Infektionen ernähren, wo eine Person die andere ansteckt“, erklärt Karl Lauterbach.

„90 Prozent der Ereignisse, von denen das Virus lebt, passieren drinnen. Das heißt, dass der Sommer relativ harmlos war. Trotzdem sind wir über den Sommer nicht wirklich gut weggekommen. Wir haben überall verteilt genug Fälle, sodass es drinnen richtig losgehen kann“, führt der Sozialdemokrat aus. Das sorgt für Stutzen bei Markus Lanz: „Haben Sie gesagt, dass wir über den Sommer nicht gut weggekommen sind? Das sehe ich anders“. Kann er auch, nur folgt kurz darauf die Einordnung von Karl Lauterbach.

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach (SPD) selbskritisch – „dann habe ich das Geld nicht verdient“

„Was die Fallzahlen angeht, eigentlich nicht. Hätten wir den Lockdown weiter durchgezogen, als der Sommer kam, dann hätten wir so wenige Fälle gehabt, dass auch über den Sommer kaum etwas passiert wäre. Jetzt gehen wir aber mit zu vielen Fällen, flächendeckend, in den Herbst hinein“, heißt es vom 57-Jährigen. Kurze Pause, dann wird Karl Lauterbach mit einem Plakat von einer Demonstration konfrontiert, das ihn in Sträflingskleidung zeigt und mit der Aufschrift „schuldig“ aufwartet. Eine Reaktion von Coronavirus-Sars-CoV-2-Skeptikern, die nichts auf die Einschätzungen des Mediziners geben.

Wie Lauterbach mit solchen Beschimpfungen umgehen würde, will Markus Lanz von seinem Gesprächspartner wissen. „Ich sage ja nicht, dass alles ganz furchtbar wird. Sondern ich sage, dass wir es in der Hand haben, weil wir relativ spät mit den neuen Zahlen dran sind. In den nächsten drei Wochen können wir so reagieren, dass es eben nicht extrem furchtbar wird. Wenn ich als Vorbeugemediziner nicht versuche, diese Gelegenheit zu ergreifen, dann habe ich das Geld nicht verdient“, wird der Gesundheitsökonom ziemlich deutlich. Ähnlich wie auch Markus Lanz in Bezug auf das Aus von „Wetten, dass..?“*.

Markus Lanz (ZDF): Mediziner Karl Lauterbach (SPD) hält Verschärfung der Coronavirus-Regeln für „schwierig“

Generell zeigt sich Karl Lauterbach im Rahmen der ZDF-Talkshow offen und ehrlich wie noch nie. Dies bezieht sich nicht zuletzt auf die Maßnahmen, die das Coronavirus-Sars-CoV-2 zwingend erforderlich macht und die immer wieder infrage gestellt werden. „Wer von uns wird denn jemals wieder gewählt, wenn wir weiterhin von einer Maskenpflicht sprechen würden, obwohl die Pandemie längst vorbei ist? Wir haben doch eine funktionierende Demokratie und die Rechte, die wir derzeit der Regierung geliehen haben, sind nur befristet“, sagt der SPD-Politiker. Apropos Regierung: Die neuen Coronavirus-Regeln dieser werden von Manuela Schwesig (SPD) schwer kritisiert*.

Lauterbach ist der festen Überzeugung, dass es 2021 Schutz in Form von Impfstoffen geben wird. Diese würden nicht auf Anhieb perfekt ausgereift sein, aber auf jeden Fall helfen. „Jetzt stehen aber noch ein paar Wochen vor uns, die härtesten Wochen der Pandemie. Und zwar deshalb, weil wir jetzt schon müde sind, was die Maßnahmen angeht und wir uns schon im Sommer an eine Lockerung der Maßnahmen gewöhnt haben“, gibt der 57-Jährige zu Bedenken. Deswegen sei eine Verschärfung der Einschränkungen „in den nächsten Wochen sehr schwierig“.

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach (SPD) mit düsterer Prognose – Rentner werden im Herbst sterben

Er schwört auf Solidarität und Zusammenhalt, denn in diesem Fall würden weniger Menschen sterben und mit chronischen Erkrankungen bedroht werden. „Wir sehen jetzt, dass auch in Deutschland zunehmend ältere Jahrgänge wieder vom Virus betroffen sein werden. Die Sterbezahlen werden steigen. Jedoch eventuell nicht ganz so stark, wie es die Fälle vermuten lassen. Dies ist aber nur eine Hypothese“, skizziert Karl Lauterbach ein düsteres Szenario mit einem kleinen Hoffnungsschimmer darin.

Flugs bringt ZDF-Moderator Markus Lanz Hendrik Streeck ins Spiel. Der Virologe ist wie Karl Lauterbach ein gern gesehener Gast in der Hamburger Runde und hat sich in dieser auch schon extremst mit dem SPD-Politiker gefetzt*. „Hendrick Streeck sagt: Lasst uns weggehen von diesem Fälle zählen. Wir brauchen vielmehr eine Ampel als Warnsystem“, zitiert der Talkmaster den Virologen. „Ich finde das ehrlich gesagt nicht überzeugend. Was ist denn in der Ampel drin? Sie soll die Fälle relativieren. In Bezug auf Betten auf der Intensivstation funktioniert das aber nicht“, kritisiert Lauterbach den Vorschlag des Virologen.

Unterm Strich ist ein souveräner Auftritt von Karl Lauterbach in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz zu bilanzieren. Was kaum verwundern dürfte, verbringt der SPD-Politiker gefühlt doch mehr Zeit im TV-Studio in Hamburg-Altona als Zuhause. Weitaus seltener ist Katja Kipping* zu Gast bei Markus Lanz. Aber wenn, dann brilliert die Linken-Politikerin mit energischem Auftreten und Wahlkampf par excellence*. Im Gegensatz zu Lars Klingbeil (SPD), der sich in Bezug auf Kanzlerkandidat Olaf Scholz um Kopf und Kragen redet*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Tom Weller/dpa

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