Corona-Impfstoffe

Kreuzimpfung AstraZeneca: Stiko ändert Impf-Empfehlung

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Als Zweitimpfung soll mRNA-Impfstoff verwendet werden: Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Kreuzimpfung mit AstraZeneca.

Berlin – In Deutschland haben über 45 Millionen Menschen ihre erste Impf-Dosis gegen den Coronavirus erhalten. Davon wurden über neun Millionen Personen mit dem Vakzin AstraZeneca geimpft. Für die gibt es jetzt eine neue Empfehlung: Als Zweitimpfung wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) nicht länger AstraZeneca, sondern ein mRNA-Impfstoff ans Herz gelegt.

Internationaler Pharmakonzern:AstraZeneca
Hauptsitz:Cambridge, Vereinigtes Königreich
Gründung:6. April 1999
CEO:Pascal Soriot

Unter die mRNA-Impfstoffe fallen die Vakzine von Moderna oder Biontech. Aktuellen Studien zufolge sei die Immunantwort bei einer Kreuzimpfung signifikant höher, berichtet RTL. Bereits im Juni hat die Charité Berlin herausgefunden, dass sich für Geimpfte mit beiden Impfstoffen keine Nachteile ergeben, was die Verträglichkeit und Wirksamkeit angeht. Auch eine Studie der Universität Innsbruck hat die Wirkung von AstraZeneca mit Biontech bereits untersucht und kam zu positiven Ergebnissen.

Kreuzimpfung mit Astrazeneca und mRNA-Impfstoff ruft höhere Produktion von Antikörpern hervor

Nun hat eine Studie der Oxford University* ergeben, dass die Kreuzimpfung sogar eine höhere Produktion von Antikörpern gegen das Coronavirus hervorruft, als zwei Impfungen von AstraZeneca. Die Wissenschaftler untersuchten der Frankfurter Rundschau zufolge einen Impf-Abstand von vier Wochen.

„Die Ergebnisse zeigen uns, dass beide Impfungen in einem Intervall von vier Wochen eine Immunantwort induzieren, die über der des Oxford/Astrazeneca-Impfstoffes liegt“, erklärt Matthew Snape, der Studienleiter an der Oxford University laut einer Pressemitteilung der Universität.

Die Stiko empfiehlt eine Kreuzimpfung aus AstraZeneca und einem mRNA-Impfstoff.

Die Reihenfolge der Kreuzimpfung von AstraZeneca und einem der mRNA-Impfstoffe sei dabei nebensächlich. In beiden Fällen hat sich eine hohe Konzentration von Antikörpern gebildet und die Kombination war bei einem Abstand von zehn bis zwölf Wochen gut verträglich. Erwähnenswert ist dabei aber auch: Bei zwei verabreichten Dosen von Biontech war die Konzentration von Antikörpern im menschlichen Körper am höchsten.

Menschen mit doppelter AstraZeneca-Impfung sind schlechter geschützt

Die Empfehlung einer Kreuzimpfung von AstraZeneca mit einem mRNA-Impfstoff gilt dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge ausdrücklich nur für Erstgeimpfte mit AstraZeneca. Alle Personen, die bereits beide Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs erhalten haben, sind schlechter geschützt, folgert der Medizinjournalist Dr. Christoph Specht.

In einem Gespräch mit RTL äußert er dennoch: „Wer bereits doppelt mit AstraZeneca geimpft ist, hat immer noch genug Schutz, um einen schweren Corona-Verlauf zu verhindern.“ Der Patient könne im Falle einer Infektion eventuell leichte Krankheitssymptome bekommen – bei einer Kreuzimpfung falle diese Wahrscheinlichkeit geringer aus.

Stiko spricht sich für Kombination von AstraZeneca mit mRNA-Impfstoffen aus

Seit Ende März 2021 empfiehlt die Stiko den Impfstoff AstraZeneca nur noch für Personen über 60 Jahren. Grund dafür ist das seltene Auftreten von Thrombosen im Zusammenhang mit dem Impfstoff und einer jüngeren Zielgruppe. Nun spricht sich die Ständige Impfkommission des RKI für die Kombination von Vektor- und mRNA-Impfstoffen aus.

Dabei sei mindestens ein vierwöchiger Abstand zwischen beiden Impfungen einzuhalten. Das gilt auch unabhängig vom Alter der Patienten. Ein Anrecht auf eine zweite Biontech- oder Moderna-Impfung hat trotzdem niemand. Der Bestand muss jeweils mit dem eigenen Hausarzt oder der Impfstelle abgestimmt werden. Bremen hat schon reagiert und bietet die Kreuzimpfung mit AstraZeneca und mRNA-Impfstoff für alle* an.

Ob und wann eine Auffrischimpfung für vollständig Geimpfte vonnöten sein wird, ist noch nicht klar. Die Kreuzimpfung könnte auch einen zusätzlichen Schutz vor der deutlich ansteckenderen Delta-Variante hervorrufen – das ist aber noch nicht nachgewiesen. * 24hamburg.de, 24vita.de, kreiszeitung.de und FrankfurterRundschau.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © ZUMA Press/Imago

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