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Ploß pocht auf Kernkraft: „Grüne verhindern vernünftige Lösungen“

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Von: Jens Kiffmeier

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Kernkraft als Rettungsanker: Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß will die AKW-Laufzeiten verlängern – sogar über 2024 hinaus. Trotz Aufschrei der Grünen. Ein Interview.

Hannover/Hamburg – Fahrlässig und irrlichternd: Im Zoff mit den Grünen um die Nutzung der Kernkraft hat die Union den Ton deutlich verschärft. Einer der Wortführer: Christoph Ploß. Der CDU-Landeschef aus Hamburg fordert vehement die Verlängerung der AKW-Laufzeiten. In dieser Woche schoss er dabei sogar ein wenig über das Ziel hinaus, als er unter dem rechtspopulistisch geprägten Hashtag #GruenerMist gegen das Abschalten der drei verbliebenen Meiler wetterte.

Kernkraft in Deutschland: Christoph Ploss (CDU) drängt auf Weiterbetrieb der AKW-Meiler

Doch ob aus Versehen oder nicht – es war ein neuer Höhepunkt in dem Grundsatzstreit, der seit Wochen in Deutschland tobt. Trotz der Gaskrise will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nur zwei von drei verbliebenen Atommeiler im Winter in einer Notreserve halten. Das AKW Emsland soll wie geplant Ende des Jahres vom Netz gehen. Im April 2023 ist dann definitiv Schluss. Doch die Union hält das für einen enormen Fehler – und attackiert deswegen Habeck und die Grünen scharf.

Pocht auf einen Weiterbetrieb der AKW-Meiler: Hamburgs Landeschef Christoph Ploß (CDU).
Pocht auf einen Weiterbetrieb der AKW-Meiler: Hamburgs Landeschef Christoph Ploß (CDU). © Armin Weigel/Britta Pedersen/dpa/Montage/

Warum das kein Wahlkampfgetöse sein soll und welchen Nutzen Deutschland von der Kernkraft noch hat, erklärte Christoph Ploß 24hamburg.de am Rande des CDU-Parteitags in Hannover, bei dem sich die Union nach der verkorksten Bundestagswahl 2021 auch wieder neu aufstellen wollte.

Christoph Ploß: Hamburgs CDU-Landeschef will Weiterbetrieb der Atomkraftwerke

Beim Parteitag hat die CDU hart über die Frauenquote oder das Gesellschaftsjahr diskutiert – sind das die richtigen Akzentsetzungen in der aktuellen Lage?

Ich habe mich für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr eingesetzt und bin froh, dass die CDU dies beschlossen hat. Gerade in Krisenzeiten müssen wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Darum geht es beim Gesellschaftsjahr. Diese Debatte ist also hochaktuell. Klar ist aber auch: In Zeiten von Energiekrise und Inflation haben die Menschen wichtigere Probleme als die Frauenquote in der CDU.

Die CDU hat einen Antrag zur Energiepolitik beschlossen. Reicht das aus als Antwort auf die Sorgen der Menschen?

Die Frage, ob wir im kommenden Winter ausreichend Strom und Gas haben, ist für viele Menschen existenziell. Deshalb fordern wir unter anderem, die Laufzeiten der drei laufenden Kernkraftwerke zu verlängern. Dadurch können allein zehn Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden. Wir werden in den nächsten Wochen weiter Druck auf Ampel-Koalition machen. Die Befindlichkeiten der Grünen dürfen nicht wichtiger sein als die Nöte der Menschen in unserem Land.

Ihre Kritiker werfen der Union eine Scheindebatte vor, weil die verbleibenden Meiler maximal nur noch fünf Prozent zum Strombedarf beitragen können.

Wie gesagt, es geht um zehn Millionen Haushalte! Der Wirtschaftsminister sagt, dass jede Kilowattstunde zähle. Dann kann man doch nicht ohne Not drei Kernkraftwerke abschalten.

CDU gegen Grüne: Räumt Robert Habeck bei der Kernkraft hinter Union her? Ploß hält das für pure Ideologie

Der Wirtschaftsminister sagt aber auch, dass Deutschland nicht in dieser Notlage sein müsste und dass er das aufräumen muss, was die CDU in 16 Jahren verbockt hat. Hätte sich die Union beim Parteitag nicht auch ein Stück weit ehrlicher machen müssen?

Solche parteipolitische Polemik verbietet sich in der Krise. Angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine müssen alle erkennen, dass in den letzten Jahren auch Fehler gemacht wurden.

Das heißt?

Wir hätten nicht gleichzeitig aus der Kernenergie und der Kohleverstromung aussteigen sollen. Wir sehen jetzt, dass wir die Kernenergie neben den Erneuerbaren dringend brauchen. Zwar konnte damals niemand ahnen, dass Russland die Ukraine angreifen würde. Dennoch muss jede Partei bereit sein, die eigene Politik auch an Veränderungen anzupassen. Die Menschen erwarten nach diesem Epochenbruch pragmatische Antworten. Was die Grünen beim Thema Kernkraft machen, ist pure Ideologie.

In letzter Zeit arbeitet sich die Union aber auffällig lautstark an den Grünen ab. Sollte sie nicht lieber mehr eigene fortschrittliche Vorschläge einbringen – statt nur zu meckern?

Entscheidend ist nicht Parteipolitik, sondern die Frage, wo die Stromkapazitäten herkommen. Die Ampel-Parteien sagen: Raus aus Kernkraft. Raus aus Gas. Stattdessen wollen sie auf Kohle setzen. Das ist aber sehr klimaschädlich und reicht auch nicht aus. Die Grünen verhindern die vernünftige Lösung, auf Kernenergie und Erneuerbare zu setzen. Es ist Aufgabe von Opposition, das klar zu benennen.

Laufzeiten der Kernkraftwerke: Christoph Ploss plädiert für Verlängerung über das Jahr 2024 hinaus

Also Kernenergie über 2024 hinaus?

Ja, wir gehen erst einmal von drei bis fünf Jahren aus. Die Kernkraftwerke erzeugen sicher und grundlastfähig CO2-neutralen Strom. Daher dürfen wir uns keiner Option verschließen. Ich glaube, dass wir noch für längere Zeit auf eine Kombination aus Kernenergie und erneuerbaren Energien setzen sollten, um die Klimaschutzziele zu erreichen und Energiesicherheit zu gewährleisten.

Habeck wird in ihrer Partei als Übeltäter gesehen. Sollte der Kanzler ihm die Verantwortung für die Energiepolitik entziehen?

Robert Habeck gibt derzeit ein sehr schwaches Bild ab. Er zeigt eine für einen Minister erschreckende Ahnungslosigkeit über einfache wirtschaftliche Zusammenhänge und ist für die Entscheidung verantwortlich, die Laufzeit der Kernkraftwerke nicht zu verlängern. Aus meiner Sicht hätte Olaf Scholz längst eingreifen müssen. Diese Führungsschwäche des Bundeskanzlers schadet unserem Land.  

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