Die Linke Parteivorsitzende Katja Kipping

Katja Kipping: Die Linke-Parteivorsitzende im Porträt

  • Vivienne Goizet
    VonVivienne Goizet
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Katja Kipping ist Karrierepolitikerin und kämpft für eine gerechte und lebenswerte Gesellschaft. Die Parteivorsitzende der Linken kritisiert Hartz-IV und wirbt für die 4-Tage-Woche. Sie führt die Link in einer Doppelspitze zusammen mit Bernd Riexinger.

  • Katja Kipping ist seit dem Jahr 2012 Vorsitzende der Partei Die Linke.
  • Sie bemängelt die derzeitigen Hartz-IV-Regelungen als menschenunwürdig und will Arbeitslosengeld reformieren.
  • Katja Kipping ist mit dem Politikwissenschaftler Kolja Möller verheiratet.

Berlin Katja Kipping (42) hat bereits in jungen Jahren den Sprung in die Politik gewagt. Mit 20 Jahren trat sie in die Vorgängerpartei der Linken ein, wenig später war sie Stadträtin in Dresden und Abgeordnete des Sächsischen Landtags. Seit 2005 ist sie Mitglied des Bundestages. Ihrem Führungstalent und politischem Gespür verdankt sie einen kometenhaften Aufstieg in der Linken. Zusammen mit Bernd Riexinger (64) ist sie seit 2012 Parteivorsitzende der Linken. Die Power-Frau ist gesellschaftlich engagiert und setzt sich für verschiedene linke Projekte ein. Sie ist außerdem Redakteurin und Mitherausgeberin des Online-MagazinsPrager Frühling“.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Katja Kipping
Geboren: 18. Januar 1978 (Alter 42 Jahre), Dresden
Ehepartner: Kolja Möller (verh. 2011)
Partei: Die Linke
Ausbildung: Technische Universität Dresden
Amt: Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Bücher: Neue linke Mehrheiten: Eine Einladung., MEHR

Katja Kipping vor ihrer politischen Karriere 

Katja Kipping ist in Dresden geboren. Bevor sie 1997 ein Studium begann, absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in Russland. An der Technischen Universität Dresden studierte sie Slawistik, Amerikanistik und Rechtswissenschaften. Die Literaturbegeisterte Katja Kipping untersuchte in ihrer Abschlussarbeit die gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit von Literatur und Politik. Sie schloss ihr Studium 2003 mit einem Magister Artium ab. Nach der Bologna-Hochschulreform entspricht dieser Abschluss heute einem Master of Arts. Katja Kipping lebte während des Studiums in einer Wohngemeinschaft zusammen mit vier weiteren Mitbewohnern.

Der politische Start der Katja Kipping

Schon während ihres Studiums trat Katja Kipping in die PDS ein. Die Partei des Demokratischen Sozialismus war die direkte Nachfolgepartei der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), die das Ein-Parteien-System der ehemaligen DDR bestimmte. Als junge PDS-Politikerin und Studentin wurde Kipping 1999 in den Sächsischen Landtag gewählt. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit lag in der Verkehrs- und Energiepolitik. 

In der PDS wurde mit der Jahrtausendwende ein Prozess der Reformation angestoßen. Der unbedingte Mitgliederwillen der Emanzipation und die klare Trennung von der ehemaligen SED führten zur Erneuerung der Partei. Als aufstrebende Jungpolitikerin war Katja Kipping ein aktiver Teil dieses Prozesses und stand früh dafür ein, mit einer Parteineugründung vielen linkspolitischen Organisationsformen ein gemeinsames Parteizuhause zu geben. Aus der PDS wurde zunächst die Linkspartei.PDS, deren stellvertretende Vorsitzende Katja Kipping 2003 wurde. Als Kipping 2005 als Abgeordnete des Bundestags nach Berlin zog, übernahm sie das sozialpolitische Resort der Bundestagsfraktion der Partei. Ab 2007 hieß ihre Partei offiziell Die Linke. Die Linke ist das Ergebnis des langwierigen Reformationsprozesses, der zu Beginn der 2000er in der PDS angestoßen wurde.

Aufstieg in der Politik: Katja Kipping dringt die erste Reihe ihrer Partei vor

Schon 2007 wurde die damals 29-jährige Katja Kipping zur stellvertretenden Vorsitzenden der Linken gewählt. Sie repräsentierte die junge Generation emanzipatorischer Linkspolitiker, die die Linkspartei reformieren wollen. Als Abgeordnete beschäftigten Kipping vor allem Themen der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit. Sie ist scharfe Kritikerin der Hartz-IV-Gesetze. Arbeitslosengeld und Hartz-IV würden den Empfängern lediglich das Existenzminimum garantieren, sie gesellschaftlich und kulturell aber komplett ausschließen. Katja Kipping setzt sich für eine Erneuerung der Hartz-IV-Gesetze ein, die Menschen gesellschaftliche Teilhabe erlaubten.

Katja Kippings Aufstieg an die Parteispitze

  • 1999 Mitglied des Sächsischen Landtags

  • 2003 stellvertretende Parteivorsitzende Linkspartei.PDS

  • 2005 Mitglied des Bundestages

  • 2007 stellvertretende Parteivorsitzende Die Linke

  • 2012 Vorsitzende der Partei Die Linke

Seit 2012 ist Katja Kipping Vorsitzende der Linken. Zusammen mit ihrem Parteigenossen Bernd Reixinger ist sie verantwortlich für die politischen und organisatorischen Aufgaben der Partei. Als sogenannte Doppelspitze vereinen Kipping und Reixinger unterschiedliche Strömungen in der Linken. Kipping und Reixinger konnten bereits zweimal, 2014 und zuletzt 2016, als Doppelvorsitzende im Amt des Parteivorstands bestätigt werden.

Katja Kipping privat

Die Karrierepolitikerin lebt nicht nur für die Politik, sondern vor allem für ihre Familie. Sie ist seit 2011 mit dem Politikwissenschaftler Kolja Müller (37) verheiratet. Die beiden haben eine acht Jahre alte Tochter. Für Kipping ist aktive Elternschaft selbstverständlich. Sie will ihre Verantwortung als Elternteil nicht abgeben und ihrer Karriere unterordnen, wie viele ihrer männlichen Bundestagskollegen es in der Vergangenheit getan hätten. Kipping ist bekannt dafür, ihre Tochter in den Bundestag oder die Parteizentrale der Linken mitzunehmen. Mit ihrem Ehemann teilt Kipping sich alle Aufgaben des Alltags. 

Katja Kipping auf einer Bürgerschaftswahlkampfveranstaltung in Hamburg Anfang 2020.

Katja Kipping ist behütet in Dresden aufgewachsen. Ihre Eltern betreiben dort ein Hotel. Nach der Wende konnte Kippings Vater eine alte Stadtvilla im Stile der Neorenaissance reprivatisieren. Die Villa war bis 1972 im Familienbesitz. Dann wurden die Kippings enteignet, die Villa in einen staatlichen Wäschereibetrieb umgewandelt. Mit der Reprivatisierung des Familieneigentums konnte Katja Kippings Vater 1993 das Gebäude sanieren und zu einem Hotel umbauen. Mittlerweile wurde das Hotel an die Aigner Hotelbetriebs GmbH verkauft. Katja Kippings Vater und Onkel, die das Hotel seit Jahrzehnten leiteten, sind seit einigen Jahren im Ruhestand.

Katja Kipping im TV

Als Vorsitzende der Linken ist Katja Kipping gern gesehener Gast in Talkshows und Politsendungen. Sie ist Stimme der sozialen Verantwortung und radikale Streiterin für bessere, menschwürdige Lebensbedingungen und Gerechtigkeit. Die Linkenpolitikerin sorgt in Talk-Runden wie bei Sandra Maischberger (53) für ein Gegengewicht zu konservativen und neoliberalen Gesprächspunkten. Zuletzt war Kipping in der Talkshow „Maischberger. vor Ort“ zu sehen. Hier beantwortete sie Bürgerfragen und lieferte sich hitzige Wortgefechte mit dem ebenfalls eingeladenen AfD-Rechtsaußen Tino Chrupalla (45). In einem Interview gab Katja Kipping preis, dass sie zur Beruhigung ihrer Nerven vor und nach Talkshow-Auftritten gerne die eine oder andere Zigarette rauche. Aber ganz so schlimm wie bei Helmut Schmidt soll es wohl nicht sein.

Ebenso wie die Vorsitzenden von FDP und CSU Christian Lindner und Marcus Söder war auch Kipping in den Sommerinterviews des Polit-Magazins Berlin Direkt zu sehen.

Katja Kipping, Hartz-IV und die Corona-Pandemie

Kipping kritisiert die Berechnung der Regelsätze für Hartz-IV seit jeher streng. Ein menschenwürdiges Leben sei mit den Regelsätzen kaum möglich, gesellschaftliche Teilhabe erst recht nicht. Als schärfste Kritikerin des Hartz-IV-Gesetzes pocht sie auf Reformation und steht für eine Mindestsicherung ohne Sanktionen. Sie wirft dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter Leitung des Ministers Hubertus Heil (47) im Kabinett von Angela Merkel, Regelsätze absichtlich kleinzurechnen und damit Leistungsempfänger wissentlich in Armut leben zu lassen. 

Während der Corona-Pandemie ist die Gesellschaft an ihre Grenzen gekommen. So auch der Hamburger Senat. Neue Arbeitszeitmodelle, Homeoffice und flexible Arbeitszeiten wurden über Nacht eingeführt. Viele Arbeitnehmer haben sich an die neugewonnenen Freiheiten gewöhnt. Katja Kipping hat die Corona-bedingten Veränderungen der Art und Weise wie Menschen arbeiten ebenfalls wahrgenommen. Sie stellte sogar öffentlich zur Debatte, dass Arbeit in einer 30-Stunden-Woche mindestens genauso produktiv wäre wie das aktuelle 40-Stunden-Modell. Der Vorteil der Vier-Tage-Woche wäre, dass Arbeiter fröhlicher, gesunder und effektiver wären.

Katja Kipping: Ihr Einkommen als Bundestagsmitglied

Als Mitglied des Bundestages erhält Katja Kipping eine monatliche Abgeordnetenentschädigung in Höhe von 10.083,47 Euro. Für die Miete einer Zweitwohnung in Berlin und zur Einrichtung und Betrieb ihres Abgeordnetenbüros bekommen die Bundestagsmitglieder eine Aufwandsentschädigung von etwa 4.500 Euro.

Im Zuge der Bürgerschaftswahl 2020 in Freien und Hansestadt Hamburg hielt sie eine passionierte Rede, in der sie auch die Mietpreise in der Hansestadt Hamburg kritisierte und für einen Mietendeckel plädierte. Ob sie als Spitzenkandidatin der Linken in der Bundestagswahl 2021 antreten wird entscheidet sich erst Ende des Jahres 2020.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa/picture alliance

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