Anders als alle anderen

Wie Baerbock: Hamburger Grünen-Chefin kassiert weiter Bonus ab

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Während der Streit um Nebeneinkünfte stark am Image der Grünen kratzt, scheint das die Hamburger Partei-Chefin nicht zu stören. Sie scheffelt weiterhin ihren Bonus.

Hamburg – Der Streit um Nebeneinkünfte von Politikern geht weiter. Trotz heftiger Debatten um einen Corona-Bonus an die Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock wollen auch die Hamburger Grünen ihrem Spitzenpersonal weiterhin eine finanzielle Aufwandsentschädigung für die Parteiarbeit zahlen. Das bestätigte die neue Landesvorsitzende Maryam Blumenthal der „Bild“-Zeitung. Bei der Aufgabe handele es sich um einen „Fulltime-Job“, was einen monatlichen Bonus durchaus rechtfertige, verteidigte die 36-Jährige die gängige Praxis gegen Kritik.

Deutsche Politikerin:Maryam Blumenthal (Grüne)
Geboren:2. Juli 1985 in Teheran (Iran)
Privat: verheiratet, drei Kinder
Aktuelle Ämter:Bürgerschaftsabgeordnete und Landesvorsitzende

Blumenthal war am vergangenen Wochenende zur neuen Landeschefin der Grünen in der Hansestadt Hamburg gewählt worden. Den Angaben zufolge bekommt sie nun für ihre Arbeit an der Parteispitze eine monatliche Aufwandsentschädigung von 3167 Euro. Die gleiche Summe kassierte zuvor auch ihre Amtsvorgängerin Anna Gallina. Als die heutige Justizsenatorin 2015 den Landesvorsitz übernahm, lag die Zahlung noch bei 1600 Euro. Doch Gallina setzte eine Verdoppelung durch. Damals argumentierte sie, dass sie durch die Zusatzbelastung an der Parteispitze nicht mehr so viel in ihrem Hauptberuf verdienen könne.

Streit um Nebeneinkünfte: Hamburgs Grünen-Chefin Blumenthal verteidigt ihren Bonus gegen Kritik

Diese Begründung übernahm Blumenthal nun. Die 36-jährige Lehrerin und Bürgerschaftsabgeordnete legte für den Landesvorsitz ihren Posten als Vize-Fraktionschefin nieder, was ihr eine Zusatzdiät von 3300 Euro garantiert hatte. Dieser Verlust wird nun von der Partei kompensiert. Angesichts der Belastungen ist das für Blumenthal auch gerecht. „Ich fände es schräg, als Arbeitgeber ehrenamtlich tätig zu sein“, zitiert die Bild-Zeitung die Parteichefin.

In Rechtfertigungszwang wegen Bonus-Zahlungen: Bundeschefin Annalena Baerbock und Hamburgs Landesvorsitzende Maryam Blumenthal (beide Grüne). (24hamburg.de-Montage)

Grundsätzlich können die Parteien selber über die Bezahlung ihrer Führungspersönlichkeiten entscheiden. Die Grünen sind in Hamburg laut dem Medienbericht allerdings die einzige Partei, die ihren Chefs einen Bonus zukommen lässt. Bei SPD, CDU, Linkspartei oder FDP sollen die Landesvorsitzenden ehrenamtlich arbeiten, hieß es. Dadurch sticht die Öko-Partei weiterhin in der Parteienlandschaft heraus, nachdem zuletzt auch die Bundesspitze in den Fokus der Debatte um Nebenverdienste geraten war.

Corona-Bonus: Debatte um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock kratzt am Image der Grünen

Im Zentrum der aktuellen Diskussion steht dabei Kanzlerkandidatin Baerbock. Die 40-jährige Bundestagsabgeordnete, die in Hamburg studiert hat, hatte ihre Nebeneinkünfte und Bonus-Zahlungen aus der Parteiarbeit dem Deutschen Bundestag erst verspätet angezeigt, weshalb ein Sturm der Entrüstung losgebrochen war. Auch hier ist die Zahlung selber kein Problem. Das Geld wurde ordentlich versteuert und stammte nicht aus der Wirtschaft.

Dennoch bedeutet der Vorgang für die Grünen, die für absolute Transparenz bei Nebeneinkünften stehen, ein gewaltiger Imagekratzer. Mitunter kocht die Wut in der Bevölkerung über die Zahlung eines Corona-Bonus richtig hoch*. In den Umfragen musste Baerbock zuletzt deswegen einen herben Dämpfer hinnehmen. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa/picture alliance & Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

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