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„Keine Rechtsgrundlage, Waffenerlaubnis zu entziehen“- Behörden waren vor Hamburg-Bluttat gewarnt

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Von: Patrick Mayer, Lia Stoike

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Nach der Amoktat in Groß Borstel steht Hamburg unter Schock. Die Polizei der Hansestadt wurde wohl vor dem mutmaßlichen Täter gewarnt.

Hamburg - Neue Erkenntnisse zur Bluttat von Groß Borstel: Nach dem Amoklauf bei den Zeugen Jehovas in Hamburg schließen die Ermittler mögliche Konflikte innerhalb der Glaubensgemeinschaft nicht aus. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer erklärte an diesem Freitag (10. März), es gebe Hinweise auf einen Streit „möglicherweise aus dem Bereich der Zeugen Jehovas“. Das müsse geprüft werden. In den Akten habe man dazu nichts gefunden, erzählte er weiter.

Amoktat von Hamburg: Mutmaßlicher Amokschütze war wohl Mitglied der Zeugen Jehovas

Thomas Radszuweit, Leiter des Staatsschutzes, sagte, die Frage von Streitigkeiten sei derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Seinen Angaben zufolge hatte der mutmaßliche Amokschütze Philipp F. die Hamburger Gemeinde vor anderthalb Jahren freiwillig verlassen, „aber offenbar nicht im Guten“.

Bereits im Januar bekam die Waffenbehörde in Form eines Schreibens einen anonymen Hinweis beziehungsweise eine Warnung vor dem mutmaßlichen Amokschützen. Darin hieß es demnach, dass F. angeblich unter psychischen Problemen leide. Das sei überprüft worden. Mit Blick auf die Tat können die Kontrollen nicht ausreichend gewesen sein, hieß es allerdings in der Pressekonferenz, mit Blick auf die rechtliche Lage seien sie es aber.

Tatort Groß Borstel: Nach der Amoktat in Hamburg werden Spuren gesichert und die Leichen der getöteten Menschen festgestellt.
Tatort Groß Borstel: Nach der Amoktat in Hamburg werden Spuren gesichert und die Leichen der getöteten Menschen festgestellt. © IMAGO/Philipp Reiss

Der Hamburger Polizeipräsident Ralf Martin Meyer erklärte in der Pressekonferenz konkret: „Die Kollegen sind dem Hinweis nachgegangen, haben sich ein Bild gemacht und am Ende der Maßnahmen gesagt, dass sie keine Rechtsgrundlage haben, ein psychologisches Gutachten zu erstellen oder die Waffenerlaubnis zu entziehen.“ Jetzt müsse geschaut werden, was besser gemacht werden könne: „Man muss unterm Strich sagen, dass ein anonymes Hinweisschreiben für sich genommen keine Grundlage ist, auf der man Maßnahmen treffen kann.“ Das sei ein klarer Auftrag an die Politik. Konkrete Motive sind bislang unklar. Es gebe keine politische Motivation.

Mutmaßlicher Amoktäter von Hamburg hatte als Sportschütze eine Waffe

Der 35-jährige Philipp F. war seit dem 12. Dezember 2022 als Sportschütze legal im Besitz einer Waffe. Diese Pistole des Modells „Heckler und Koch P30“ soll auch die Tatwaffe gewesen sein. Wie auf der Pressekonferenz berichtet wurde, habe der Täter bei der Überprüfung zum Erwerb der Waffenbesitzkarte durch die Behörden keine Auffälligkeiten gezeigt. (dpa/pm)

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