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Studie: Hartz-IV-Empfänger beim Dating im Nachteil

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Von: Jens Kiffmeier

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Pech im Job – und in der Liebe: Das gilt laut einer Studie für viele Hartz-IV-Empfänger. Sie haben auf Tinder und Co. schlechtere Karten.

Hamburg – Arm gleich einsam? Seit Jahren warnen Sozialverbände vor der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Hartz-IV-Empfängern und verlangen eine inklusive Politik. Dass die potenzielle Ausgrenzung nicht nur eine Theorie ist, zeigt eine neue Studie.

So können Menschen in der Grundsicherung zum Beispiel beim Online-Dating auf Tinder und Co. schwerer punkten, wie die Partnervermittlungsagentur Gleichklang.de berichtet. Demnach werden Personen, die auf Hartz IV-Niveau leben und damit als mittellos gelten, im Vergleich zu Normalverdienern weitaus öfter als Beziehungspartner abgelehnt. Experten raten aber trotzdem: Nicht entmutigen lassen.

Finanzielle Hilfe für Arbeitslose:Arbeitslosengeld II (genannt Hartz 4)
Eingeführt:1. Januar 20051. Januar 2005
Grundlage für ALG II:\tZweites Buch der Sozialgesetzgebung

Die Agentur Gleichklang, die mit Sitz in Hannover seit 14 Jahren im Geschäft ist, führt nach eigenen Angaben regelmäßig Umfragen unter den 19.000 Mitgliedern durch – auch, um die Effizienz bei der Vermittlung zu verbessern, wie das Unternehmen auf der Homepage schreibt. In der aktuellen Befragung äußerten sich 1032 Mitglieder. Zuvor hatten sich die Beschwerden insbesondere von Männern gehäuft, die eine Zurückweisung wegen ihrer geringen finanziellen Verhältnisse erlebt hätten, schreibt die Agentur.

Studie: Hartz IV-Regelsatz zu gering – Menschen in der Grundsicherung können beim Dating weniger punkten

Die Umfrage, über die das Portal hartz.org zuerst berichtet hatte, bestätigt nun das Gefühl. So gibt es bei der Partnersuche deutliche Vorbehalte gegenüber Menschen mit geringem Einkommen. Allerdings zeigen sich Unterschiede: Frauen sind nämlich kritischer als Männer. So lehnt das weibliche Geschlecht potenzielle Partner zu 73 Prozent ab, wenn sich das Einkommen auf Hartz IV Niveau bewegt. Bei Männer indes liegt die Ablehnungsquote nur bei 32 Prozent.

Eine Frau fotografiert sich mit einem Smartphone. Im Hintergrund ist das Logo der Tinder-App zu sehen.
Trotz guter Selfies: Hartz-IV-Empfänger werden beim Online-Dating oftmals benachteiligt. (24hamburg.de-Montage) © Friso Gentsch/dpa/picture alliance & Chathrine Waibel/dpa/picture alliance

Auffällig ist auch: Bei der Bewertung der potenziellen Partner spielen Vorurteile eine große Rolle. Je höher das eigene Einkommen ist, umso eher wurden Menschen mit geringerem Auskommen aussortiert. Begründet wurde dies zumeist mit dem Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit oder der Sorge vor finanzieller Ausnutzung. Die Chance, bei der Partnerwahl zum Zuge zu kommen, stieg aber mit der Tatsache, wenn die Mittellosigkeit nicht selbstverschuldet wurde.

Hartz-IV und Dating-Apps: Vorurteile gegen Menschen in der Grundsicherung sind groß

Studienautor und Diplom-Psychologe Guido F. Gebauer rät allen Dating-Enttäuschten*, sich nicht entmutigen zu lassen. Bei der Partnersuche sollte es eigentlich nicht auf das Einkommen, sondern auf gemeinsame Werte ankommen, schreibt er in seinem Blog zu dem Thema. Aber die Betroffenen sollten sich ruhig ein „etwas dickeres Fell zurechtzulegen und mögliche Ablehnungen wegen der eigenen finanziellen Situation nicht persönlich zu nehmen“, so Gebauer.

Statt sich zurückzuziehen, könnten sich die Hartz-IV-Bezieher die Studienergebnisse auch zunutze machen. Gebauers Tipp: „ Es könnte hilfreich sein, deutlich zu machen, dass trotz Mittellosigkeit eine finanzielle Unabhängigkeit angestrebt wird und vom Beziehungspartner nicht erwartet wird, in die Versorgerrolle zu treten.“ * 24hamburg.de und tz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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