Schlachthof-Skandale

Vion-Schlachthof gibt grünes Licht: Corona-Ausbruch in Bad Bramstedt ist beendet

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Der Vion-Schlachthof in Bad Bramstedt im Kreis Segeberg erklärt den Coronavirus-Ausbruch unter den Beschäftigten für beendet. Seit dem 6. Juni hat es dort keine Neuinfektionen mehr gegeben.

  • Deutschlandweit haben sich Mitarbeiter von Schlachthöfen mit Coronavirus* infiziert.
  • Fleischindustrie daraufhin unter massiver Kritik - auch von Tierrechtsorganisation PETA.
  • Skandal-Betrieb Vion in Bad Bramstedt zurück im Normalbetrieb - keine weiteren Fälle gemeldet.

Update vom 18. Juni 2020, 14:45 Uhr: Bad Bramstedt - Wie die Deutsche Presse Agentur (dpa) mitteilt, ist der Coronavirus-Ausbruch im Vion-Schlachthof in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg, Schleswig-Holstein) beendet. Seit dem 6. Juni seien keine weiteren Neuinfektionen bekannt gegeben worden. Insgesamt hätte man seit Ende April 243 im Kreis Segeberg lebende Schlachthof-Mitarbeiter und deren Kontaktpersonen auf das neue Coronavirus getestet, sagte Kreissprecherin Sabrina Müller.

Der Vion-Schlachthof in Bad Bramstedt gibt grünes Licht: Keine weiteren Coronavirus-Fälle gemeldet.

Im Nachbarkreis Steinburg, wo viele Werkvertragsmitarbeiter des Schlachthofes in einer ehemaligen Kaserne untergebracht waren, gab es nach Angaben von Kreissprecherin Sonja Wilke 81 Infizierte. Die letzte Person sei dort am 8. Juni aus der Quarantäne entlassen worden, sagte sie.

Stattdessen sorgt nun der Schlachthof Tönnies im Kreis Gütersloh für jede Menge Aufsehen: Wie fr.de berichtet,* kam es auch in diesem Betrieb zu einem Ausbruch des neuartigen Coronavirus unter den Beschäftigten. Am 17. Juni war die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Mitarbeiter im Schlachtbetrieb Tönnies auf 657 gestiegen. Rund 7000 Menschen befänden sich nach Angaben des Kreises zufolge in Quarantäne.

Vion will weiter schlachten - PETA: „Skrupellose Industrie“

Update vom 20. Mai 2020, 13:05 Uhr: Der Schlachthof in Bad Bramstedt im Kreis Segeberg will seinen Betrieb wieder aufnehmen. Ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest, jedoch bereit sich Vion auf die Wiederaufnahme des Betriebs vor, so ein Vion-Sprecher. Zuvor wurden etwa 140 Mitarbeiter und Angehörige des Schlachthofes positiv auf das neuartige Coronavirus getestet, die Zahl der Infizierten sei nun aber wieder rückläufig.

„Die Hygiene-Kontrolleure des Kreises haben bereits am Montagnachmittag grünes Licht für die Wiederinbetriebnahme des Schlachthofes gegeben“, äußerte ein Sprecher des Kreises Segeberg. Es liege nun in der Hand von Vion, wann genau der Schlachtbetrieb wieder aufgenommen werden soll - noch 18 Angestellte des Schlachthofs in Bad Bramstedt befänden sich in Quarantäne. Auch in der Gemeinde Hatten (Kreis Oldenburg) müssen die Mitarbeiter eines Schlachtbetriebs in Quarantäne*.

Der Vion Schlachtbetrieb in Bad Bramstedt will nach dem Coronavirus-Skandal wieder mit den Schlachtungen starten. (24hamburg.de-Montage)

Coronavirus-Vorfälle in Schlachthöfen: Bundesregierung reagiert mit Verboten für die Fleischindustrie

Kritik an den deutschlandweiten Coronavirus-Vorfällen in Schlachthöfen gab es bereits von einigen Politikern. Die Bundesregierung hat jetzt zügig reagiert und will Werkverträge in der Fleischindustrie ab 2020 verbieten, das teilte ZEIT Online mit. Darüber hinaus soll es häufigere und strengere Kontrollen geben: Arbeitszeiten der Mitarbeiter sollen zukünftig digital erfasst werden, Verstöße können laut Kabinett mit bis zu 30.000 Euro bestraft werden, das gab die Tagesschau am Mittwoch bekannt.

Nach vermehrten Coronavirus-Fällen in deutschen Schlachthöfen reagieren Politiker nun mit Forderungen an die deutsche Fleischindustrie.

Kritische Stimmen kommen aber vor allem auch von Tierschutzverbänden wie PETA, sie sprechen von einer „skrupellosen Industrie“ und einer „Ausbeutung von Arbeitern und Tieren.“. Schon in der Vergangenheit hat PETA des öfteren Strafanzeigen gegen den Vion-Schlachthof erstattet. Ähnlich kritisch betrachtet die Organisation Animal Equality die Vorfälle und twittert: „Die Pandemie verschärft die Probleme der ohnehin extrem schlechten Arbeitsbedingungen.“

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Trotz steigender Zahlen von bestätigten #Corona-Infizierten in Schlachthöfen, bleiben die Betriebe zum Teil weiterhin geöffnet, da sie angeblich systemrelevant sind. Diese Entscheidung kostet nicht nur zahllose #Tiere das Leben, sondern birgt auch ein gesundheitliches Risiko für die Schlachthofmitarbeiter und die gesamte Bevölkerung. 😱😠 Bitte unterstütze nicht weiter diese skrupellose Industrie und die damit verbundene Ausbeutung von Arbeitern und Tieren. Greife beim Einkauf stets zu pflanzlichen Produkten. Mit jedem Kauf tierischer Produkte wird eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, die möglicherweise die nächste #Zoonose auslösen könnte. Hilf mit das Risiko einer weiteren Pandemie zu vermindern. 💪🌱✌ #GoVegan

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Wegen Corona: Grüne wollen Schnitzel teurer machen – jetzt müssen alle Veganer werden

Erstmeldung vom 18. Mai 2020, 16:38 Uhr: Bad Bramstedt/Berlin – Es fing alles im unscheinbar wirkenden Bad Bramstedt (Schleswig-Holstein) an: Mitarbeiter in dem dort ansässigen Vion-Schlachtbetrieb infizierten sich mit dem Coronavirus. Erst waren es 51 Angestellte, dann stieg die Zahl der Infizierten rasant an. Mittlerweile sind knapp 140 Beschäftigte betroffen – 24hamburg.de berichtete*.

Der Vorfall bringt jede Menge Kritik mit sich, bei der vor allem unzulängliche Hygiene-Maßnahmen und die beengte Wohnsituation der Mitarbeiter im Vordergrund stehen. Mittlerweile ist klar, dass es sich hierbei um keinen Einzelfall handelt – denn auch in weiteren Schlachthöfen ist das Coronavirus ausgebrochen, Kollegen von merkur.de berichteten von Fällen in Bayern.*

Coronavirus in Schlachthöfen: Robert Habeck (Grüne) mit radikalem Vorschlag

Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und enge Wohnsituationen scheinen ein grundsätzliches, bundesweites Problem in der Fleischindustrie darzustellen. Jetzt reagiert sogar die Bundesregierung auf die Schlachthof-Skandale – und Robert Habeck macht einen mutigen Vorschlag.

PolitikerRobert Habeck
Geboren2. September 1969 (Alter 50 Jahre)
EhepartnerinAndrea Paluch
ParteiBündnis 90/Die Grünen
AmtMitglied des Bundesrates seit 2012
AusbildungUniversität Hamburg (2000)

Kanzlerin Angela Merkel und Julia Klöckner äußern Kritik an Fleischindustrie

Aufgrund der vermehrten Coronavirus-Fälle in deutschen Schlachthöfen und der Kritik an Produktions-, Arbeits- und Wohnbedingungen von Arbeitern plant das Corona-Kabinett eine Diskussion über das Thema. Das Ziel: Neue Regelungen aufzustellen, die den Arbeitsschutz in der deutschen Fleischindustrie sicherstellen. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, lieferte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereits erste Vorschläge für Neuerungen im Arbeitsschutzgesetz: Demnach wird ein Verbot von Werkverträgen in Schlachthöfen angestrebt.

Der Hintergrund: Bisher – so auch im Fall Bad Bramstedt – sind die meisten Mitarbeiter in Schlachtbetrieben über Subunternehmer angestellt. Diese seien häufig auch verantwortlich für die Wohnunterkünfte der Arbeiter, in denen oft eng auf eng gelebt wird – der Norddeutsche Rundunk (NDR) berichtete hierzu ausführlich.

Im Vion-Schlachthof Bad Bramstedt haben sich knapp 140 Mitarbeiter und Angehörige mit dem Coronavirus infiziert.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt das Geschehen nicht unkommentiert, sie sprach von „erschreckenden Nachrichten“ und in Bezug auf die Wohnsituation von „erheblichen Mängeln". Die Union will nun reagieren: Bundesland-Wirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) fordern höhere Bußgelder bei Verstößen gegen Arbeitszeitregelungen in Schlachthöfen: „Der Bußgeldrahmen sollte von 15.000 auf 30.000 Euro erhöht werden“, verlangt Klöckner.

Nach Schlachthof-Skandalen: Robert Habeck (Grüne) mit Forderung an die Fleischindustrie

Die Coronavirus-Fälle in deutschen Schlachthöfen sind auch Thema bei den Grünen. Initiiert von Robert Habeck reagiert die Partei mit einem Sieben-Punkte-Plan, in dem sie grundlegende Veränderungen für die deutsche Fleischindustrie fordert. In dem Plan verlangt die Partei folgende Maßnahmen:

  • Ein Verbot von Werkvertragsverhältnissen über Subunternehmen.
  • Die Einführung einer Generalunternehmerhaftung.
  • Klare Hygiene- und Gesundheitsstandards in Arbeiterunterkünften.
  •  Zuständigkeit der Betriebsräte an einem Standort für die gesamte Belegschaft.
  • Effektive Kontrollen von Gesundheitsschutz, Arbeitsschutz, Arbeitszeit und korrekter Entlohnung.
  • Ein Mindestpreis für Tierprodukte.
  • Tierschutzcent, kürzere Tiertransporte, regionale Schlachtstätten, mobile Schlachteinrichtungen.

Ähnliche Reaktionen und Forderungen nach verschäften Maßnahmen in der deutschen Fleischindustrie gab es auch von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Gegenüber dem Hamburger Abendblatt äußerte Freddy Adjan, der Vize-Bundesvorsitzende, die Regierung müsse „mit neuen Gesetzen und glasklaren Regeln den Weg für eine grundlegende Reform der Fleischindustrie ebnen“. Dazu gehört auch der Umgang mit Antibiotika bei Masttieren. Der führt verstärkt zu Bildung und Verbreitung multiresistenter Keime*.

Die Fleischindustrie selbst weist unterdessen jegliche Kritik an Hygiene- und Arbeitsstandards von sich. Inzwischen seien die Mitarbeiter von 22 Schlachtbetrieben in mehreren Bundesländern Coronavirus-Tests unterzogen worden – das teilte Heike Harstick der FAZ mit. Sie ist Hauptgeschäftsführerin des Verbands der Deutschen Fleischwirtschaft, zu dem auch die betroffenen Schlachtbetriebe der Konzerne Westfleisch, Vion und Müller gehören. Es seien von den 9710 bis Samstag durchgeführten Tests 48 positiv ausgefallen. * 24hamburg.de , fr.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa/picture alliance

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