Kontaktverbote und Ausgangssperre

Corona: Lockdown-Bilanz – so effektiv sind die Regeln wirklich

  • Jens Kiffmeier
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Kontaktverbot, Maskenpflicht, Ausgangssperre: Was hilft am besten gegen die steigenden Corona-Zahlen? Die Ergebnisse von Studien sind da – und überraschen. 

Hamburg – Trotz Knallhart-Lockdown: Die Corona*-Zahlen steigen deutschlandweit rasant nach oben. Deshalb haben Intensivmediziner jetzt Alarm geschlagen und eine Verschärfung der bestehenden Pandemie-Maßnahmen* gefordert. Ohne zusätzliche Regeln werde man das Infektionsgeschehen nicht mehr in den Griff bekommen, warnte der Direktor der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), Stefan Kluge, im Gespräch mit dem NDR.

Schule auf, Schule zu: Jeder Deutsche fordert von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) etwas anderes. (24hamburg.de-Montage)

„Dieser Anstieg jeden Tag – der wird immer schlimmer“, sagte der Mediziner und Experte für Corona-Impfstoffe*. Mit den bestehenden Regeln müssten sich die Deutschen weiterhin auf wochenlange Beschränkungen einstellen. Besser sei es daher, das gesellschaftliche Leben noch härter herunterzufahren, forderte Kluge.

Corona-Lockdown: Studie zeigt Wirkung von Kontaktverboten und Ausgangssperren

In Norddeutschland stößt Kluge dabei auf immer größer werdendes Verständnis. Nachdem bereits Bremerhaven* und Niedersachsen* Überlegungen zur Ausgangssperre auf den Weg gebracht haben, zieht Hamburg jetzt nach. Am Dienstag verkündete ein Sprecher von Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher* (SPD), dass höchstwahrscheinlich ab Karfreitag in der Hansestadt ein nächtliches Ausgehverbot* verhängt wird.

Doch wie effektiv ist dieses Instrument im Kampf gegen die Pandemie? Diese Frage stellen sich jetzt immer mehr Deutsche im Corona-Lockdown. 19 Wissenschaftler aus Großbritannien, den USA und Australien haben bereits versucht, sie zu beantworten. Die Ergebnisse liefern dabei ein überraschendes Bild, wie kürzlich das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete.

Maßnahme:Senkung des R-Wertes (in Prozent):
Versammlungsverbot42
Schließung von Schulen38
Schließung von Restaurants18
Ausgangssperre13

Bereits im vergangenen Jahr, in den ersten Lockdowns sammelten die Wissenschaftler Daten aus insgesamt 41 Ländern. Von Lockerung bis Lockdown – in ihrer Untersuchung nahmen sie alles unter die Lupe. Den Angaben zufolge setzen sie alle Maßnahmen in Relation zum R-Wert.

Beim R-Wert wird statistisch ermittelt, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Liegt der R-Wert unter eins, geht die Infektionskurve nach unten. Liegt er über eins, klettert sie nach oben. Mithilfe dieser Grundlage konnten die Wissenschaftler die Auswirkungen der einzelnen Corona-Maßnahmen dokumentieren.

Corona-Regeln: Das bringt die Schließung von Schulen und Restaurants im Lockdown

Laut der Studie, die im internationalen Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht worden ist, erwies sich ein normales Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen in geschlossenen Räumen als besonders wirkungsvoll. Dadurch konnte der R-Wert um 42 Prozent gesenkt werden. Sehr effektiv sollen zudem auch Schließungen von Schulen* und Universitäten gewesen sein, wodurch ein Minus von 38 Prozent beim R-Wert gemessen wurde.

Und die Schließung von Restaurants und Bars sowie Ausgangssperren*? Das brachte angeblich erstaunlich wenig: So sank der R-Wert in diesen Bereichen laut des Medienberichts um 18 beziehungsweise 13 Prozent. Allerdings sei in der Studie nicht zwischen strikter und nächtlicher Ausgangssperre unterschieden worden, hieß es.

Corona-Regeln in Hamburg: Senat kommt um Ausgangssperre kaum herum

Doch was heißt das jetzt für die politischen Entscheidungsträger? Erst einmal wenig. In Hamburg etwa gilt seit mehr als einer Woche wieder ein Knallhart-Lockdown mit Kontaktverboten und geschlossenen Geschäften. Trotzdem steigt der Inzidenzwert ungebremst nach oben. Am Montag lag er bereits über der 150er-Marke.

Angesichts der Zahlen kommt man aus Sicht des Hamburger Senats* gar nicht um weitere Maßnahmen wie der Verhängung der Ausgangssperre herum – trotz einer vielleicht geringeren Wirkung. Es sei eine zusätzliche Abbremsung des Infektionsgeschehens nötig, sagte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank* (Grüne). Ansonsten drohe das Gesundheitssystem in wenigen Wochen an seine Belastungsgrenzen zu stoßen.

Am Ende ist ohnehin die Kombination der vielen Maßnahmen entscheidend. Das bestätigt auch die Wissenschaft. So kommen die Forscher zu dem wenig überraschenden Schluss, dass die Verbindung von Versammlungsverboten für Gruppen mit mehr als zehn Personen, die Schließung von Bars sowie der Schulen und Universitäten am besten geeignet sind, den R-Wert unter die kritische Marke von 1,0 zu drücken. Die von vielen gefürchtete Ausgangsbeschränkung hilft dann noch zusätzlich. * 24hamburg.de, nordbuzz.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa/picture alliance

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