Alles über FDP-Parteichef Lindner

„Berlin direkt“ (ZDF): FDP-Parteichef Christian Lindner – bekannt durch seine One-Man-Show und Haartransplantation

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Christian Lindner hat harte Arbeit noch nie gescheut. Der FDP-Mann ist seit rund 25 Jahren in der Politik aktiv und hat in dieser Zeit einige Entwicklungen und Veränderungen angestoßen. Am Sonntag, 26. Juli 2020 um 19:10 Uhr steht er im ZDF-Sommerinterview Rede und Antwort.

  • Im Alter von 16 Jahren wurde Christian Lindner Mitglied der liberalen FDP.
  • Fünf Jahre später zog er als jüngster Abgeordneter in den Landtag Nordrhein-Westfalens.
  • Parallel studierte er und arbeitete als Jungunternehmer.

BerlinChristian Lindner (41) ist das Aushängeschild der Freien Demokratischen Partei, kurz FDP, obwohl er zu Beginn seiner politischen Karriere den Beinamen „Bambi“ trug. Diesen verdankte er dem 2003 bei einem Fallschirmsprung verunglückten FDP-Politiker Jürgen Möllemann (* 15. Juli 1945, † 5. Juni 2003), der ihn damit spöttisch aufzog. Lindner wurde schon im Alter von 16 Jahren FDP-Mitglied. Nachdem der Partei im Jahr 2000 der Einzug in den Landtag Nordrhein-Westfalens gelungen war, galt er hier zudem als jüngster Abgeordnete. Im Landtag blieb er bis 2009. Von 2012 bis 2017 zog er erneut ein.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Christian Lindner
Geboren:7. Januar 1979 (Alter 41 Jahre), Wuppertal
Größe:1,86 m
Ehepartnerin:Dagmar Rosenfeld (verh. 2011)
Ausbildung:Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Partei:Freie Demokratische Partei

Christian Lindner: FDP-Politiker wird von Bambi zu Rambo

Mitglied des Deutschen Bundestages war Christian Lindner von 2009 bis 2012 und seit der Bundestagswahl 2017erneut Spitzenkandidat der FDP und Vorsitzender der FDP-Fraktion. In seiner heutigen Position hat er die Rolle des Bambis ein für alle Mal hinter sich gelassen und wird stattdessen öfter als „Rambo“ bezeichnet – genau wie seine Lieblingsfilmfigur aus dem gleichnamigen Actionfilm. Anfahrtsrouten zum Bundestag, dem Ort seines Schaffens, zeigt Google Maps an.

FDP-Mann Christian Lindner ist ein redegewandter Politiker, der eine klare Meinung nicht scheut und mit dieser Art gelegentlich aneckt. (Archivbild)

Christian Lindner und die Freie Demokratische Partei (FDP)

Die FDP wurde am 12. Dezember 1948 gegründet und ordnet sich im politischen Spektrum mittig bis mittig-rechts ein. Die Partei war von 1949 bis 2013 im Deutschen Bundestag vertreten und zog 2017 erneut als Fraktion der Freien Demokraten ein. Aktuell hat die Partei 80 Sitze im Bundestag und etwa 65.000 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren. Bei den Landtagswahlen im Februar 2020 erhielt sie in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen die meisten Stimmen.

FDP-Politiker durch und durch: Christian Lindner, seit rund 25 Jahren in der Politik aktiv, ist seit Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Freien Demokraten. (Archivbild)

Grundsätzlich verfolgt die FDP den Liberalismus, der die Freiheit des Einzelnen vor der staatlichen Gewalt sieht. Hier ein paar Grundsätze der Partei

  • Die FDP sieht sich als Verfechter einer liberalen, sozialen Marktwirtschaft, in der der Staat Grundregeln aufstellt, aber den Markt und seinen Wettbewerb nicht verzerrt.
  • Darüber hinaus strebt die FDP eine vereinfachte Steuersenkung an, um die Wirtschaft durch erhöhte Kaufkraft anzukurbeln.
  • Die Bildungspolitik der FDP setzt sich für eine Kindesförderung in der Vorschule ein und lehnt das System der Gesamtschulen ab.
  • Schließlich bezeichnet sich die FDP als Europapartei und unterstützt eine verbundene Europäische Union mit gemeinsamer Innen- und Außenpolitik.

Christian Lindners (FDP) Jahre vor der Politik

Christian Lindner wurde 1979 in Wuppertal geboren und wuchs nach der Trennung seiner Eltern bei seiner Mutter in Wermelskirchen auf. 1998 absolvierte er dort das Abitur am Städtischen Gymnasium und absolvierte seinen Zivildienst als Hausmeister. Um so früh wie möglich auf eigenen Beinen stehen zu können, gründete er seine eigene Werbeagentur, die regionalen Telefongesellschaften zum Markteintritt verhalf. In dieser Zeit war die Politik noch ein Hobby, das ihm sehr am Herzen lag: Lindner setzte sich dafür ein, dass man sich innerhalb der FDP mehr um die Belange junger Leute kümmerte und wurde aufgrund dessen im Jahr 2000 in den Landtag gewählt.

Christian Lindners (FDP) gescheitertes Unternehmen

Mit zwei Freunden gründete Christian Lindner im Mai 2000 die Internetfirma Moomax GmbH, für die sie ein Risikokapitalfond als vierten Partner gewinnen konnten. Als die Börsenblase platzte, musste das Unternehmen Ende 2001 Insolvenz anmelden – zu dem Zeitpunkt war Lindner jedoch schon nicht mehr als Geschäftsführer tätig. Lindner möchte auch aufgrund seiner Erfahrungen Menschen dazu animieren, neue Wege zu gehen und Risiken in Kauf zu nehmen, um Chancen nicht zu verpassen. Gleichzeitig möchte er zeigen, dass auch ein Scheitern neue Möglichkeiten aufweisen kann, denn schon als 18-Jähriger sagte er: „Probleme sind nur dornige Chancen“.

Christian Lindner (FDP): Studium neben Beruf und Politik

Ein typisches Studentenleben hatte Christian Lindner nicht: Von 1999 bis 2006 absolvierte er sein Studium in Politikwissenschaft, Staatsrecht und Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Da er damals schon als Politiker und Unternehmer tätig war, blieb nicht viel Zeit für Partys. Außerdem diente der 41-jährige Politiker in dieser Zeit als Reserveoffizier bei der Luftwaffe, wurde 2002 zum Oberleutnant befördert und trägt seit 2011 den DienstgradHauptmann der Reserve“. 

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In dieser Woche hat sich die #Koalition auf die Einführung der #Grundrente geeinigt. Schon vor der #Coronakrise war klar: Dieses Instrument ist falsch und wird Altersarmut nicht treffsicher bekämpfen. Wir brauchen eine neue Verständigung auf den Generationenvertrag, denn gerade die jüngeren Generationen werden die enorme #Schuldenlast des Staates tragen müssen. Deswegen schlagen wir die Basis-Rente vor, die einerseits gezielt hilft und auf der anderen Seite aber auch die Lasten fair verteilt. Wir beantragen auch eine Wiedereinführung des sogenannten Nachholfaktors bei der gesetzlichen Rente. Außerdem muss dringend etwas für das wirtschaftliche Wachstum Deutschlands und die Beschäftigung getan werden. Wir brauchen einen #Detox für #Deutschland, also: #Bürokratie entschlacken und die Kräfte der Wirtschaft entfesseln. Es muss nun alles unternommen werden, um zu verhindern, dass Deutschland wieder ein Land wird, in dem es millionenfache Arbeitslosigkeit gibt. Unser Vorschlag: Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes insgesamt stärken und eine Entlastung bei der Lohn- und Einkommenssteuer. Und als letzten Antrag: #Bildung weiter digitalisieren! Die Coronakrise hat gezeigt, wie wenig die #Digitalisierung in den Schulen vorangetrieben wurde. Es braucht jetzt eine Entbürokratisierung des "DigitalPakts Schule". Wir wollen es den #Schulen und Schulträgern leichter machen, an das Geld zu kommen, indem wir bestimmte Vorschriften zeitlich befristet aussetzen. TL

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Christian Lindners (FDP) Privatleben in den Schlagzeilen

Neun Jahre lang war Christian Lindner mit der Journalistin Dagmar Rosenfeld (46) liiert, 2011 heiratete das Paar. Nur etwa drei Monaten nach der Trennung von seiner Ehefrau berichteten Klatschmagazine von seiner neuen Beziehung zu der zehn Jahre jüngeren RTL-Reporterin Franca Lehfeldt (32). Das Paar zeigte sich zum ersten Mal gemeinsam auf dem roten Teppich zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele.

Seine Freundin teilte auch schon vor ihrer Beziehung mit ihm gerne private Schnappschüsse bei Instagram und Co. Doch genau solch ein eigentlich harmloses Foto vom gemeinsamen Amsterdam-Trip wurde Christian Lindner schließlich zum Verhängnis: Seine Follower kritisierten ihn scharf dafür, dass er nicht vor Ort war, als die FDP den Einzug in die Hamburger* Bürgerschaft verfehlte – es sei offenbar der falsche Zeitpunkt für einen Urlaub gewesen.

Christian Lindner (FDP): Liebe für die schönen Dinge im Leben

Neben politischen Inhalten widmet sich Christian Lindner in seiner Freizeit auch gerne den schönen Dingen des Lebens: Sein erstes Wort als Kind soll „Auto“ gewesen sein. Den Männertraum schlechthin erfüllte er sich mit seinem Porsche 911. Sein Vermögen wird auf rund 1,5 Millionen Euro geschätzt. Er belegt außerdem Platz 14 der Abgeordneten mit den höchsten Nebeneinkünften. 2019 sollen Lindners Einnahmen insgesamt rund 311.000 Euro betragen haben. Hierbei handelte es sich neben seinen Diäten wohl hauptsächlich um Einkünfte, die er durch Vorträge bezog.

Toupet oder doch eine Haartransplantation? 2013 zirkulierten einige Vorher-Nachher-Bilder von Christian Lindners Frisur. Und tatsächlich war er der erste Politiker, der sich öffentlich zu einer Haartransplantation bekannte. Dabei wurde Lindner für seine Ehrlichkeit immer wieder gelobt: Sein Bekenntnis habe dazu beigetragen, Haartransplantationen bei Männern weder als unmännlich noch als Schwäche zu kategorisieren, sondern als simplen Schönheitseingriff. Dass Lindner auch Humor hat, stellte er zudem 2017 unter Beweis, als er den SongHurra, wir leben noch“ von Milva auf einer Karnevalssitzung sang und das Publikum damit in Stimmung brachte.

Christian Lindner (FDP) und das geforderte Rauchverbot

Auch wenn Christian Lindner sich nach einem erfolgreichen Tag gerne eine Zigarre gönnt, setzt sich die FDP verstärkt für ein Rauchverbot an öffentlichen Orten ein. Neben Lindner gibt es auch noch einige weitere Raucher in der Partei. Dennoch nimmt sich die FDP Schweden als Vorbild: Rauchern soll es nicht mehr gestattet sein, an öffentlichen Spielplätzen, Bushaltestellen oder Bahnsteigen zu rauchen, also überall dort, wo andere Menschen dem Rauch nur schwer entgehen können.

Christian Lindner (FDP) zeigt immer wieder eine klare Haltung

Dem FDP-Parteichef Christian Lindner war es von Beginn an wichtig, im Bundestag Haltung zu zeigen: Im ARD-Sommerinterview 2020 betonte er zum Beispiel, dass die FDP und AfD inhaltlich nicht zusammenkämen. Diese Aussage folgte, nachdem der thüringische FDP-Vorsitzende Thomas Kemmerich (55) sich unter anderem mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten wählen ließ*.

Haltung zeigt Christian Lindner aber auch in seinem Podcast1 Thema, 2 Farben“, in dem er einmal im Monat seine Kontakte aus Politik, Kultur, Sport und Wissenschaft zu einem Gespräch einlädt. Unter anderem war bereits CDU- Gesundheitsminister Jens Spahn (40) als Gesprächspartner Teil des Podcasts, der unter anderem aktuelle Sachverhalte wie die Coronavirus-Sars-CoV-2*-Krise thematisiert.

Christian Lindner (FDP): Öffentliche Fehltritte des Politikers

Christian Lindner hat Social Media schon lange für sich entdeckt, sich mit seinen Beiträgen in der Vergangenheit aber nicht immer Freunde gemacht: Im März 2019 äußerte er sich auf Twitter zu der von Greta Thunberg gestarteten JugendbewegungFridays for Future“ und lobte das politische Engagement der Schüler. Gleichzeitig betonte er aber, dass „die globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare“ den Profis vorbehalten sei und man nicht erwarten könne, dass die Schüler diese auch wirklich verstünden.

Einen weiteren Fehltritt leistete sich Christian Lindner im Zuge der Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise im Mai 2020: Er soll sich im überfüllten Berliner Promi-Restaurant Borchardt aufgehalten haben und zum Abschied den Honorarkonsul von Weißrussland, Steffen Göpel (54), ohne Maske umarmt haben*. Daraufhin entschuldigte er sich auf Twitter für sein Verhalten und bezeichnete die Umarmung als „Unkonzentriertheit“.

Christian Lindner (FDP): Politiker stellt sich den Fragen vom Polit-Magazin „Berlin direkt“ und nimmt am ZDF-Sommerinterview teil

Christian Lindner ist für Aussagen bekannt, die dem neutralen Beobachter mitunter zu harsch oder offensiv vorkommen. Doch ist es gerade dieser Stil des FDP-Manns, der ihn nicht zuletzt für die Öffentlich-Rechtlichen und deren diverse Interview- und Talkshow-Formate interessant macht. Bereits am Sonntag, 26. Juli 2020 ist der 41-Jährige im Rahmen der ZDF-Sommerinterviews zu sehen, Teil des Polit-MagazinsBerlin direkt*“, das in der parlamentarischen Sommerpause seit unzähligen Jahren mit Hochkarätern der deutschen Politiklandschaft spricht.

Ab 19:10 Uhr ist Lindner im Gespräch mit Moderatorin Shakuntala Banerjee zu sehen und folgt damit auf prominente Vorgänger, die in diesem Jahr bereits im Kontext der ZDF-Sommerinterviews zu sehen waren. Zunächst war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD)* zu Gast, der sich über Internet-Rambos echauffierte*. Auf ihn folgte der CSU-Vorsitzende Markus Söder*, der sich um eine klare Antwort hinsichtlich seiner Kanzler-Kandidatur* gewunden und diese nicht kategorisch ausgeschlossen hatte. Vielleicht wird der für seine Schlagfertigkeit bekannte Lindner deutlicher in seinen Aussagen sein. * 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

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