Kipping unterstellt Fährlässigkeit

Berlin direkt (ZDF): Linken-Chefin Katja Kipping verurteilt Berliner Corona-Demos - „Aufruf zur Rücksichtslosigkeit“

  • Yannick Hanke
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Am Sonntag, 2. August 2020 wartet das nunmehr vierte ZDF-Sommerinterview in diesem Jahr mit der Linken-Bundesvorsitzenden Katja Kipping auf. Im Rahmen des Polit-Magazins „Berlin direkt“ kritisiert die 42-Jährige Demonstrationen gegen das Coronavirus.

Berlin/Dresden – Am Sonntag, 26. Juli 2020 ist im Rahmen der diesjährigen ZDF-Sommerinterviews mit Katja Kipping die erste Frau zu Gast. Die Linken-Parteivorsitzende trifft sich für das Polit-MagazinBerlin direkt“ mit Moderatorin Shakuntala Banerjee in Dresden. Schnell entwickelt sich ein Gespräch, in dem die Politikerin Unverständnis für die Coronavirus-Sars-CoV-2-Demos zeigt und mit ihrer eigenen Partei abrechnet.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Katja Kipping
Geboren:18. Januar 1978 (Alter 42 Jahre), Dresden
Ehepartner:Kolja Möller (verh. 2011)
Partei:Die Linke
Ausbildung:Technische Universität Dresden
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Bücher:Neue linke Mehrheiten: Eine Einladung u.v.m.

Berlin direkt (ZDF): Katja Kipping (Die Linke) zu Gast im ZDF-Sommerinterview - Politikerin wird mit Erfolg der Sachsen-AFD konfrontiert

Katja Kipping ist seit mehr als 20 Jahren politisch aktiv. Die heute 42-Jährige ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2012 im Verbund mit Bernd Riexinger Parteivorsitzende. Mit ihrer Expertise und ihrer besonnenen Art, heikle Themen deeskalierend zu diskutieren, hat Kipping im Laufe der Jahre an viel Ansehen gewonnen. Nicht zuletzt bei den Öffentlich-Rechtlichen, in deren Talkshows die gebürtige Dresdnerin ein gern gesehener Gast ist.

Berlin direkt (ZDF): Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping (rechts) diskutiert im Rahmen des ZDF-Sommerinterviews mit Moderatorin Shakuntala Banerjee.

Auch für das Polit-MagazinBerlin direkt“ ist Kipping mehr als interessant. Im Kontext der alljährlich ausgestrahlten ZDF-Sommerinterviews hat sich die Politikerin mit Moderatorin Shakuntala Banerjee in Dresden getroffen, um über allerhand Themen zu sprechen. Gesprächsbedarf ist definitiv vorhanden, gilt es doch, die Rolle der eigenen Partei in Bezug auf den Umgang mit China zu hinterfragen. Und auch die Demonstrationen gegen die Regeln, die das Coronavirus-Sars-CoV-2 erfordert*, werden besprochen.

Die beiden Frauen treffen sich bei bestem Sommerwetter im Dresdner Stadtteil Prohlis, einer ehemaligen CDU-Hochburg, in der die AfD seit der letzten Landtagswahl rund 30 Prozent der Stimmen hält. In dem „klassischen Plattenbau-Gebiet“, wie Kipping es bezeichnet, hat die Politik bereits „Haustür-Besuche gemacht. Für sie sei es wichtig, auch mal eine Seite von Dresden zu zeigen, in der „jeder Dritte, der hier lebt [...] auf Sozialleistungen angewiesen“ ist.

Voll in ihrem Element: Linken-Politikerin Katja Kipping (rechts) argumentiert im ZDF-Sommerinterview von „Berlin direkt“ gegenüber Moderatorin Shakuntala Banerjee.

Die ZDF-Moderatorin kommt direkt zur Sache und konfrontiert Kipping mit dem Fakt, dass Sachsen mal das Stammland der Linken gewesen ist, die Politikerin bei der letzten Landtagswahl aber nur noch ein Direktmandat gewinnen konnte. Daran anknüpfend erfolgt Banerjees erste Frage: „Was haben Sie da falsch gemacht?“. Kipping kann der Journalistin nur beipflichten, dass nicht die gewünschten Wahlergebnisse erzielt wurden und gibt offen und ehrlich zu, das einiges besser werden muss. Konkretisiert wird dies aber nicht.

Berlin direkt (ZDF): Katja Kipping (Linke) will „die CDU auf die Oppositionsbank setzen“

Grundsätzlich würden die Linken im Osten an Stimmen verlieren und andernorts nur einen geringen Zuwachs verzeichnen. Laut Kipping läge das Problem nicht zuletzt darin, dass viele Leute nicht glauben können, dass Punkte aus dem Wahlprogramm der Partei auch wirklich umgesetzt werden. Veränderungen seien deswegen „notwendig“, die Linke müsse „stärker“ werden.

Ob denn nicht mehr „Stammtisch-Wahlen“ eine Option wären, um mehr Stimmen für sich zu verbuchen, möchte Banerjee daraufhin wissen. Kipping würde aber nicht auf Einladungen zu Stammtischen warten, sondern vielmehr selbst solche organisieren und zu diesen einladen. Es sei aber auch notwendig, „immer wieder dahinzugehen, wo die Menschen sind. Sie müssen das Gefühl haben, dass sie aus der Tür rausfallen“, sagt Kipping.

Als der 42-Jährigen mit bissigem Unterton vorgehalten wird, eventuell nicht die richtigen Themen zu bedienen und Kipping auch noch als „das junge, urbane Gesicht der Linken“ bezeichnet wird, kommt diese aus sich heraus. Man solle aufhören, ihre Arbeit zu karikieren, denn seit die Politikerin im Bundestag vertreten ist, kämpfe sie von früh bis spät gegen die „Ungerechtigkeiten von sozialer Verunsicherung“. Erfolge seien erzielt worden, Kritik wäre aber auch in Ordnung.

Im Folgenden werden adäquate Klimaschutz-Maßnahmen diskutiert, die laut Kipping nicht zuungunsten der Schwächsten bzw. Ärmsten ausfallen dürfen. Die Linke müsse aber „größer und zweistellig werden, um die CDU auf die Oppositionsbank zu setzen“ – und damit eigene Konzepte und Vorstellungen realisieren zu können. „Man muss mit uns rechnen, wir wollen in diesem Land wirklich etwas verändern“, lautet die daran anschließende Aussage Kippings, die einem Slogan gleicht.

Berlin direkt (ZDF): Coronavirus-Sars-CoV-2-Demos in Berlin sind für Linken-Politikerin Katja Kipping ein „Aufruf zur Rücksichtslosigkeit“

Zudem wird Kipping von Banerjee auf die Demokratiebewegungen in China* angesprochen, zu denen es „von der Linke noch keine maßgebliche Kritik von oberster Stelle“ gegeben hätte. „Ich kann ganz klar sagen: wo Menschenrechte verletzt werden, muss man sich dem entgegenstellen. Und zwar ganz unabhängig davon, durch wen das passiert. Das sage ich in alle Richtungen. Also auch in Richtung von Linken, die meinen, dass man bei China nicht ganz so streng sein müsse. Denn Menschenrechtsverletzungen gilt es zu kritisieren“, wird die Linken-Politikerin ziemlich deutlich.

Hier geht es lang: Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping (links) zeigt der ZDF-Moderatorin Shakuntala Banerjee den Dresdner Stadtteil Prohlis.

Zu guter Letzt werden die Corona-Demos thematisiert, die am Samstag, 30. Juli in Berlin ihren vorläufigen, traurigen Höhepunkt fanden*. Rund 17.00 Menschen hatten gegen die Regeln, die das Coronavirus-Sars-CoV-2 erfordert, demonstriert und sich im Rahmen dessen nicht an geltende Abstandsregelungen oder die Maskenpflicht gehalten. Kipping habe sich die Bilder angeschaut und „versucht, in die Forderungen einzusteigen. Natürlich ist Ausdruck eine Stärke unserer Demokratie. Jegliche Fährlässigkeit ist aber gleichzeitig auch ein Aufruf zur Rücksichtslosigkeit“, betont die 42-Jährige vehement.

Am Sonntag, 9. August 2020 empfängt Moderator Theo Koll ab 19:10 Uhr den AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla zum ZDF-Sommerinterview. Zuvor waren bereits Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), CSU-Vorsitzender Markus Söder* und FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner* bei „Berlin direkt“ zu Gast. Es wurde unter anderem über Pflichttests für Corona-Urlauber*, die Kanzler-Kandidatur Söders* und Internet-Hetze gegen Politiker* gesprochen, mitunter gar hitzig debattiert. * 24hamburg.de, fr.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Ronald Bonss/ZDF

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