„Wir haben ein Problem“

Berlin direkt (ZDF): Corona-Bundespräsident Steinmeier (SPD) schießt gegen Internet-Rambos und Politiker-Hetze

  • Yannick Hanke
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Am Sonntag, 12. Juli 2020 startet das beliebte Polit-Magazin „Berlin direkt“ seine bundesweit bekannten „ZDF-Sommerinterviews“. Neben hochkarätigen Politikern der im Bundestag vertretenen Parteien kommt auch der amtierende Bundespräsident zu Wort. In diesem Fall macht Frank-Walter Steinmeier (SPD) den Auftakt.

Berlin - Am Sonntag, 12. Juli 2020 startet das ZDF im Rahmen des Polit-Magazins „Berlin direkt“ die beliebten Sommerinterviews, die sich einer langen Tradition erfreuen. Im sommerlichen Ambiente werden hier namhafte Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien sowie der jeweils amtierende Bundespräsident zum Gespräch gebeten. Den Auftakt macht letztgenannter, namentlich Frank-Walter Steinmeier (SPD), der mit Moderator Theo Koll über das Coronavirus-Sars-CoV-2, aber auch Internet-Hetze gegen politische Entscheidungsträger spricht.

Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland:Frank-Walter Steinmeier
Geboren:5. Januar 1956 (Alter 64 Jahre), Detmold
Ehepartnerin:Elke Büdenbender (verh. 1995)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Bundespräsident seit 2017
Amtszeit als Präsident:19. März 2017 -

Berlin direkt (ZDF): Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) zu Gast im ZDF-Sommerinterview - Erfahrener Politiker nimmt sich Internet-Rambos vor

Frank-Walter Steinmeier einen erfahrenen Politiker zu nennen, ist fast noch untertrieben. Der SPD-Mann ist seit über 25 Jahren in der Politik aktiv und war von 1999 bis 2005 Chef des Bundeskanzleramtes. Darüber hinaus bekleidete er für insgesamt acht Jahre das Amt des Außenministers (jeweils unter der aus Hamburg* stammenden Bundeskanzlerin Angela Merkel*) und fungierte als Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland (BRD). Bei der Bundestagswahl 2009 war der heute 64-Jährige Kanzlerkandidat, von 2009 bis 2013 leitete er als Vorsitzender die Geschicke der SPD-Bundestagsfraktion.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD, rechts) spricht im Rahmen der ZDF-Sommerinterviews von „Berlin direkt“ mit Moderator Theo Koll.

Vor rund dreieinhalb Jahren wurde der gebürtige Nordrhein-Westfale zum nunmehr 12. Bundespräsidenten der BRD gewählt. Nicht zuletzt seitdem ist der wortgewandte SPD-Politiker ein gefragter Gast in Interviews und öffentlichen Gesprächsrunden. Dementsprechend kann auch das ZDF es sich nicht nehmen lassen, den studierten Juristen im Rahmen des Polit-Magazins „Berlin direkt“ zu einem Gespräch zu beten. Dieses findet im Kontext der sogenannten „ZDF-Sommerinterviews“ statt, die vom 12. Juli an bis zum 30. August jeweils am Sonntag um 19:10 Uhr ausgestrahlt werden.

Der Auftakt ist dem Bundespräsidenten vorbehalten, der im Interview mit Moderator Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin, zu allerhand Themen befragt wird. So äußert sich Steinmeier beispielsweise über die im Internet stattfindende Hetze gegen Politiker. Ihm zufolge ist eine Verrohung der politischen Auseinandersetzung, vor allem in den sozialen Medien, zu bilanzieren. „Ich wünschte mir sehr, dass wir einig darüber bleiben, dass Hass und Hetze nicht in die politische Auseinandersetzung gehören“, lässt der SPD-Politiker verlauten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD; rechts) konnte im Rahmen der ZDF-Sommerinterviews von „Berlin direkt“ mitunter auch schmunzeln.

Schnell wird Moderator Koll konkreter und nennt das Beispiel der stellvertretenden Linken-Vorsitzenden Janine Wissler, die sich mit Morddrohungen konfrontiert sieht*. „Wir haben ein Problem“, kommentiert Steinmeier diesen besorgniserregenden Fall. Kein Einzelfall, wie auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz* zu schildern wusste. Die 55-Jährige erzählte von Drohungen dieser Art, die sie aufgrund ihrer Aussagen hinsichtlich der Bestrafung von Tätern von Kindesmissbräuchen*, erhalten habe, wie 24hamburg.de-MarkusLanz in aller Ausführlichkeit zu berichten weiß. Und auch Sahra Wagenknecht (Die Linke) sprach in der Hamburger Runde schon über ihren Umgang mit Morddrohungen*.

Berlin direkt (ZDF): Bundespräsident Steinmeier (SPD) spricht im Sommerinterview über seinen Umgang mit der Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise

Doch zurück zu Steinmeier. Dieser hätte sehr früh damit begonnen, sich um Bürgermeister kleinerer Gemeinden zu kümmern, die Hass-Mails erhalten haben. Mitunter würden diese einen Galgen in den Garten gestellt bekommen, um Kritik an ihrer Politik auszudrücken. Deshalb wünsche sich der Bundespräsident eine Streitkultur, die von Vernunft geprägt sei. Ein eindringlicher, gar flammender Appell, der vom SPD-Politiker vehement betont und wiederholt wird.

Wie Steinmeier die Zeit der Pandemie bisher sowohl beruflich als auch privat genutzt und verbracht habe, möchte Koll vom Bundespräsidenten wissen. Er habe „zwei Tage damit verbracht, meinen Keller aufzuräumen und mein Rennrad wiederentdeckt“. Es gäbe verschiedene Phasen im Rahmen der Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise, die gezeigt hätten, wie mit solch einer Ausnahmesituation umzugehen sei bzw. wie auf diese reagiert werden würde. „Wenn man genau hinschaut, sieht man aber, dass nicht alle gleich von der Krise betroffen sind“, sagt Steinmeier.

Nachteile, die durch den Lockdown entstanden sind, müssten schnell wieder ausgeglichen werden. Die Art der Wertschätzung, die beispielsweise dem Personal im Supermarkt ausgesprochen würde, müsse sich auch in finanzieller Art und Weise widerspiegeln. Denn das sei eine angemessene Form der Dankbarkeit. „Die Deutschen haben ihre Schwierigkeiten mit dem Staat. Ich sehe aber, dass das Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger in den vergangenen Wochen und Monaten gestiegen ist“, merkt der SPD-Politiker zudem an und kann auch der Extremsituation auch etwas Positives abgewinnen.

Koll spricht den Bundespräsidenten daraufhin auf mögliche kritische Interventionen an, die Steinmeier hätte ergreifen können. „Die Grenzen hätte ich eventuell zugemacht, wenn ich dies mit den europäischen Partnern und Staaten abgesprochen hätte“, sagt der 64-Jährige. Nun gehe es aber darum, die Arbeit neu zu gestalten, um weiterhin wirksam zu sein, heißt es vonseiten Steinmeiers. Es würde darauf ankommen, dass die „Politik mutig genug ist, um eine Brücke zu bauen“, um letzendlich die finanziell prekäre Situation für viele Arbeitgeber und -nehmer zu entschärfen.

Berlin direkt (ZDF): Bundespräsident Steinmeier (SPD) mit harscher Kritik an China

Zum Ende des Sommerinterviews kommen Koll und Steinmeier auch auf China zu sprechen. Die Volksrepublik würde in Hongkong gegen internationale Vereinbarungen verstoßen, die China selbst noch 1984 abgegeben habe. Dies wird vom Bundespräsidenten harsch kritisiert, der sagt: „Wenn es dabei bleibt, dann wird es eine nachhaltige, negative Veränderung zu den europäischen, zu den westlichen Staaten geben“. Da das Land aus Asien daran allerdings kein Interesse haben könne, hofft der SPD-Politiker, „dass es Möglichkeiten zur Umkehr im chinesischen Denken gibt“.

Am Sonntag, 19. Juli geht es ab 19:10 Uhr mit den ZDF-Sommerinterviews im Rahmen des Polit-Magazins „Berlin direkt“ weiter. Moderatorin ist erneut Theo Koll, zu Gast ist der CSU-Vorsitzende Markus Söder. Wer den Bayern kennt, kann sich auf ein wortgewaltiges Feuerwerk* freuen, über das 24hamburg.de-Politik zu berichten weiß. * 24hamburg.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Claudius Pflug/ZDF/dpa

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