Attacke auf Kanzlerkandidatin

Kriegstreiberin: Lafontaine greift Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock an

  • Jens Kiffmeier
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Linken-Politiker Oskar Lafontaine warnt vor Annalena Baerbock (Grüne) als mögliche Kanzlerin. Viel Häme und Spott für Baerbock. Was soll sie verbrochen haben?

Hamburg – Mit einem Pöbel-Pamphlet hat Linkspolitiker Oskar Lafontaine einen Sturm der Entrüstung losgetreten. In einem bei Facebook veröffentlichten Meinungsbeitrag schoss der frühere Bundesvorsitzende der SPD und der Linkspartei scharf gegen die neue Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock. Die Vorstellung von Baerbock als Kanzlerin sei für ihn der „Horror“, schrieb Lafontaine. Im Netz löste der frühere Bundesfinanzminister damit einen Shitstorm aus.

Deutsche Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980 (Alter: 40 Jahre) in Hannover
Privat:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelle Ämter:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

In seinem Beitrag sprach Lafontaine der grünen Parteivorsitzenden jegliche Regierungserfahrung und Kompetenz ab und nannte sie indirekt eine Kriegstreiberin. Bereits 1999 hätten sich die Grünen von einer Friedens- in eine Kriegspartei verwandelt, als der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) zusammen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einen völkerrechtswidrigen Krieg in Jugoslawien unterstützt hätte. An der Einstellung habe sich bis heute nichts geändert.

Annalena Baerbock (Grüne): Parteichefin einer Kriegspartei – Oskar Lafontaine warnt vor Kanzlerkandidatin

Baerbock geht Lafontaine direkt an: „Eine führende Vertreterin dieser kriegsfreudigen Partei ist die neue Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.“ Sie befürworte völkerrechtswidrige Kriege, weitere Aufrüstung, Waffenlieferungen und die Einkreisung Russlands durch die USA. Die Vorstellung, dass die Grünen bei einer sich verschärfenden Krise an der russisch-ukrainischen Grenze mit Baerbock die Kanzlerin stellten, sei für ihn der „Horror“.

Fiese Pöbel-Attacke: Linkspolitiker Oskar Lafontaine warnt vor Parteichefin Annalena Baerbock (Grüne) als Kanzlerin. (24hamburg.de-Montage)

Bei den Grünen lösten die drastischen Worte nur noch Kopfschütteln aus. Allen voran Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) wies die Kritik als unflätig zurück. „Hier ist aber jemand gewaltig abgedriftet. Ganz übel!“, schrieb sie beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Ähnlich reagierten auch viele Nutzer direkt auf der Facebook-Seite von Lafontaine. Viele warfen dem ehemaligen SPD-Chef, der nach einem Streit mit Kanzler Schröder nach nur wenigen Wochen im Amt des Bundesfinanzministers 1998 das Handtuch geschmissen hatte und anschließend die Linkspartei mitgegründete, verletzte Eitelkeit vor. Lafontaine sei einmal ein „Hoffnungsträger“ gewesen, schrieb ein Nutzer. Heute sei er nur noch „verbittert“.

Annalena Baerbock (Grüne): Zum Ärger von Lafontaine – Kanzlerkandidatin führt in den Umfragen

Baerbock, die seit drei Jahren die Grünen zusammen mit Robert Habeck als Parteivorsitzende führt und sich in dieser Zeit von einem Nobody zu einem Shootingstar entwickelt hat, war erst am Montag zur Kanzlerkandidatin der Grünen ausgerufen worden. Für die Öko-Partei ist es ein historisches Ereignis: Baerbock ist nicht nur die erste Kanzlerkandidatin in der Geschichte der Grünen. Die 40-Jährige, die zusammen mit ihren Kindern und ihrem Mann in Potsdam lebt, ist auch die jüngste Bewerberin, die sich auf den obersten Regierungsposten bewirbt.

Es reicht nicht, zwei Kinder großzuziehen.

Oskar Lafontaine (Linke) zur Kompetenz von Annalena Baerbock als Kanzlerin

Ihre Kritiker werfen ihr vor, nicht über ausreichend Regierungserfahrung zu verfügen. Seit 2013 ist sie Parlamentarierin, davor arbeitete sie selber für Europa- und Bundestagsabgeordnete. Genau in diese Kerbe schlug nun auch Lafontaine. Mit drastischen Worten sprach er ihr und den Grünen jegliche Kompetenz ab – und geizte dabei auch nicht mit alten Geschlechterklischees.

Annalena Baerbock Grüne Kanzlerkandidatin lässt Lafontaine-Hetze unkommentiert

Die Grünen, so pöbelte Lafontaine, seien „offensichtlich der Meinung, wenn man Mitarbeiter einer Fraktion war und zwei Kinder großzieht, sei man hinreichend qualifiziert, die größte Wirtschaftsnation Europas zu führen“. Doch das sei ein Trugschluss. In der Wirtschaft sei das undenkbar, schrieb der Linkspolitiker. Bei Konzernen wie VW, Daimler oder BASF könne niemand Chef werden, der vorher nicht mindestens Geschäftsführer eines mittleren Unternehmens war.

Baerbock selber ließ die Attacke unkommentiert. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich mit solchen Anfeindungen auseinandersetzen muss. „Ja, ich war noch nie Ministerin“, sagte sie bei ihrer Antrittsrede am Montag. Aber sie stehe für einen Neuanfang. „Die anderen für den Status quo“, fügte sie hinzu und verwies dabei auf berühmte Vorbilder wie US-Präsident Barack Obama oder Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern.

Ohnehin kann sie die Debatte um ihre Person derzeit entspannt verfolgen. Während sie bei grünen Parteianhängern seit Jahren als kompetente und entschlossene Führungspersönlichkeit geschätzt wird, steigt ihre Beliebtheit auch bei den Deutschen. Seit dieser Woche liegen die Grünen in einigen Umfragen zur anstehenden Bundestagswahl auf Platz eins. Vor der Union mit Kanzlerkandidat Armin Laschet und der SPD mit Vizekanzler Olaf Scholz. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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