1. 24hamburg
  2. Politik

Annalena Baerbock (Grüne): Richtig Hamburgern? Olaf Scholz macht es besser

Erstellt:

Von: Jens Kiffmeier

Kommentare

Jung gegen alt, Mann gegen Frau: Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) wollen ins Kanzler-Amt. Wer kann es besser? Grünen-Politikerin mit deutlicher Antwort.

Hamburg/Berlin – Kuschelwahlkampf statt Schlammschlacht? Mit eindeutigen Worten hat Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) seine Konkurrentin um das Kanzleramt verteidigt. Was da in den letzten Tagen an Vorwürfen gegen Annalena Baerbock (Grüne) im Netz zu lesen war, finde ich völlig unmöglich“, sagte Scholz gleich zu Beginn des Polittalks vom RBB und der Süddeutschen Zeitung. Derartige Online-Angriffe und Hass-Attacken gehörten sich einfach nicht. Damit war der Ton gesetzt im ersten TV-Duell des Bundestagswahlkampfes.

Annalena Baerbock (Grüne)Olaf Scholz (SPD)
40 Jahre alt62 Jahre alt
verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdamverheiratet, keine Kinder
ParteivorsitzendeVizekanzler und Bundesfinanzminister

Baerbock gegen Scholz, Scholz gegen Baerbock – beide wollen im September Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bundeskanzleramt nachfolgen. Das Duell bietet eigentlich viel Zündstoff. Sie gilt als ehrgeizige Erneuerin, er als der regierungserfahrene Garant in einer unsicheren Zukunft. Kurioserweise treten beide auch noch im gleichen Potsdamer Wahlkreis gegeneinander an.

Annalena Baerbock (Grüne): Kanzlerkandidatin tritt bei Bundestagswahl gegen Olaf Scholz (SPD) an

Dennoch wollen beide aus dem Kampf um Macht und Mandat keine vergiftete Auseinandersetzung machen. Sie werbe für einen „respektvollen Umgang im Wahlkampf“, sagte Baerbock, die in den vergangenen Tagen immer wieder Opfer von Hass-Attacken im Netz und Fake-News-Angriffen geworden ist. Dass das durchaus möglich ist, zeigten die beiden in den folgenden 75 Minuten in der Sondersendung „Wer schafft es ins Kanzleramt?“, die dadurch nicht unbedingt langweilig wurde.

Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) lachen beide in die Kamera. Im Hintergrund ist die Skyline von Hamburg mit der Elbphilharmonie zu sehen.
Haben beide eine Verbindung zu Hamburg: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). (24hamburg.de-Montage) © Daniel Bockwohld/dpa/picture alliance und Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Denn gleich zu Beginn setzte Baerbock eine kleine, boshafte Spitze gegen Scholz. Was der Bundesfinanzminister denn besser könne als sie selber, wurde die 40-Jährige gefragt. Ihre Antwort: Scholz könne „richtig Hamburgern“. Tatsächlich verbindet die beiden Duellanten eine Liebe zu der Hansestadt Hamburg. Er ist dort aufgewachsen und war lange Erster Bürgermeister, sie hat dort viele Jahre studiert.

Insofern könnte man die Antwort durchaus als Nettigkeit verstehen. Auf der anderen Seite ist der Sprachdialekt keine Fähigkeit, die eine besondere Kanzlerqualifikation wäre. Insofern hätte Baerbock auch sagen können: nichts.

Annalena Baerbock: Umfragen sehen die Grüne vorn – Wechselstimmung ist im Land ausgeprägt

Die Episode zeigt einmal mehr, mit welch großer Portion Selbstbewusstsein Baerbock sich in den Wahlkampf stürzt. In den Umfragen kann sie mit ihrem Auftreten jedenfalls punkten. Derzeit liegt sie knapp vor CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der zuletzt gegen seine Konkurrenten ordentlich austeilte*, und weit vor SPD-Spitzenkandidat Scholz. Die 40-Jährige profitiert dabei auch von einer ausgeprägten Wechselstimmung im Land, wie Wahlforscher Robert Vehrkamp von der Bertelsmann-Stiftung in der RBB-Sendung analysierte.

Selbst Olaf Scholz zeigt sich von der forschen Baerbock-Art ein wenig beeindruckt. Ihren Mut, mit dem sie sich in die Kandidatur geworfen habe, sei schon bewundernswert, gestand der Vizekanzler seinerseits auf die Frage, was die Grüne ihm gegenüber auszeichne. An diesem Punkt fragte man sich als geneigter Zuschauer schon: Warum ist der Olaf so nett? Keine Angriffe? Nichts? Bewirbt sich da ein Kanzlerkandidat bereits um eine Juniorrolle in einem grün-rot-roten Bündnis unter einer Kanzlerin Annalena Baerbock?

Bislang haben alle Parteien Aussagen zu Koalitionskonstellationen bewusst offen gelassen. Dass ein Bündnis zwischen SPD und Grünen aber kein reiner Selbstläufer ist, das zeigten Scholz und Baerbock dann aber doch noch im Rahmen des TV-Duells. Denn für die Grünen sind rasante Fortschritte in Sachen Klimaschutz der Dreh- und Angelpunkt – und an dieser Stelle fing es an diesem Abend an zu knirschen zwischen den Kandidaten.

Baerbock gegen Scholz: Im TV-Duell zoffen sich die Kanzlerkandidaten über den Klimaschutz

Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass es mehr Anstrengungen bei der Energiewende geben muss. Doch Streit gibt es darüber, wer dafür bezahlen muss. Während Baerbock Einnahmen aus einem höheren CO2-Preis in Form eines Energiegelds teilweise an die Bürger zurückzahlen will, plädiert Scholz für eine Abschaffung der EEG-Umlage. Wenn er Kanzler sei, dann würde diese Belastung verschwinden. Den Grünen reicht das aber nicht, denn dadurch, so Baerbock würden nur Menschen mit großen Wohnungen profitieren.

Mit diesem Ansatz, so teilte sie dann doch noch aus, ginge Scholz lediglich den Weg des geringsten Widerstandes, so nach dem Motto „versuchen wir es mal ein bisschen, damit es besser wird“. Aber mit so einem Politikstil des Zauderns komme man nicht mehr weit.

Für Scholz eine Steilvorlage: Baerbock, so sagte er, verspräche immer den ganz großen Ansatz. In Baden-Württemberg allerdings, wo die Grünen seit 2011 den Ministerpräsidenten stellen, sei im vergangenen Jahr lediglich der Bau von zwölf Windrädern genehmigt worden. Darauf wusste Baerbock auch nichts zu sagen. Aber egal, es war eine Diskussion auf Augenhöhe. Ohne Häme. Vielleicht auch nicht das Schlechteste. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare