Drohanrufe

Attila Hildmann spricht vom „Anfang des Widerstands“: Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter

  • Christian Domke Seidel
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In mehreren deutschen Städten kommt es zu Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter. Attila Hildmann glaubt, die Hintergründe zu kennen.

  • Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter in Köln, Ansbach und Olpe.
  • Attila Hildmann* spekuliert, dass die Bombendrohungen „erst der Anfang des Wiederstands“ seien.
  • Freude in seinem Telegram-Kanal*: „Schönste Nachricht in all den Wochen“

Berlin – Die Hintergründe sind noch unklar. Doch in Deutschland kam es zu einer Serie von Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter. Unter anderem in Ansbach (Bayern), Köln und Olpe (Nordrhein-Westfalen) gingen am Wochenende, Samstag, 8. und Sonntag, 9. August 2020, Drohanrufe ein. Die Motivation dahinter ist unklar. Attila Hildmann glaubt sie zu kennen und freut sich auf seinem Telegram-Kanal über die Vorfälle.

AutorAttila Hildmann
Geboren22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe1,77 m
ElternUrsel Hildmann
AusbildungFreie Universität Berlin

Attila Hildmann glaubt Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter seien erst der Anfang

Die Polizei ermittelt aktuell wegen diverser Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter. Im bayerischen Ansbach durchsuchte die Polizei das Gebäude, wurde jedoch nicht fündig. Dafür waren auch Sprengstoffspürhunde im Einsatz. Sogar die benachbarten Gebäude wurden evakuiert. Im nordrhein-westfälischen Olpe das gleiche Bild. Einsatzkräfte durchsuchen das Gebäude. Doch sie brechen die Aktion ab.

Attila Hildmann spekuliert, dass die Bombendrohungen gegen die Gesundheitsämter nur „der Anfang des Widerstand“ seien. (24hamburg.de-Montage)

Der Grund: In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen gehen zeitgleich ähnliche Anrufe ein. Die Polizei Köln entscheidet sich, die Bombendrohung gegen das städtische Gesundheitsamt gar nicht erst ernst zu nehmen. Die Uhrzeit und die Tatsache, dass der Anrufer weder Forderungen gestellt noch Informationen genannt hat, sprechen gegen eine echte Bedrohungslage. Für die Polizei sind die Hintergründe deswegen unklar.

Bombendrohung wegen Maskenpflicht gegen Coronavirus: Attila Hildmann spekuliert auf mehr „Widerstand“

Für Attila Hildmann nicht. Ob sich die Anrufe nun als dummer Jungenstreich, Warnung oder echte Terrorlage entpuppen werden ist unklar. Doch der Berliner Aktivist, der durch krude Verschwörungstheorien und militante Sprache* auffällt, nutzt die Vorkommnisse für seine Zwecke. In seinem Telegram-Kanal postet er den Auszug eines Artikels über die Bombendrohung.

Dazu schreibt er: „DIE HINTERGRÜNDE SIND NICHT UNKLAR!“ Denn jeder wisse, worum es gehe: „UM DEN ANGRIFF DER GESUNDHEITSÄMTER AUF UNSERE KINDER!“ Unter „Angriff“ versteht Attila Hildmann die Maskenpflicht und ein paar zumindest falsch interpretierte Vorschriften. So glaubt er, die Gesundheitsämtern würden Kinder zwingen zu Hause am Esstisch getrennt voneinander zu sitzen und in Quarantäne zu müssen.

Geht es nach Attila Hildmann, kommen Mitarbeiter der Gesundheitsämter vor ein Militärgericht

Dazu kommen die üblichen Verschwörungstheorien über Impfstoffe und Coronavirus als großangelegter Plan zur Menschheitsvernichtung. So würden Quarantäne-Lager für Kinder kommen, in denen sich Mitglieder einer neuen Weltordnung an ihnen vergehen würden. „DAS IST SO SICHER WIE DAS AMEN IN DEN DANN GESCHLOSSENEN KIRCHEN.“

Attila Hildmann fällt immer wieder mit militanten Sprache auf.

Überhaupt habe sich „Deutschland in eine Pharmadiktatur verwandelt“. Aus all diesen Gedanken, die Attila Hildmann umtreiben, schließt er: „UND DANN HEULEN DIE GESUNDHEITSÄMTER RUM, wenn sie eine Bombendrohung bekommen? Das ist die schönste Nachricht in all den Wochen!“

Für die Zukunft der Gesundheitsämter hat Attila Hildmann ebenfalls Pläne. „DIE MITARBEITER VOM GESUNDHEITSAMT WERDEN SICH AUF MILITÄRGERICHTE GEFASST MACHEN MÜSSEN! DAS HEER WIRD SIE SICHER BALD ANKLAGEN UND VERURTEILEN!“ Außerdem stellt er an die Behörden die scheinbar rhetorische Frage: „Dachten die etwa, die kommen mit ihrem Landesverrat durch?“

Bombendrohung gegen Gesundheitsämter: Attila Hildmann glaubt, es könnte „erst der Anfang des Widerstandes“ sein

In einem späteren Post spekuliert Attila Hildmann, dass „BOMBENDROHUNGEN ERST DER ANFANG DES WIDERSTANDES SIND…“. Schließlich seien die Gesundheitsämter „kritikunfähig“ und würden alle Demonstranten „lächerlich machen“.

In den vergangenen Wochen machte Attila Hildmann immer wieder mit militanten Machtübernahme-Fantasien* auf sich aufmerksam. Er setzte Kopfgeld auf vermeintliche Gegner aus* und zog Polizeiermittlungen wegen antisemitischer Äußerungen auf sich. Deswegen wurde auch seine Demonstration in Berlin verboten*. Das Verbot wurde aufgehoben und Hildmann vor der russischen Botschaft verhaftet. Das brachte ihm sogar ein Interview mit dem Staatsfernsehen aus Russland* ein.

Mehr Bombendrohungen in Bayern und Nordrhein-Westfalen

Ob bei den unterschiedlichen Bombendrohungen ein Zusammenhang bestehe, prüft aktuell die Polizei. Gegen die Anrufer wurden Strafverfahren eingeleitet. Neben den bekannten Drohanrufen gegen die Gesundheitsämter kam es in der Nacht auf Samstag, 8. August 2020, noch zu einer Bombendrohung gegen ein Wohn- und Geschäftshaus in Nürnberg. Dazu kommen noch drei weitere Drohungen in Bayern, zu denen die Polizei keine weiteren Informationen herausgab. So summieren sich die Bombendrohungen in Bayern auf fünf, dazu zwei in Nordrhein-Westfalen. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/Christophe Gateau/dpa/picture alliance

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