Corona-Skeptiker leugnet Geschichte

Attila Hildmann über Weltkriegs-Lüge: „Weil Deutschland den Krieg begonnen hat?“

  • Enno Eidens
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Immer wieder spielt Attila Hildmann mit rechtsextremen Aussagen. Nun kommt es extrem krass: Attila Hildmann leugnet die Geschichte des Zweiten Weltkriegs.

Berlin – Dass Attila Hildmann rechtsextrem ist, hat er bereits selber zugegeben. Auch seine brutalen Äußerungen und sein krass-nationalistisches Gedankengut lassen kaum Zweifel zu. Hildmann meint, sich für das deutsche Volk einzusetzen und dabei sind ihm keine nationalistischen Plattitüden zu schade. Das zeigt er auch bei seinem Aufruf zur Corona-Demo Ende August in Berlin.

Autor:Attila Hildmann
Geboren: 22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe:1,77 m
Eltern: Ursel Hildmann
Ausbildung: Freie Universität Berlin

Zudem spielt Hildmann gerne mit populären Nazi-Symbolen wie der Kaiserreichsflagge oder heroischen Postern von Kreuzrittern. Besonders die Dolchstoßlegende hat es ihm angetan. Attila Hildmann hat seine ganz eigene Version vom Zweiten Weltkrieg und verbreitet diese auf Telegram. 24hamburg.de berichtet über Hildmanns krasse Fake-Geschichte.

Attila Hildmann über Adolf Hitler, den Zweiten Weltkrieg und internationale Arier

Attila Hildmanns Telegram-Gruppe ist ein Ort voller Absurditäten. Die manchmal fast wahnhafte Kreativität des veganen Kochbuchautors aus Berlin kennt augenscheinlich keine Grenzen. Das fängt an bei wilden Coronavirus-Verschwörungstheorien, geht über krass rechtsextremes Gedankengut und endet bei Morddrohungen gegen Politiker. Hildmann meint, stets ein neues Geheimnis aufzudecken – und bezieht sich dabei auf öffentliche Quellen. Ein Widerspruch, der ihm augenscheinlich entgeht.

Dabei geht es Attila Hildmann immer um den nächsten großen Schocker. Jedes Mal wird noch einer draufgesetzt. So zum Beispiel, als er Volker Beck mit dem Tode drohte. Da nun seine Demos in Berlin verboten wurden, muss Hildmann auf Telegram und YouTube noch aktiver schocken. Sogar auf YouTube werden seine Videos inzwischen gelöscht, der Betreiber hat die Gefahr offenbar erkannt. Auf Telegram gibt es keine Zensur, weshalb viele politische Akteure die Plattform – aus unterschiedlichen Motivationen – nutzen. Nun haut Hildmann wieder einen raus. Diesmal geht es um den Zweiten Weltkrieg, Hitler und die Dolchstoßlegende. Hildmann bezweifelt, dass die Geschichtsbücher uns die Wahrheit erzählen.

Attila Hildmanns wüsten Verschwörungstheorien machen auch vor dem Nationalsozialismus nicht halt. (24hamburg.de-Montage)

Attila Hildmann leugnet historische Fakten an – Hitler, Japan und die Türkei

Drei Themen fasst Attila Hildmann in gewohnt wirrer Art und Weise an. Adolf Hitlers Rassismus, den Kriegsbeginn durch die Nazis, die Dolchstoßlegende und die Beziehung zwischen Deutschland, der Türkei und Japan. Besonders krass ist dabei sein Herunterspielen des Rassismus von Adolf Hitler. Hildmann schreibt am 19. August um 22:19 Uhr „Sie haben den Menschen hier echt 75 Jahre eingeredet, Hitler hätte alle anderen Völker als Untermenschen betitelt und hätte Türken sofort vergast, ich kanns irgendwie immer noch nicht richtig glauben!“ Damit spielt Hildmann auf Hitlers strategischen „Deutsch-türkischen Freundschaftsvertrag“ von 1941 an.

Korrekt ist, dass Hitler sich international Verbündete gesucht hat. Dies waren jedoch stets strategische Partner für sein Drittes Reich. Seinen Rassismus, bei dem er alle anderen Kulturen einer angeblich reinen arischen unterordnen wollte, hat das nicht geändert. An seinen brutalen Massenmorden – wie dem Holocaust – auch nicht. Der Friedensvertrag zwischen Deutschland und der Türkei wurde noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs von der Türkei aufgelöst. Sie erklärte Deutschland und Japan am 23. Februar 1945 den Krieg. Doch Hildmann hat seine ganz eigene Theorie, was die angebliche Verbundenheit dieser drei Staaten angeht: „Es heißt unter Experten, dass Osmanen wie Germanen und Japaner arisches Blut haben! Warum haben denn alle die gleichen Farben auf den Flaggen?“ Woher Hildmann diese Info nimmt, bleibt offen. Einzig die Farbe Rot teilen sich alle drei Landesflaggen. Genauso wie Hildmanns Lieblingsflagge, die des Deutschen Kaiserreichs.

Attila Hildmann verbreitet rechtsextreme Verschwörungstheorien auf Telegram

Ganz in nationalsozialistischer Tradition verbreitet Attila Hildmann eine weitere Verschwörungstheorie, die es seit dem Jahr 1918 in Europa gibt. Die Dolchstoßlegende wurde von der deutschen Obersten Heeresleitung verbreitet, um Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden die Schuld an der Niederlage des Ersten Weltkriegs unterzuschieben. In den folgenden Jahren wurde sie benutzt, um die deutsche Bevölkerung gegen genau diese politischen und bürgerlichen Gruppen aufzuhetzen.

Die Dolchstoßlegende wird von Historikern als stark begünstigend für den Aufstieg des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik bewertet. Auch Adolf Hitler nutzte die Dolchstoßlegende für seine propagandistischen Zwecke. Er schrieb in „Mein Kampf“ über genau diesen rechten Mythos. Attila Hildmann erwähnt in seiner Telegram-Gruppe einen anderen Mythos, für den Adolf Hitler verantwortlich war: den Auslöser des Zweiten Weltkriegs.

Attila Hildmann verkennt den Überfall auf den Sender Gleiwitz, eine durch die SS organisierte Schein-Attacke auf deutsches Gebiet. Sie wurde von Adolf Hitler als Kriegsgrund für seinen Angriff auf Polen genutzt. Attila Hildmann leugnet diese historische Begebenheit und zitiert stattdessen genau die Propaganda, die die Nazis damals in Deutschland verbreitet haben. In seiner Telegram-Gruppe schreibt er: „Warum heißt es ‚UM 5:45 Uhr wurde ZURÜCKGESCHOSSEN‘ ??? WEIL DEUTSCHLAND den Krieg begonnen hat???“ Hildmann fällt also 81 Jahre später auf dieselbe Lüge herein und verbreitet diese unkritisch im Netz. Inzwischen ermitteln diverse Behörden gegen Hildmann. 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Günter Bratke/Martin Schutt/dpa/dpa-Zentralbild/picture alliance

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