Nach Hildmann-Festnahme bei Corona-Demo

Attila Hildmann schwurbelt im russischen Staatsfernsehen: „Deutschland ist noch im Krieg“ mit Russland und USA

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Nach seiner Festnahme vor der russischen Botschaft in Berlin nach der Coronavirus-Demo Ende August durfte Attila Hildmann einem russischen TV-Sender ein Interview geben. Dieser russische Staatsfernsehsender kürzt seine Aussagen drastisch.

  • Attila Hildmann* gibt Russlands Staatsfernsehen ein TV-Interview.
  • Rossija1 interviewt den Kochbuchautor, kürzt seine Aussagen aber stark.
  • Reichsbürger-Forderungen werden auch in Russland nicht ausgestrahlt.

Berlin – Mit staatstragenden Worten kündigt Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann seinen Auftritt an: „Dann machen wir mal Weltpolitik!“, schreibt er auf seinem Telegram-Kanal*. Gemeint ist ein Interview, dass er dem staatlichen Fernsehsender „Rossija1“ gegeben hat. Die machen einen Bericht über Reichsbürger und die Coronavirus-Demo in Berlin* und wollen ein paar Worte des Mannes, der vor der Botschaft der Russischen Föderation festgenommen wurde.

AutorAttila Hildmann
Geboren22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe1,77 m
ElternUrsel Hildmann
AusbildungFreie Universität Berlin

Attila Hildmann gibt Russlands Staatsfernsehen Rossija1 Interview: Dieses schneidet Hildmann-Forderungen raus

Attila Hildmann wurde während der Coronavirus*-Demo in Berlin festgenommen. Aber nicht irgendwo, sondern vor der russischen Botschaft. Minutenlang hatte er per Megafon auf die anwesenden Polizisten eingeredet. Sie sollten sich der Demo anschließen. Die Menge skandierte mit. Auch zu Stein- und Flaschenwürfen soll es gekommen sein. Irgendwann wurde es den Polizisten zu viel. Rund zweihundert Menschen wurden festgenommen. Darunter auch Attila Hildmann. Später verbreitet der das Gerücht, die Polizei Berlin hätte zwei Menschen getötet*.

Attila Hildmann gab dem russischen Staatsfernsehen „Rossija1“ ein Interview. Die strahlen seine Forderungen aber auch nicht aus. (24hamburg.de-Montage)

Auch Russlands Staatssender Rossija1 hat die Demonstration beobachtet und mitgefilmt. In einem Beitrag berichtet der Kanal, dass bei einer Coronavirus-Demo in Berlin auch Neonazis und Reichsbürger mitmarschiert seien, die daran glauben würden, dass Deutschland nicht frei sei. Es wird erwähnt, dass die drei Polizisten, die den Sturm auch den Reichstag verhindert hätten, geehrt wurden. Auch berichtet „Rossija1“, dass ein „türkischer Kochbuchautor“ vor der russischen Botschaft verhaftet worden sei, weil die Demonstration nicht genehmigt war.

Angriff der Nato soll bevorstehen: Attila Hildmann analysiert die Causa Alexei Nawalny

Attila Hildmann soll für den Beitrag in einem Interview ein paar erklärende Worte liefern. In dem Teil, der ausgestrahlt wurde, spricht er kurz über die Alexei Nawalny. Dessen Vergiftung sei ein Versuch, einen Nato-Angriff zu legitimieren. Die Deutschen allerdings würden hinter Russlands Präsidenten Waldimir Putin stehen. Wie vom Berliner Verschwörungstheoretiker per Telegram angekündigt, versucht er hier tatsächlich Weltpolitik zu machen, indem er ungefragt für alle Deutschen spricht.

Der Auftritt von Attila Hildmann im Beitrag von „Rossija1“ gerät äußerst kurz. Nicht ein einziges seiner Ziele wird erwähnt. Dabei war das Interview deutlich länger. Attila Hildmann hatte einen Handy-Mitschnitt des Gesprächs über seinen Telegram-Kanal geteilt. Das Video setzt an, als der russische Journalist ihn fragt: „Was genau soll Putin tun? Ich verstehe das nicht ganz, wir sind doch nicht im Krieg?“

Wladimir Putin soll Druck auf Donald Trump ausüben: Attila Hildmann versucht sich in Weltpolitik

Attila Hildmann antwortet: „Es ist so, dass wir noch im Kriegszustand sind. Das Deutsche Reich hat nie kapituliert. Es hat nur die Wehrmacht kapituliert. Putin muss Druck auf Trump ausüben, damit sich alle hinsetzen und gemeinsam den Friedensvertrag unterzeichnen. Die BRD ist kein souveräner Staat. “ Es sind die klassischen Forderungen und Aussagen der Reichsbürgerbewegung.

Polizisten führen Attila Hildmann ab. Er wurde bei einer Demo vor der russischen Botschaft festgenommen.

Auch zur Demonstration wird er befragt. „Warum hat die Polizei sie festgenommen?“, will der Journalist wissen. Hildmanns Antwort: „Das ist eine reine Schikane. Ich engagiere mich seit sechs Monaten für Menschenrechte und Freiheit und gegen die Lüge der Medien. Es ist grundlos geschehen. Man wollte ein Zeichen setzen. Es war unrechtens. Und dann sieht hoffentlich auch Putin und Russland, dass wir mittlerweile nicht mehr in einem Rechtsstaat leben, sondern, dass politische Gegner einfach von der Straße geräumt werden.“ Dass er nach wenigen Minuten wieder frei war und statt zurück zur Demo in seine Snackbar ging, wie er auf Telegram geschrieben hatte, erwähnt er nicht.

Auf Telegram bedankt sich Attila Hildmann: Stark gekürzte Aussagen scheinbar kein Problem

Alles Aussagen, die für den Beitrag herausgeschnitten wurden. Dass seine eigentlichen Forderungen und Ideen selbst vom russischen Staatsfernsehen nicht gesendet werden, ficht die Fans des Aktivisten, die jüngst auf einen Satirebeitrag des „Postillon“ hereingefallen sind*, aber nicht an. „Vielen lieben Dank Attila. Wir werden siegen“, schreibt eine Userin auf YouTube. Ein anderer: „Attila Hildmann ist kein Nazi! Wir sind keine Nazis, wir wollen nur Freiheit.“

Auch Attila Hildmann stört es kaum, dass sein Interview um seine Kernforderungen gekürzt wurde. Auf Telegram bedankt er sich mit dem Bildchen einer russischen Flagge bei seinen Followern: „Danke Kameraden, wir haben es in das russische Staatsfernsehen geschafft! Ich bedanke mich von Herzen bei allen Unterstützern und verspreche, ich werde immer Deutschland dienen.“ Falls der von Attila Hildmann angekündigte Atomanschlag am Freitag, 11. September 2020*, nicht alles zunichtemacht. Auch sein RTL-Interview, das völlig eskalierte*, dürfte nicht so gelaufen sein, wie er sich das vorgestellt hatte. Daneben bezichtigt er Angela Merkel, einen Völkermord vorzubereiten*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/Christophe Gateau/dpa/picture alliance

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