Kochbuch-Autor wieder frei

Coronavirus-Demo in Berlin mit AfD Hamburg – Attila Hildmann nach Festnahme wieder auf Telegram

Alle Autoren
    schließen
  • Christian Domke Seidel
    Christian Domke Seidel
  • Vivienne Goizet
    Vivienne Goizet
  • Johanna Ristau
    Johanna Ristau
  • Enno Eidens
    Enno Eidens

Die Berliner Polizei hat Attila Hildmann auf der Coronavirus-Demo in Berlin festgenommen. Das hält ihn jedoch nicht vom Predigen auf Telegram ab.

  •  Ausschreitungen bei Coronavirus-Demonstration in Berlin.
  • Attila Hildmann festgenommen. Doch Hildmann fantasiert schon wieder weiter.  
  • AfD-Hamburg an Protesten in Berlin beteiligt.

Update vom Montag, 31. August 2020, 10:15 Uhr: Berlin/Hamburg – Am Samstag, 29. August 2020, wurde Attila Hildmann auf der Coronavirus-Demonstration in Berlin vor der russischen Botschaft verhaftet. Es sei zu Stein- und Flaschenwürfen gegen Polizisten gekommen.

Autor:Attila Hildmann
Geboren:22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe:1,77 m
Eltern:Ursel Hildmann
Ausbildung:Freie Universität Berlin

Attila Hildmann verhaftet: Auf Telegram schwurbelt er schon wieder – Hamburger Parteien entsetzt über Bilder aus Berlin

Gelernt hat Attila Hildmann daraus scheinbar nichts. Nur wenige Stunden nach der Festnahme stilisiert er sich in seiner Telegram-Gruppe zum Märtyrer. „Sie werden mich niemals brechen“, schreibt er und kündigt an: „Niemals werde ich aufhören für die Menschenrechte und Freiheit zu kämpfen.“ Kurze Zeit später beginnen seine Verschwörungstheorien. Der versuchte Sturm auf den Reichstag sei ein Inside-Job gewesen – also von der deutschen Regierung selbst organisiert. So könnten sie begründen, warum sie einen „Schutzgraben“ vor dem Gebäude bräuchten. Außerdem verbreitete er den Vorwurf, die Polizei Berlin habe zwei Demonstranten getötet*.

Bei der Coronavirus-Demo in Berlin spricht Attila Hildmann bei der Kundgebung: Dann wird er der Berliner Polizei im Schwitzkasten abgeführt. (24hamburg.de/Montage)

Auch andere Fantasien hat er noch parat. Die Organisatoren von Querdenken, die Mit-Veranstalter der Demo in Berlin, seien Illuminaten und Satanisten und über Berlin würde Elon Musk 5G-Satelliten, Drohnen oder ein Raumfahrzeug fliegen lassen.

Peter Tschentscher (SPD), Katharina Fegebank (Grüne) und Censu Özdemir verurteilen Ausschreitungen

Hamburgs Politiker zeigen sich entsetzt über die Bilder aus Berlin. So schreibt Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD): „Verfassungsfeindliche Symbole, rechtsradikale Parolen, Angriffe auf Polizisten und Journalisten - vor, mit und nach Corona hat dies auf unseren Straßen nichts zu suchen.“ Er zeigt sich solidarisch: „Berlin ist unsere Hauptstadt, bekannt für Vielfalt und Toleranz, aber auch ein Ort der historischen Verantwortung, für die Demokratie einzutreten. Ich danke allen, die sich für Zusammenhalt in schwierigen Zeiten stark machen. Hamburg steht an Eurer Seite.“

Auch Katharina Fegebank (Grüne), die zweite Bürgermeisterin, findet klare Worte: „Die Bilder aus Berlin bestürzen mich. Reichkriegsflaggen werden vorm Reichstag geschwenkt, Polizist*innen, Journalist*innen u.a. beschimpft & attackiert. Demokrat*innen demonstrieren nicht mit Feinden der Demokratie. Könnte so einfach sein.“

Für Censu Özdemir, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke in Hamburg, sind die Geschehnisse in Berlin Symptom für ein grundlegendes Problem: „Wenn Rechtsextremisten mit nationalistischen Symbolen durch Berlin ziehen und versuchen den Reichstag zu stürmen, dann sollte der/die Letzte checken, dass Deutschland ein gewaltiges Problem hat. Deutschland sollte das letzte Land sein, in dem so etwas passiert!“

AfD Hamburg bei Coronavirus Demo in Berlin dabei: Kundgebung am Brandenburger Tor

Einzig die AfD Hamburg steht den Demonstranten in Berlin zur Seite. Die Partei protestierte in der Hauptstadt sogar mit. Als das Verbot gekippt wurde, kündigte Dirk Nockemann, der AfD-Fraktionsvorsitzende in der Hansestadt, an: „Das ist eine Klatsche für den Berliner Innensenator Geisel, der jetzt seinen Hut nehmen muss. Für die Demokratie und den Rechtsstaat ist das jedoch ein Sieg! Auch die Hamburger AfD fährt nach Berlin und unterstützt die separate AfD-Kundgebung zur Verteidigung unserer Grundrechte um elf Uhr vor dem Brandenburger Tor.“

Bei der Coronavirus Demo in Berlin war auch die AfD Hamburg vor Ort. Das hatte Dirk Nockemann, der Fraktionsvorsitzende, angekündigt. (24hamburg.de-Montage)

Coronavirus Demo Berlin: Sturm auf den Reichstag – 300 Festnahmen – Attila Hildmann im Schwitzkasten der Polizei

Update vom Sonntag, 30. August 2020, 10:51 Uhr: Berlin – Es ist vorbei. Laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) schätzen die Behörden, dass insgesamt rund 38.000 Menschen an der Demonstration in Berlin teilgenommen haben. Die Proteste gegen die Coronavirus-Politik sind dabei an mehreren Stellen eskaliert. Vor der russischen Botschaften sind Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen worden.

Hier hatten sich ungefähr 3.000 selbsternannte Reichsbürger versammelt und die Polizei-Beamten angegriffen. Es kam zu etwa 200 Festnahmen, darunter der Kochbuch-Autor und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann. Rund hundert weitere Personen wurden im Zuge der ganzen Demonstration festgenommen. Seine Verhaftung brachte dem Kochbuchautor sogar ein Interview mit dem Staatsfernsehen Rossija1 aus Russland* ein.

Ein weiterer Hotspot der Eskalation war das Reichstagsgebäude. Hier durchbrachen die Demonstranten eine Absperrung und stürmten auf die Reichstagstreppe, nachdem die Demonstration offiziell bereits aufgelöst worden war. Es kam zu Rangeleien und die Beamten setzten Pfefferspray ein. Die Polizei konnte laut Polizeisprecher Thilo Cablitz nicht überall zugegen sein: „[...] genau diese Lücke wurde genutzt, um hier die Absperrung zu übersteigen, zu durchbrechen, um dann auf die Treppe vor dem Reichstag zu kommen.“

Zahlreiche Politiker äußerten sich unter dem #Berlin2908 auf Twitter zu dem Thema, darunter auch der offizielle Twitter-Account der SPD-Fraktion. Auch Xavier Naidoo hatte angekündigt auf die Demo fahren zu wollen.

Demo Berlin 29. August 2020: Polizei löst Anti-Coronavirus-Demonstration auf – brutales Fehlverhalten

Update vom Samstag, 29. August 2020, 14:30 Uhr: Die Corona-Demo ist in vollem Gange, als die Polizei in Berlin sie dennoch crasht! Grund: Etliche Demonstranten, die gegen das Coronavirus und dessen Anti-Verbreitungs-Maßnahmen wüten, hatten sich nicht korrekt verhalten. Heißt im Klartext: Abstandsregelungen wurden auf den Straßen Berlins nicht eingehalten. Der Zug zur Kundgebung zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor wurde aufgelöst. „Wiederholt sind viele Teilnehmer durch die Missachtung der Abstandsregeln aufgefallen und ließen sich auch durch die Polizei nicht davon abbringen", heißt es vonseiten der Beamten. Fun Fact: Die Demonstranten hatten somit die Regeln missachtet, gegen die sie demonstrieren wollten. Die Kundgebung fand wie geplant statt.

Coronavirus Demonstration Berlin: Attila Hildmann oder doch lieber Kuchen

Update vom 28. August, 14:01 Uhr: Berlin – Das Berliner Verwaltungsgericht hat sich laut t-online.de dazu entschieden, das Verbot der Coronavirus-Demo am Samstag, 29. August zu kippen – die Demo der Corona-Skeptiker darf stattfinden. Die Berliner Versammlungsbehörde hatte die Demonstration ursprünglich verboten. Nun darf sie unter strengen Auflagen stattfinden.

Attila Hildmann war bei der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin in seinem Element.

Erstmeldung vom 28. August, 10:51 Uhr: Berlin – Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland hat ein heißes – und süßes – Wochenende vor sich. Geplant war eine weitere riesige Coronavirus-Demo am 29. August 2020, die wurde nun verboten. Die Entscheidung erregt die Gemüter. Zustimmung, Protest und teils gewaltsamer Widerstand wurden angekündigt, ein Demo-Chaos in Berlin steht bevor.

Nun kommt ein neuer Player auf das Spielfeld – Kuchen soll die Coronavirus-Skeptiker bekämpfen. Müssen Attila Hildmann und Kollegen vor der süßen Sünde zurückstecken oder wird der Coronavirus-Schwurbler wieder vorm Reichstag sprechen?

Attila Hildmann bekommt Konkurrenz auf Twitter – Kuchen dominiert. (24hamburg.de-Montage)

Attila Hildmann: Coronavirus-Demo in Berlin verboten – Kuchen gegen Corona-Skeptiker

Am Mittwoch, 26. August 2020 kam die schlechte Nachricht für alle Querdenker“ und Corona-Skeptiker. Die große Coronavirus-Demo von Querdenken 711 in Berlin wurde verboten*. merkur.de berichtet über die Entscheidung. 22.000 Menschen waren dort angemeldet, auch andere Initiativen und Privatpersonen hatten Demos angemeldet – ebenfalls verboten. Die Versammlungsbehörde Berlin begründet die Entscheidung damit, dass es „bei dem zu erwartenden Kreis der Teilnehmenden zu Verstößen gegen die geltende Infektionsschutzverordnung kommen wird.“ Diese habe man bei der großen Coronavirus-Demo am 1. August gemerkt. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) begrüßte die Entscheidung und kündigte zudem ein konsequentes Vorgehen der Polizei bei unerlaubten Demos an.

Ich bin nicht bereit ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Coronavirus-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird. Ich erwarte eine klare Abgrenzung aller Demokratinnen und Demokraten gegenüber denjenigen, die unter dem Deckmantel der Versammlungs- und Meinungsfreiheit unser System verächtlich machen

 Andreas Geisel (SPD), Innensenator Berlin

Klar, dass die Coronavirus-Demonstranten diese Entscheidung nicht hinnehmen wollen. Michael Ballweg, Gründer von „Querdenken 711“ aus Stuttgart* äußerte sich „schockiert über das Verbot der Versammlung“ und legte Klage beim Bundesverfassungsgericht ein. „Meine Befürchtung im April 2020, dass im Rahmen der Pandemie die Grundrechte nicht nur temporär eingeschränkt werden, hat sich bestätigt“, sagte Ballweg am Mittwoch, 26. August 2020. Die Versammlung solle stattfinden. Kurz darauf explodierte das Internet, ein Sturm auf Berlin begann. Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann ist nun ganz vorne dabei.

Attila Hildmanns Demo-Kollegen rufen zum „Sturm auf Berlin“ – Twitter explodiert

Michael Ballweg von Querdenken 711 gibt vor, mit einem Hygiene- und Sicherheitskonzept für die Einhaltung der Coronavirus-Regeln und Deeskalation sorgen zu wollen, doch andere Coronavirus-Demonstranten greifen zu deutlich härten Worten. Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme rufen unter dem Twitter-Hashtag #SturmaufBerlin dazu auf, trotzdem in Berlin zu demonstrieren. Das erinnert sprachlich an Hitlers „Marsch auf Berlin“ – und trotzdem etabliert sich der Hashtags als Plattform, auf der ganz Deutschland über das Verbot diskutiert, durchaus differenziert. Politiker und Bürger diskutieren das Für und Wider des Verbots: Freiheit gegen Sicherheit.

Die Coronavirus-Skeptiker bleiben nicht untätig. „Querdenken 711“ ruft dazu auf, eigene Demos anzumelden. Laut rbb24.de wurden inzwischen mehr als 3.000 Demos angemeldet – über das Berliner Online-Portal. Auch in rechten Foren und WhatsApp-Gruppen wird zum „Sturm auf Berlin“ aufgerufen. In seiner Telegram-Gruppe beteiligt sich Attila Hildmann aktiv an den Aufrufen. Doch nun kommt ihm ein süßer Feind in die Quere.

Attila Hildmanns neuer süßer Feind – Sturm auf Berlin wird von Kuchen überrollt

Es schien fast so, als würden die Coronavirus-Skeptiker den Diskurs auf Twitter dominieren, da hat ein Nutzer eine süße Idee. Der Twitter-Nutzer @Provokateur_Tom ruft dazu auf, Bilder von Kuchen hochzuladen und sie mit dem Hashtag #SturmaufBerlin zu versehen. So soll die gesamte Debatte mit Kuchen-Bildern statt rechter und verschwörungstheoretischer Rhetorik gefüllt werden.

Der Hashtag läuft gut an, viele Nutzer posten Bilder von Kuchen. Für kurze Zeit ist Twitter voll mit Kuchenbildern – und natürlich auch Torten. Doch schon am Freitagmorgen hat der Spaß ein Ende. Zwar werden noch Kuchenbilder auf Twitter veröffentlicht, doch die Debatte wird weiterhin inhaltlich geführt. Wer nun nach #SturmaufBerlin sucht, findet Wortbeiträge von Politikern und Journalisten. Nur noch vereinzelt tauchen Kuchen auf. Attila Hildmann hingegen hat seine ganz eigenen Pläne, die deutlich über jeden Kuchen-Scherz hinausgehen.

Attila Hildmann will die Bundesrepublik stürzen – Berliner Reichsbürger-Kochbuchautor rastet aus

Der vegane Coronavirus-Schwurbler Attila Hildmann schreibt am Freitagmorgen in seiner Telegram-Gruppe, dass „2 MILLIONEN Patrioten“ angeblich auf dem Weg nach Berlin seien. Er fordert dazu auf, nach Berlin zu kommen. Dort sollen seine Anhänger dann bei der russischen und der amerikanischen Botschaft einen Friedensvertrag erbitten – Attila Hildmann ist Reichsbürger – er geht davon aus, dass die Bundesrepublik Deutschland kein souveräner Staat ist. Das ist faktisch falsch und belegter Unsinn. 24hamburg.de hat sich deshalb ebenfalls eine wichtige Frage gestellt: Welcher Kuchen wäre Attila Hildmann? Das sind die Vorschläge der Redaktion:

1. Attila Hildmann sieht alles schwarz oder weiß – er ist ein Mamorkuchen.

2. Hildmann will deutscher Nationalist sein – ur-deutsch wie die Schwarzwälder Kirschtorte.

3. Hildmann ist immer sauer und kaum jemand mag ihn – wie Rhababerkuchen.

Klar, diese Umfrage ist Quatsch. Hinter „Sturm Auf Berlin“ steckt hingegen ein extrem gefährlicher Trend. Rechtsextreme Gruppen wie die Partei „Der III. Weg“ und die Identitäre Bewegung rufen zur Teilnahme an Coronavirus-Demos in Berlin auf. Ein Demo-Verbot könne gemäßigte Demonstranten abschrecken. Radikalere Kräfte lassen sich von so was allerdings eher nicht abbringen, sagte der Politikwissenschaftler Josef Holnburger im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel. Der 29. August 2020 wird ein harter Samstag für die Hauptstadt Deutschlands. * 24hamburg.de, mannheim24.de, merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Frank Molter/Fabian Sommer/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare