Corona-Demo in Berlin

Attila Hildmann-Demo in Berlin – Zusammenstoß mit Gegendemonstranten befürchtet

  • Enno Eidens
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Attila Hildmann plant eine nächste Kundgebung in Berlin. Die Route führt ihn direkt zu Gegendemonstranten, die ein Zeichen gegen Hildmanns Aussagen setzen wollen.

  • Attila Hildmann demonstriert am Samstag, 11. Juli in Berlin.
  • Geplant sind Autokorso und Kundgebung.
  • Berliner demonstrieren gegen Hildmann.

Berlin – Am Samstag, 11. Juli 2020 will Attila Hildmann wieder einen Autokorso durch Berlin führen. Doch nun könnte es zu einem Zusammenstoß mit Gegendemonstranten kommen. Hildmann hat seine Route genau zu ihnen gelegt. Kommt es zu Ärger in der Hauptstadt? Schlimmer als Hildmanns Mordfantasien gegen einen Grünen-Politiker kann es kaum kommen.

Museum in BerlinAltes Museum
AdresseBodestraße 1-3, 10178 Berlin
BaustilNeoklassizistische Architektur
Gründung1830
ArchitektKarl Friedrich Schinkel

Attila Hildmanns Kundgebung in Berlin – Zusammenstoß mit Gegendemonstranten möglich

Der Demo-Plan von Attila Hildmann ist wie bei seinen vorherigen Demos. Mit einem Autokorso will er für viel Lärm in der Berliner Innenstadt sorgen und im Anschluss bei einer Kundgebung weitere wilde Corona-Theorien und Merkel-Kritik verbreiten. In der Attila-Hildmann-Telegram-Gruppe lädt er seit Montag zur Kundgebung am Samstag ein und auf YouTube verrät er vorab ab, worum es gehen soll. Soviel sei verraten: Angela Merkels angebliche bolschewistische Diktatur wird angesprochen.

Doch diese Demo sorgt für überdurchschnittlich viel Aufsehen in Berlin. Enden soll Hildmanns Kundgebung am Alten Museum, einem sehr beliebten Ort auf der Berliner Museumsinsel. Voller Touristen und Berliner, wenn das Wetter schön ist. Große Treppen und dicke Säulen bieten einen ausdrucksstarken Hintergrund. Schon die Nationalsozialisten haben diesen Ort für ihre Propaganda genutzt.

Attila Hildmann hatte dort schon mehrfach Kundgebungen abgehalten, das Alte Museum hatte sich bereits im Juni von ihm distanziert, schreibt monopol-magazin.de. Seit zwei Wochen gibt es dort auch Gegenkundgebungen, die sich gegens Hildmann wirre Theorien wehren – auf den Treppen darf der inzwischen nicht mehr demonstrieren, vor dem Museum schon. Plant Hildmann die Eskalation auf der Berliner Museumsinsel? Um 15 Uhr am Samstag wird diese Frage beantwortet.

Attila Hildmanns Inhalte: Darum geht es in seiner Kundgebung am Alten Museum

In einem YouTube-Video kündigt Attila Hildmann an, worüber er vor dem Alten Museum auf der Berliner Museumsinsel reden möchte. Durch „schön Gasmasken ausm Zweiten Weltkrieg“, wie er eine tragen will, sollen starke Pressebilder entstehen. Diese sollen dann „verdeutlichen, dass wir in einem linksfaschistischen kommunistischen Bolschewikenstaat leben.“ Zudem sei „Corona nichts anderes als der Krieg gegen das eigene Volk“

Attila Hildmanns Argumente? Die „Verstaatlichung deutscher Unternehmen durch eine bewusst herbeigeführte Wirtschaftskrise und den Tod des Mittelstandes und die Insolvenzen von milliardenschweren deutschen Traditionsunternehmen.“ Hildmann fasst zusammen: „Corona soll eine neue Weltordnung bringen und diese NWO ist nichts weiter als Bolschewismus mit Hightech“ – der Begriff NWO steht für „New World Order“ (Neue Weltordnung), eine Verschwörungstheorie deren Anhänger seit den 90ern befürchten, dass eine internationale Geheimgesellschaft eine internationale Weltregierung einrichten möchte.

Attila Hildmann behauptet zudem, die Berliner Polizei hätte allen Teilnehmern und selbst ihm als Redner verordnet, Corona-Masken zu tragen. Dies ist in Berlin auf Kundgebungen eigentlich nur notwendig, wenn der Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Teilnehmern nicht gewährleistet ist. 24hamburg.de hat bei der Berliner Polizei angefragt, ob Hildmann wirklich kontaktiert wurde. Diese konnte am Freitagabend keine Angaben zu Auflagen der Kundgebung machen.

Attila Hildmann will vor dem Alten Museum demonstrieren. (24hamburg.de-Foto-Montage)

Gegen Attila Hildmann – dieses Bündnis stellt sich gegen den Corona-Koch

Das Berliner Kulturbündnis „Die Vielen“ stellt sich seit Wochen gegen Attila Hildmanns Pläne, am Alten Museum zu demonstrieren und beanspruchz den Platz für sich selbst. Auch für den Samstag, 11. Juli haben die Akteure wieder mobilisiert. Auf Facebook laden Sie zu einer Kundgebung vor dem Alten Museum ein. Mit einem knackigen Statement begründen Sie ihr Engagement gegen Attila Hildmann und sein Gefolge auf der Museumsinsel.

Seit Wochen nutzen jeden Samstag Rechtsradikale und Verschwörungsideologen die Stufen des Alten Museums und den Platz davor als Bühne für krude Ansprachen, die in der Hauptsache aus antisemitischen und nationalistischen Verschwörungserzählungen bestehen und die vor Hass und Hetze nur so strotzen. Diese Auftritte sind unerträglich, zumal sie an einem Ort geschehen, den schon die Nationalsozialisten schon für ihre Propaganda missbraucht haben. Holen wir uns diesen Platz zurück und widmen ihn seinem eigentlichen Zweck: Für die Menschen, für die Kunst!

Die Vielen

Auch die Staatlichen Museen zu Berlin haben sich bereits von den Inhalten der Hildmann-Demos distanziert. In einer Stellungnahme schreiben sie von Werten die mit denen der Berliner Museen nicht vereinbar sind. Sie stehen für einfache und klare Dinge: „Weltoffenheit und demokratische Werte. Wir wollen keinen Raum bieten für Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Hetze.“

Attila Hildmann und das Alte Museum Berlin – am Samstag liegt es an der Polizei

Ob es am Samstag nun zum Zusammenstoß zwischen den beiden Kundgebungen kommt, ist unklar. Keine der beiden Seiten hat öffentlich zu Gewalt aufgerufen, wenn auch Attila Hildmanns Rhetorik extrem aggressiv und offensiv ist, sein Hass richtet sich allerdings eher auf Angela Merkel, Bill Gates und China – das Alte Museum ist mehr Kulisse als politischer Gegner. Bei einer der letzten Demonstrationen kam es zu unschönen Szenen, als ein AfD-Politiker einen Journalisten des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus bedrängte*.

Nicht nur das Alte Museum hat ein Problem mit Hildmann. Auch Deutschrapper Smudo kritisiert den Corona-Koch. Der schießt zurück und teilt zuvor auch gegen US-Rapper Kanye West aus. Der sei laut Hildmann ein „Satanist und Illuminati“ – Donald Trump hingegen wird von Hildmann unterstützt. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance/dpa-Zentralbild

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