Skurrile Karriere in Berlin

Attila Hildmann: So wurde der vegane Berliner Kochbuch-Autor zum Coronavirus-Hetzer

  • Enno Eidens
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Vom Küchen-Revoluzzer zum Verschwörungstheoretiker, von veganem Mousse zu Mordfantasien und Hitler-Merkel-Vergleichen. Der Lebensweg des Attila Hildmann.

  • Attila Klaus Peter Hildmann wurde am 22. April 1981 in Berlin geboren.
  • Aktuell fällt er mit rechtsextremen Thesen und Corona-Verschwörungstheorien auf.
  • So wurde der vegane Kochbuch-Autor zum Coronavirus-Hetzer.

Berlin/Hamburg * – Die Schlagzeilen über den Berliner Attila Hildmann reißen nicht ab. Der vegane Kochbuchautor polarisiert heftig. Seine Thesen zum Coronavirus-Sars-CoV-2 und seinen Hang zu rechten bis rechtsextremen Äußerungen werden heftig kritisiert. Doch schon früher viel Hildmann mit teils aggressiven Reaktionen auf. 24hamburg.de * berichtet über Hildmanns skurrile Karriere vom Vegan-Kochbuch-Autor zum Coronavirus-Hetzer?

Autor:Attila Hildmann
Geboren:22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe:1,77 m
Eltern:Ursel Hildmann
Ausbildung:Freie Universität Berlin

Attila Hildmanns Karriere vom veganen Kochbuchautor zum rechten Corona-Verschwörungstheoretiker

Attila Klaus Peter Hildmann wurde am 22. April 1981 in Berlin geboren. Der Berliner mit türkischer Herkunft wuchs bei Adoptiveltern auf. Noch vor Hildmanns zwanzigstem Geburtstag starb dessen Adoptivvater an einem Herzinfarkt. Attila Hildmann machte dafür den hohen Fleischkonsum seines Vaters verantwortlich, weshalb er erst zum Vegetarier, später zum Veganer wurde. In den frühen 2000er-Jahren ernährte auch Hildmann selbst sich noch sehr ungesund. In einem seiner Bücher schreibt er, dass er damals 35 Kilogramm mehr gewogen und ewig am Computer gehangen habe, statt für sein Studium zu lernen.

Attila Hildmanns Karriere begann mit der veganen Küche.

Attila Hildmann hat Physik an der Freien Universität Berlin studiert. Im Jahr 2015 schrieb er seinen Master. Schon während seines Studiums konnte Attila Hildmann mit Kochbüchern erste Erfolge und öffentliche Aufmerksamkeit erringen. In Berlin-Charlottenburg hat Hildmann seit dem Jahr 2017 einen Imbiss, seinen Imbiss in Berlin-Kreuzberg gab es vom Jahr 2018 bis 2019.

Nach Attila Hildmanns Kochbucherfolge kamen Fernsehauftritte und diverse Kontroversen, die von Restaurant-Eskapaden bis zu heftigen rechtsextremen Corona-Verschwörungstheorien und Zusammenstöße mit der Berliner Polizei reichen. Hildmann hat in zehn Jahren eine Kehrtwende vom sympathischen Vegan-Koch“ zum rechten Corona-Provokateur hingelegt. Die Bezeichnung „Koch“ ist für Hildmann jedoch nur umgangssprachlich, nicht jedoch formal richtig, da Hildmann keine Kochlehre abgeschlossen hat und somit diese Berufsbezeichnung nicht führen darf.

Attila Hildmanns vegane Küche und Auftritte im Fernsehen – die Kontroverse beginnt

Im Jahr 2009 schrieb Attila Hildmann sein erstes Vegan-Kochbuch, das aktuell in 5. Auflage verkauft wird. Der Durchbruch in der Szene gelang ihm 2012, als sein Buch „Vegan for fun“ vom Deutschen Vegetarierbund zum Kochbuch des Jahres gekürt wurde. Hildmanns Küche soll trotz veganer Produkte für Sportler geeignet sein, er selbst zeigte sich öffentlich stets sportlich. Attila Hildmann setzt auf biologisch angebaute, wenig verarbeitete Produkte und arbeitet mit möglichst wenig Zucker. Bei Stefan Raabs „TV total“ stellte Hildmann seine veganen Gerichte vor. Hildmann war in der Öffentlichkeit sehr beliebt, weil er modernen sportlichen Lifestyle mit kreativen und einfachen veganen Gerichten verbinden konnte.

Attila Hildmann und Oxana Lebedew trainieren für ihre Show bei „Let's Dance“ (RTL).

Attila Hildmann war bei vielen anderen Fernseh-Shows und -Magazinen zu Gast. Besondere Berühmtheit erlange er für seinen Auftritt bei Let's Dance“ (RTL) im März 2016, dort belegte er den 12. Platz – erfolgreicher war Hildmann beim „Schlag den Star“-Duell (ProSieben) gegen Luke Mockridge im April 2017. Attila Hildmann besiegte Mockridge und gewann 100.000 Euro, von denen er die Hälfte an Projekte zum Schutz von Tigern spendete. Viel Sympathie sammelte Hildmann mit seinem Auftritt jedoch nicht.

Den Humor von Stefan Raab (ProSieben), der ihn mit Mettbrötchen provozieren wollte, hielt Attila Hildmann problemlos aus. Mit Kritik an seiner Küche und dem Vegan-sein als solches hatte er häufiger Probleme. Auch mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik setzte sich Hildmann äußerst kontrovers auseinander – noch bevor er zum Corona-Hetzer wurde.

Attila Hildmanns Eskalation: Shotguns, tote Kälber, Polizei-Stress und die Flüchtlingskrise

Zum ersten Mal polarisierte Attila Hildmann öffentlich, als er sich zur Flüchtlingsdebatte in Deutschland äußerte. Im Januar 2016 sagte Hildmann auf Facebook: „Integration ist in Deutschland ein heikles Thema aufgrund der deutschen Vergangenheit, was zu einer aktuellen Selbstverstümmelung deutscher Werte und Kultur führt.“ Danach folgten weiter politische Äußerungen. „Unser Land wird von Kriegstreibern regiert!“, schrieb Hildmann ebenfalls auf Facebook – auch dafür gab es viel Kritik. Zudem gab Hildmann an, nicht wählen zu gehen, da ihn keine Partei repräsentiere.

Auch seine vegane Küche geriet ins Fadenkreuz der Kritiker, was zu krassen Reaktion bei Attila Hildmann führte. Nach einer negativen Restaurant-Kritik von der Tagesspiegel Autorin Susanne Kippenberger, kam es in Berlin zu einem Vegan-Eklat. Kippenberger hatte die Gerichte in Hildmanns Charlottenburger Imbiss hart kritisiert, berichtet die Welt. Weder die Pommes, noch der Tofu oder der Burger konnten sie überzeugen. Auch Hildmanns „vegane Männlichkeit“ wurde von ihr kommentiert.

Der Kochbuch-Autor reagierte umgehend, schoss auf Facebook zurück und sprach ein Hausverbot gegen die Tagesspiegel-Redaktion und Susanne Kippenberger aus. Kurz darauf hob Hildmann das Hausverbot auf und lud Journalisten zum Testessen ein. Auf der Einladung zeigte sich Hildmann mit einer Pumpgun (Schrotflinte), weshalb sich die Berliner Polizei bei Hildmann meldete. Beim darauf folgenden öffentlichen Test-Essen provozierte Hildmann abermals: Er brachte ein lebendes Kalb mit und forderte die Fleischesser auf, dieses vor Ort selbst zu töten.

Attila Hildmann fordert die anwesenden Fleischesser auf, ihr Essen selber zu schlachten.

Attila Hildmanns Weg zu Corona-Verschwörungstheorien und rechter Hetzer

Attila Hildmanns erster Beitrag zur Coronavirus-Pandemie war ein Instagram-Post am 12. März, in dem er seinen Energy-Drinks antivirale Wirkung zuschrieb. Laut Spiegel-Berichten (hinter einer Bezahlschranke) begann seine Corona-Radikalisierung mit einem Video aus China. Dort war zu sehen, wie bei der Evakuierung von Wuhan Tiere zurückgelassen wurden. Kurz darauf schockierten ihn Berichte über Notschlachtungspläne in deutschen Zoos – diese wurden nie umgesetzt.

Dann begann Attila Hildmanns Reise durch die Corona-Verschwörungswelt. Bill Gates, die WHO und ihre angeblichen Pläne zur Impfung der gesamten Welt, mit der die Bevölkerung dezimiert werden soll. Hildmann glaubt, dass Bill Gates (und Kanye West) Satanist seien. Seine Belege sind selten schlüssig, stammen meist von Verschwörungsseiten, aus skurrilen Bildern oder entstehen durch das krasse Fehlinterpretieren von Medienberichten.

Attila Hildmann mit ABC-Maske bei einer Kundgebung im Juli vor dem Alten Museum.

Attila Hildmanns Coronavirus-Verschwörungstheorien – Kundgebungen und Telegram-Gruppe

Der Spiegel-Autor Alexander Kühn beschreibt Attila Hildmann im Mai 2020 als „verloren zwischen all seinen Theorien“, der sich nur noch auf sich selbst verlassen kann. Es gibt seltene Momente, in denen Hildmann seine Theorien öffentlich hinterfragt und Fehler einräumt. In seiner Telegram-Gruppe äußert er sich dennoch täglich, verteilt fragwürdige Links und unbelegte Theorien zur Coronavirus-Krise. Seine Aussagen werden dabei auch immer rechter, teilweise rechtsextrem. Im Juli 2020 ist kein Ende der Corona-Hetze in Sicht.

Attila Hildmann teilt regelmäßig gegen Angela Merkel und die Bundesrepublik Deutschland aus. Er gibt sich als Reichsbürger zu erkennen und spricht häufig davon, die bestehende Ordnung umstürzen zu wollen. Seine Sprache ist aggressiv, teils durchsetzt mit Drohungen. Regelmäßig hält er Corona-Kundgebungen in Berlin ab, dabei kam es schon zum Zusammenstoß mit Journalisten. Die Polizei und der Staatsschutz haben Attila Hildmann im Visier und sogar deutsche Hackergruppen wollen ihm das Handwerk legen. Hildmann macht in seiner Telegram-Gruppe Jagd auf politische Gegner. Seine Äußerungen zur Coronavirus-Krise werden weiterhin heftig kritisiert. Manche vermuten, dass Attila Hildmann an einer psychischen Störung leidet, einen Beleg dafür gibt es nicht. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Tim Brakemeier/dpa/picture alliance

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