Vereinbarkeit von Job und Familie

Annalena Baerbock (Grüne) beweist: Kanzlerin kann auch Mutter sein

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
    schließen

Ein Ehemann, zwei Kinder: Trotzdem will Annalena Baerbock (Die Grünen) Bundeskanzlerin werden. So will sie Job und Privatleben miteinander vereinbaren.

Hamburg/Berlin – Ihr Ehemann ist Lobbyist bei der Deutschen Post, sie will Kanzlerin werden. Zusammen haben sie zwei Kinder. Dass das alles aber zusammenpasst, das hat Annalena Baerbock (Grüne) jetzt eindeutig klargestellt. Mit deutlichen Worten hat die Kanzlerkandidatin über die Vereinbarkeit von Job und Familie gesprochen. „Mein Mann übernimmt die volle Verantwortung und Arbeit zu Hause“, sagte die 40-jährige Parteichefin der „Bild“-Zeitung.

Deutsche Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980 (Alter: 40 Jahre) in Hannover
Privat:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelle Ämter:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Früh morgens aus dem Haus, spät abends erst zurück: Seit drei Jahren mutet sich Baerbock bereits als Parteichefin einen Spitzenjob zu. Und sie will noch mehr. Im September will sie bei der Bundestagswahl Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden. Und Baerbock hat laut Umfragen derzeit beste Chancen dazu – als erste Grüne und als jüngste Kandidatin in der Geschichte der Bundesrepublik.

Annalena Baerbock (Grüne) privat: Sie will Kanzlerin werden – ihr Ehemann kümmert sich um die Kinder

Dass sie zum nächsten Karrieresprung ansetzen kann, verdankt die 40-Jährige auch ihrem Mann Daniel Holefleisch. Der 48-jährige Politikberater hält ihr seit Jahren den Rücken frei. Ab August werde er seinen Job weiter reduzieren und eine Auszeit nehmen, um dann in Potsdam „ganz zu Hause“ für die beiden Töchter (5 und 9) da zu sein. „Mein Mann ist es, der sich vor allem um Kita, Schule, Hausaufgaben und Pausenbrote kümmert“, sagte Baerbock in dem Interview.

Sie macht Karriere, er kümmert sich um die Kinder: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) zusammen mit ihrem Ehemann Daniel Holefleisch. (24hamburg.de-Montage)

Holefleisch arbeitet als „Senior Expert Corporate Affairs“ für die Deutsche Post AG. Es ist eine Art Lobbyisten-Tätigkeit, die er im Falle eines Wahlsieges seiner Frau dann aber ruhen lassen und sich voll und ganz der Erziehungszeit widmen wird. Dadurch soll es, so stellte Baerbock klar, erst gar nicht zu einem Interessenskonflikt zwischen Regierung und Wirtschaft kommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Baerbock über ihr Privatleben äußern muss. Seit ihrer Nominierung zur Kanzlerkandidatin sieht sie sich mit Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familien konfrontiert, was mitunter seit Wochen hitzige Diskussionen auslöst. Während die einen darin eine Diskriminierung sehen und als Argument anführen, dass einem Mann solche Fragen nie gestellt werden würden, sehen andere wiederum die Thematisierung als notwendig an, damit sich an den festgefahrenen Rollenbildern etwas ändert.

Annalena Baerbock: Jung, Frau, Mutter – die Grüne geht bei Fragen zur Familie in die Offensive

Baerbock selber scheint eher zu der zweiten Gruppen zu gehören. Sie weicht den Fragen nicht aus. Stattdessen sucht sie eher die Offensive. „Natürlich kann eine Mutter Kanzlerin sein“, hatte sie bereits zum Jahreswechsel forsch in mehreren Interviews gesagt. Die genaue Organisation hatte sie aber stets eher im Vagen gelassen. Insofern sind die jüngsten Aussagen bemerkenswert.

Die Grüne verbindet damit aber sicherlich durchaus die Hoffnung, dass das Thema dann auch endgültig irgendwann abgeräumt ist. Denn auch im Bild-Interview gerieten durch die Fragen nach den Geschlechterrollen die inhaltlichen Themen weniger Aufmerksamkeit*. Andere Besteuerung von Kerosin? Ja, sicherlich. Klimaschutz? Auch wichtig. Aber nicht so interessant wie der Bereich Frau, Mutter, Kanzlerin.

Annalena Baerbock (Grüne): Eine Frau tritt bei der Bundestagswahl gegen zwei Männer an

Baerbock jedenfalls versucht, ihre Rolle als moderne Frau in ein Qualitätsmerkmal umzumünzen. Wer das alles hinbekommt, der kann auch ein Land führen, lautet ihr Credo. Dabei bekam sie erst unlängst unerwartete Schützenhilfe von TV-Satiriker Jan Böhmermann.

In einer Anmoderation zu einem Fernsehbeitrag über CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet versteckte der Moderator eine beißende Kritik an der Geschlechtergerechtigkeit in dem Kandidatenrennen. „Laschet“, sagte Böhmermann in die Kameras, „ein Mann, der nie wirklich drei Kinder großgezogen hat, kann so jemand überhaupt Kanzler?“ Eine Antwort auf die Frage sucht man derzeit noch vergeblich. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Simon/imago

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare