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Annalena Baerbock in Hamburg: Grünen-Chefin schießt gegen Olaf Scholz

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Von: Jens Kiffmeier

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Wenige Wochen vor der Bundestagswahl greift Annalena Baerbock Olaf Scholz an – in seiner Heimat Hamburg. Vor allem Versagen beim Klimaschutz wirft sie ihm vor.

Hamburg – Scharfe Attacken auf die SPD: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2021 hat Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) den Ton gegenüber der politischen Konkurrenz verschärft. So warf die Grünen-Parteichefin den Sozialdemokraten Versagen in der Klimaschutzpolitik vor. „Besonders ein Herr Olaf Scholz“ habe beim sozialen Ausgleich von Klimaschutzmaßnahmen auf die Bremse getreten, kritisierte Baerbock bei einem Wahlkampfauftritt in der Hansestadt Hamburg. Auch sei er in seiner Amtszeit als Hamburgs Erster Bürgermeister gegen den Rückkauf der Energienetze gewesen, fügte sie hinzu.

Deutsche Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980, in Hannover
Privat:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelles Amt:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Baerbock steht unter Druck. Die 40-Jährige kämpft gegen Scholz und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Baerbock wäre erst die zweite Frau in diesem Amt. Doch obwohl sie nach ihrer Nominierung zwischenzeitlich gute Aussichten auf einen Wahlerfolg hatte, bröckelten zuletzt ihre Umfragewerte zusammen. Vor allem persönliche Patzer rund um ein abgeschriebenes Buch* und einen geschönten Lebenslauf* bescherten ihr einen massiven Vertrauensverlust bei den Wählerinnen und Wähler. Laut dem neuesten Forsa-Trendbarometer* führt die SPD neuerdings vor der CDU und den Grünen – und zwar erstmals seit 15 Jahren.

Annalena Baerbock (Grüne): Die Kanzlerkandidatin greift in Hamburg Olaf Scholz (SPD) an

Auffällig ist nun, dass Baerbock plötzlich verstärkt die Auseinandersetzung mit Scholz sucht. Zu Beginn des Wahlkampfes hatte sie sich noch ein Duell mit Laschet geliefert. Doch den NRW-Ministerpräsidenten erwähnte Baerbock bei ihrem Auftritt in Hamburg mit keiner einzigen Silbe mehr. Stattdessen warf sie Scholz vor, mit seiner Politik den Status quo in Deutschland zu zementieren.

Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) spricht emotional in ein Mikrofon. Daneben schaut Olaf Scholz (SPD) zu Boden. Im Hintergrund ist der Rathausturm von Hamburg zu sehen.
Wirft Olaf Scholz (SPD) Versagen in der Klimaschutzpolitik vor: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) bei einem Auftritt in Hamburg. © Marcus Brandt/dpa/picture alliance & Nicolas Armer/dpa/picture alliance & Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Laut der Grünen gibt es in Hamburg ein Signal des Aufbruchs. Die Hanseaten hätten bewiesen, dass sie für Innovation seien und einen Industriestandort wollten, der auf Erneuerung setze. Doch Scholz sage, „wir müssen weitermachen wie bisher, lieber abwarten mit Blick auf Klimaneutralität in der Industrie – und deswegen bin ich ganz sicher, dass auch Hamburg den Wechsel für die deutsche Bundesregierung wählt“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa die Kanzlerkandidatin.

Eigentlich verbindet Baerbock und Scholz eine alte Liebe zu Hamburg. Während sie einen Großteil ihres Studiums in der Stadt* verbrachte, wuchs er hier auf und wurde der Erste Bürgermeister. Auf die Frage, was sie beide unterscheide, hatte Baerbock noch vor wenigen Wochen augenzwinkert geantwortet, dass Olaf Scholz „viel besser Hamburgern“ könne.

Bundestagswahl 2021: Abgeschriebenes Buch reißt Umfragen nach unten – Grüne hinter SPD und CDU

Doch bei aller Symphatie unter Hanseaten, am Ende zählt nur eine Frage: Wer von beiden macht das Rennen in der alten Heimatstadt? Für Baerbock jedenfalls ist ein Sieg in Hamburg enorm wichtig. Traditionell sind die Grünen in den ländlichen Regionen schlechter verwurzelt als in den Städten. Eine Metropole wie Hamburg mit seinen Millionen Wahlberechtigten sind für Baerbock deswegen nicht zu vernachlässigen.

Eine repräsentative Umfrage bescheinigt den Grünen noch eine Menge Arbeit. Denn wäre die Bundestagswahl bereits jetzt, dann würden 28 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger ihren alten Bürgermeister wählen, wie aus einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Trend Research im Auftrag des Hörfunksenders Radio Hamburg hervorgeht. Die Grünen dagegen kommen nur auf 19 Prozent. Damit liegen sie aber immerhin noch vor der CDU, die mit Laschet 17 Prozent holen würde. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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