Xavier Naidoo fällt auf Satire rein

Machen Attila Hildmann und Angela Merkel gemeinsame Sache? Satire mit Verschwörungstheoretiker und Kanzlerin

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Wenn man Satire nicht versteht: Kochbuchautor Attila Hildmann läuft neben Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) her. Die Fans halten es für wahr. 

  • Attila Hildmann* geht mit Kanzlerin Angela Merkel* spazieren.
  • Foto ist Montage eines Satiremagazins – Fans des Rechtsaktivisten fallen darauf rein.
  • Sogar Xavier Naidoo kommentiert den Beitrag.

Berlin/Hamburg– Der Vorwurf klingt unglaublich: „Wird Attila Hildmann in Wahrheit von der Bundeskanzlerin persönlich bezahlt, um die Querdenker-Szene lächerlich zu machen?“, fragt das Satiremagazin Der Postillon“ am Dienstag, 1. September 2020. Um zu beweisen, dass Attila Hildmann und Kanzlerin Angela Merkel unter einer Decke stecken könnten, veröffentlicht das Portal eine Fotomontage, die den Rechtsaktivisten neben der CDU-Politikerin zeigt.

AutorAttila Hildmann
Geboren22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe1,77 m
ElternUrsel Hildmann
AusbildungFreie Universität Berlin

Sie gehen gemeinsam spazieren. Dass Satire nicht ihre Stärke ist, beweisen die Hildmann-Fans. Sie schicken ihm „hunderte Nachrichten“. Ein wahrer Shitstorm. Jüngst zeigte sich Attila Hildmann mit einem Mund-Nasen-Schutz beim Arzt*. Auch das dürfte ihn Anhänger kosten.

Attila Hildmann und Kanzlerin Angela Merkel stecken unter einer Decke, vermutet das Satiremagazin „Der Postillon“. (24hamburg.de-Montage)

Attila Hildmann wird von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezahlt – Shitstorm gegen Rechtsaktivist wegen Beitrag von Satireportal „Der Postillon“

Die vergangenen Tage hätten für Attila Hildmann besser laufen können. Sein angestrebter Machtwechsel für Deutschland ging schief. In Berlin haben ihn Polizisten in Handschellen abgeführt*. Und auch seine verbreitete Nachricht, dass die Polizei Berlin zwei Demonstranten getötet habe*, entpuppte sich als dreiste Lüge. Weil die Coronavirus-Demo in Berlin außerdem erschreckende Bilder geliefert hatte, werden die kritischen Stimmen immer lauter. Bei Markus Lanz fand CDU-Politiker Wolfgang Schäuble klare Worte*. Und obwohl er sonst keinen Protest scheut, positionierte sich sogar der Hambuger* Musiker Udo Lindenberg klar gegen die Demonstration*.

Jetzt fallen die Fans von Attila Hildmann auch noch auf einen Satirebeitrag von „Der Postillon“ rein und initiieren einen wahren Shitstorm gegen den gescheiterten Putschisten. Der Beitrag wird mit einem Bild aufgemacht. Es zeigt, wie Attila Hildmann und Kanzlerin Angela Merkel, die er bezichtigt, einen Völkermord vorzubereiten*, gemeinsam spazieren gehen. Das Foto sei dem Portal „von Unbekannten zugespielt“ worden und schon am 22. Oktober 2019 entstanden. „Vier Monate vor (!) Beginn der weltweiten Corona-Pandemie und zu einem Zeitpunkt, als Attila Hildmann noch als seriöser Geschäftsmann und gern interviewter Promikoch galt“, erklärt „Der Postillon“ im Beitrag.

Postillon: Attila Hildmann bekam 666.666 Euro gezahlt  – sogar Xavier Naidoo geht auf Satirebeitrag ein

Im Rahmen ihrer „Recherche“ interviewt „Der Postillon“ außerdem eine ehemalige Mitarbeiterin aus Hildmanns Restaurant und zitiert sie mit den Worten: „Er sagte etwas von wegen, er habe jetzt eine andere Geldquelle von ganz oben aufgetan und müsse sich für die nächsten Monate oder gar Jahre aus dem Gastrogewerbe verabschieden.“ Darunter druckt das Portal einen Ausgabebeleg über 666.666 Euro. Unterschrieben ist er im Namen der „Bundesrepublik Deutschland GmbH“.

Spätestens hier hätte auffallen können, dass es sich um Satire handelt. Den Fans von Attila Hildmann erschien all das aber nur logisch. Auf seinem Telgram-Kanal* sieht sich der Kochbuchautor sogar genötigt eine Richtigstellung zu verschicken: „Der Postillon ist ne Satireseite!“ Nötig wurden diese Worte, weil ihn „hunderte Nachrichten“ erreicht hätten. Kein Wunder. Denn auch Xavier Naidoo* kommentiert das Thema: „Ich bin übrigens immer noch der Meinung, dass Attila NICHT gekauft ist. 100%.“

Spott auf Facebook für Fans von Attila Hildmann: „Hunderte Nachrichten“ wegen Beitrag auf „Der Postillon“

Über den Inhalt des Satirebeitrags verliert Attila Hildmann kein Wort. Ohne martialische Ankündigungen hingegen kommt er nicht aus. So schließt er seinen Beitrag: „Wenn ich eines Tages mit Merkel spazieren gehe, dann von ihrer Zelle zum Militärgericht!“ Ähnlich intonierte er seine Kritik an Virologen Christian Drosten in einem RTL-Interview, das völlig aus dem Ruder lief. Am Ende beschimpfte Attila Hildmann das Kamera-Team*.

Auf Facebook ist Attila Hildmann und seinen Fans der Spott jedenfalls sicher. User Sebastian Wessel schreibt: „Dass seine Jünger so dämlich sind, und einem Artikel vom vorzüglichen Postillon auf den Leim gehen, überrascht mich nicht.“ Benjamin Diedrich kommentiert: „Ich fordere Internetverbot für seine Anhänger, schließlich gab es das im Kaiserreich auch nicht.“ Thomas Keerl hat sogar eine eigene Verschwörungstheorie parat: „In Wirklichkeit ist Attila Hildmann ein clever konstruierter Fake von Jan Böhmermann, um die Verschwörungstheoretiker Szene einmal so richtig vorzuführen, das hat bislang nur noch keiner bemerkt.“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/Carsten Koall/John Macdougall/AFP POOL/dpa/picture alliance

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