Finanzhilfe bei Gehaltseinbußen

Agentur für Arbeit in Hamburg: Kurzarbeit, Finanzhilfe und Stellenangebote in der Coronavirus-Krise

Corona infiziert auch die Wirtschaft des Landes. Die Arbeitslosigkeit ist im Aufwärtstrend, Kurzarbeit wird in vielen Berufen mehr und mehr zur Norm.

Hamburg – Nach dem Ostersonntag 2020 zählte die Stadt Hamburg 3887 gemeldete Coronavirus-Infizierte, ein Jahr später sind es schockierende 57.462. Schon über 1300 Menschen starben bereits an den Folgen der Infektion (Stand März 2021). Im Rest des Nordens sieht es nicht besser aus. Doch nicht nur gesundheitlich, auch wirtschaftlich befinden sich viele Hamburgerinnen und Hamburger in einer Notsituation. Wer Glück hat, arbeitet im Homeoffice. Viele Unternehmen haben jedoch auf Kurzarbeit umgestellt, was für die Angestellten eine drastische Einkommenskürzung bedeutet. Noch schlimmer ist die Situation für Selbstständige: Hier fallen teils die kompletten Einnahmequellen aus. 

Unternehmen:Bundesagentur für Arbeit
Hauptsitz:Nürnberg
Gründung:10. März 1952
Aufsichtsbehörde:Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Rechtsform:Körperschaft des öffentlichen Rechts
Status:Für die Öffentlichkeit geschlossen, telefonisch erreichbar
Vorstandsvoritzender:Detlef Scheele


Auch der Blick in die Zukunft sieht nicht rosig aus*, denn obwohl noch keine belastbaren Zahlen vorliegen, wird mit steigenden Arbeitslosenzahlen gerechnet. In den USA und anderen Ländern ist dies bereits der Fall. Und auch wenn hierzulande die Kündigung aufgrund von Krankheit rechtlich unzulässig ist, kann in Zukunft zumindest von einer geringeren Zahl der Neuanstellungen ausgegangen werden. Auch Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise schließen müssen, lassen die Arbeitslosenzahlen sprunghaft ansteigen. Das Arbeitsamt Hamburg bemüht sich jedoch, diesem Trend entgegenzuwirken.

Maßnahmen der Agentur für Arbeit Hamburg: Kurzarbeit per Online-Antrag

Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise abzumildern, stellt das Arbeitsamt Hamburg einige Programme zur Verfügung. Das bekannteste – da in den Medien am häufigsten diskutiert – dürfte sicherlich die Kurzarbeit sein.

Das Kurzarbeitergeld stellt eine Leistung des Arbeitsamts in der Stadt Hamburg dar, mit welcher sowohl die Arbeitsplätze erhalten werden, als auch die Arbeitgeber bei schlechter Auftragslage entlastet werden sollen. Den Angestellten wird auf diese Weise ein Existenzminimum gewährleistet. Wird die Arbeit aufgrund der Auftragslage reduziert, zahlt der Arbeitgeber, wenn er Kurzarbeit beantragt hat, die vom Arbeitnehmer tatsächlich verrichtete Arbeit. Diese wird anteilig in Stunden gemessen.

Der abgesperrte Eingang der Agentur für Arbeit Hamburg

Die Differenz, die sich bis zum zustehenden Kurzarbeitergeld ergibt, übernimmt die Agentur für Arbeit Hamburg. Arbeitnehmern mit mindestens einem Kind stehen 67 Prozent, Arbeitnehmern ohne Kind 60 Prozent des Normalgehalts zu. 

Arbeitsamt Hamburg in der Corona-Krise: Kurzarbeitergeld beantragen

Kurzarbeitergeld muss vom Arbeitgeber beim Arbeitsamt Hamburg beantragt werden. Von ihm wird auch der jeweilige Betrag an den Arbeitnehmer ausgezahlt; die Arbeitsämter zahlen nicht direkt an den Arbeitnehmer. Kurzarbeitergeld ist jedoch an einige Bedingungen geknüpft: So muss die Kurzarbeit durch ein unabwendbares Ereignis hervorgerufen worden sein und mindestens zehn Prozent der Belegschaft müssen einen Entgeltausfall von mindestens zehn Prozent erleiden. Die Regelung wurde erst kürzlich aufgrund der Corona-Krise erlassen, zuvor lag die Prozent-Hürde deutlich höher.  

Die Zeit, in der man Kurzarbeitergeld vom Arbeitsamt Hamburg erhalten kann, ist auf zwölf Monate begrenzt – Unterbrechungen nicht mitgerechnet. Erhält der Arbeitnehmer für drei Monate von seinem Arbeitgeber wieder volles Gehalt, wird die Frist wieder zurückgesetzt auf zwölf Monate. Das heißt, der Arbeitnehmer könnte erneut zwölf Monate lang Kurzarbeitergeld erhalten, wenn die Auftragslage wieder schlechter wird. Und da uns das Coronavirus noch eine Weile in Atem halten wird, könnte diese Option vielleicht irgendwann interessant werden.

Arbeitsamt Hamburg: Arbeitslosengeld II und Grundsicherung

Teils reicht das Kurzarbeitergeld dennoch nicht aus. Zudem kann nicht jeder Arbeitgeber Kurzarbeit beim Arbeitsamt Hamburg anmelden. In diesen beiden Fällen besteht die – mittlerweile vereinfachte – Möglichkeit, Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung zu beantragen. Hierbei wird das Existenzminimum der Antragsteller berechnet und der Differenzbetrag zum erhaltenen Gehalt als Finanzhilfe ausgezahlt. 

Neu durch das Coronavirus: Die persönliche Antragstellung entfällt, sodass die Antragsteller sich nicht mehr persönlich vorstellen müssen. Stattdessen ist die telefonische Meldung vorgesehen. Anschließend wird der Antrag dem zuständigen Arbeitsamt in Hamburg – ob in Wandsbek, Altona, Harburg, Lokstedt, Hamburg Nord, Barmbek oder Eimsbüttel am Eppendorfer Weg – per Post zugesandt. Der Kontakt wird also auf ein Minimum reduziert.

In den Arbeitsagenturen wird zwar noch gearbeitet, jedoch findet kein Einlass mehr statt. Kontaktformulare, Adressen und die Nummer der Hotline sowie Anträge und Anleitungen finden sich online. Gleiches gilt für die Öffnungszeiten, die in Zukunft wieder relevant sein werden. Die Standorte und Anfahrtswege zeigt Google Maps an. 

Arbeitsamt Hamburg: Notfall-Kinderzuschlag beantragen 

Der Kinderzuschlag, kurz KiZ, hat rechtlich gesehen Vorrang vor der Grundsicherung und stellt daher für Betroffene mit Kindern eine bessere Alternative dar, wenn der Lebensunterhalt der Familie nicht mehr durch das Gehalt bestritten werden kann. Der Notfall-KiZ beträgt bis zu 185 Euro monatlich pro Kind. Durch die Coronavirus-Krise wurden die Voraussetzungen für die Bewilligung des Zuschlags gelockert. So ist es beispielsweise nur noch nötig, gegenüber dem Arbeitsamt Hamburg das Einkommen im Monat vor der Antragsstellung nachzuweisen. Ebenso wird das Vermögen nur noch in Ausnahmefällen in die Berechnung einbezogen. 

Die wichtigsten Voraussetzungen für die Bewilligung des Notfall-Kinderzuschlags sind:

  • Die Kinder wohnen im gleichen Haushalt wie der oder die Antragssteller(in).
  • Die Kinder sind unter fünfundzwanzig Jahre alt und unverheiratet.
  • Der Antragsteller erhält bereits Kindergeld.
  • Die Antragsteller haben ein monatliches Bruttoeinkommen von unter 900 Euro. 
  • Bei Alleinerziehenden muss das Bruttoeinkommen unter 600 Euro liegen.

Arbeitsamt Hamburg: Hilfe für Selbstständige

Auch und gerade Selbstständige sind aus wirtschaftlicher Sicht besonders von der Corona-Krise betroffen. Restaurants beispielsweise mussten schließen oder können nur noch Gäste außer Haus bewirten; Taxiunternehmen haben größtenteils ihre Arbeit eingestellt und auch das kleine Start-up von nebenan hat keine Kundschaft mehr. Die Fixkosten laufen aber weiter und die Rechnungen wollen bezahlt werden. Auch an dieser Stelle versuchen die Bundesrepublik Deutschland und die Stadt Hamburg, vertreten durch das Arbeitsamt Hamburg, Betroffenen unter die Arme zu greifen und Arbeitslosigkeit zu vermeiden. 

Bevor man als Selbstständiger diese Finanzhilfe in Anspruch nehmen kann, muss jedoch erst nachgewiesen werden, dass das Unternehmen nicht bereits vor der Corona-Krise in Schieflage geraten ist. Dies gelingt beispielsweise durch die Offenlegung der Bücher.

Agentur für Arbeit Hamburg: Maßnahmen der Finanzämter

Neben dem Arbeitsamt Hamburg haben auch die Finanzämter in Hamburg einige Programme zur Finanzhilfe auf die Beine gestellt, welche sowohl Arbeitnehmer als auch Selbstständige unterstützen sollen. So ist es beispielsweise möglich, Anträge zur Senkung der Vorauszahlungen der Einkommenssteuer oder für den Aufschub von Vollstreckungen zu stellen. 

Online können die HamburgerInnen herausfinden, welches Finanzamt für sie zuständig ist. Dies hängt von ihrem Wohnort ab, variiert also abhängig davon, ob sie in Langenhorn, Winterhude, Volksdorf, Bergedorf, direkt am Berliner Tor, in Hamburg Mitte oder anderswo wohnen. Auch für diese Anträge ist es nicht nötig, bei den Finanzämtern einen Termin zu vereinbaren, denn die Unterlagen können unterschrieben und als elektronisches Dokument per Mail an die entsprechenden Finanzämter gesendet werden. Ein Log-in ist nicht notwendig.

Arbeitsamt Hamburg: Eigeninitiative statt Finanzhilfe 

Wer sich nicht auf den Staat verlassen möchte, kann sein Gehalt anderweitig aufbessern. Ist das eigene Arbeitspensum aufgrund der Corona-Krise verringert, bietet sich ein Nebenjob zur Überbrückung an. Möglichkeiten gibt es dafür viele: Durch die Grenzschließungen und Ausgangssperren fehlen beispielsweise in der Nahrungsmittelproduktion an allen Ecken und Enden ErntehelferInnen. Gesucht wird zum einen auf den einschlägigen Seiten der bekannten Jobbörsen, wie Indeed und StepStone, oder bei der Jobbörse des Arbeitsamts Hamburg. Aber auch neue Jobbörsen wurden aufgrund des akuten Helfermangels ins Leben gerufen.

Außenansicht eines Gebäudes der Agentur für Arbeit


Nun ist ein Job in der Landwirtschaft natürlich nicht für jeden etwas. Gesucht werden Aushilfskräfte aber auch in anderen Branchen, beispielsweise in der Dateneingabe oder -pflege. Eine alternative Idee zur Aufbesserung des Gehalts in Zeiten des Coronavirus bieten Testplattformen. So lassen sich höhere Beträge auf dem eigenen Konto erwirtschaften, indem man zum Beispiel Produkte testet oder Rezensionen schreibt. Auch die Teilnahme an medizinischen Studien kann sich lohnen. 

Agentur für Arbeit Hamburg: Überbrückungsjob bei Kurzarbeit

Aber Vorsicht ist geboten: Neben den Betrügern, die von der Notsituation anderer Menschen angezogen werden, gibt es auch einige rechtliche Fallen. Nimmt beispielsweise ein Arbeitnehmer, der vom Arbeitsamt Hamburg Kurzarbeitergeld erhält, einen weiteren Job an, so wird das daraus erzielte Entgelt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Eine Ausnahme besteht, wenn der neue Überbrückungsjob in den systemrelevanten Berufsfeldern angesiedelt ist. Bei diesen handelt es sich laut Agentur für Arbeit Hamburg um alle Berufsfelder in und um das Themenfeld der Medizin,

Außerdem empfehlen sich im Ernstfall Umschulungen und Weiterbildungen durch die Agentur für Arbeit Hamburg, die auch unabhängig von der derzeitigen Krise sinnvoll sein können. Gerade durch die Kurzarbeit haben viele Menschen Zeit, um sich neues Wissen anzueignen. * Kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt

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