Boykott

Xavier Naidoo: „Holocaust-Märchen“ – Veranstalter will Berlin-Konzert absagen

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Aufgrund von Verschwörungstheorien und rassistischen Äußerungen steht Xavier Naidoo in großer Kritik. Nun droht auch sein Konzert in Berlin zu platzen.

Berlin – Es ist kein Geheimnis, dass seine kontroversen Statements seit geraumer Zeit für mehr Schlagzeilen Sorgen als seine Musik. Vor allem Verschwörungstheorien und rassistischen Ressentiments machen den einstigen Superstar Xavier Naidoo* zum roten Tuch für ehemalige Fans und Musikveranstalter. Das Fass zum Überlaufen bringt er nun mit einem Video, das den Holocaust leugnet. Viele Konzertveranstalter haben auf seine menschenverachtenden Worte bereits reagiert. Aber wie sieht es mit seinem Auftritt in Berlin aus?

Sänger:Xavier Naidoo
Geboren:2. Oktober 1971
Alben:Nicht von dieser Welt, Hin Und Weg, Telegramm für X
Eltern:Eugene Naidoo, Rausammy Naidoo

Berliner Konzertveranstalter lobten Xavier Naidoos „Engagement für Identität und Unabhängigkeit“

Gegenwind und Vorwürfe an Xavier Naidoo gibt es aktuell zuhauf. Unlängst machten seine Verschwörungstheorien auf Telegram die Runde und auch Stimmen, die in Xavier Naidoo einen homophoben Rassisten* sehen, werden immer lauter. Dennoch sah es lange Zeit so aus, dass der Sänger trotz seiner radikalen Aussagen in Berlin auftreten wird.

Die Konzertveranstalter „Trinity Music“ zeigte sich im Vorfeld von ihm jedenfalls begeistert. Xavier Naidoo sei ein „absolut herausragender deutscher Interpret“ mit „überragendem Talent, authentischem Stil und ausdrucksstarken Inhalten“. Vor allem sein „Engagement für Identität und Unabhängigkeit“ lobten die Konzertveranstalter, die Xavier Naidoos Berlin-Konzert am 1. August in der Spandauer Zitadelle scheinbar gerne realisiert hätten.

Xavier Naidoo teilt Video auf Telegram: Holocaust sei eine „gelungene historische Fiktion“

Nun steht sein Konzert aber doch auf der Kippe. Ausschlaggebend könnte auch seine Anti-Corona-Hymne sein, die er kürzlich veröffentlichte. In dem entsprechenden Video sprengte Xavier Naidoo ein Impfzentrum. Nachdem er also kürzlich einen weiteren Tiefpunkt seiner Radikalisierung erreicht hatte, kommen auch beim Konzertveranstalter Zweifel auf. Immer mehr entwickelt sich Naidoo zur Persona non grata.

So etwa auch dank seiner Aktivitäten auf Telegram, deren Plattform sich nicht zuletzt auch Verschwörungsfanatiker Attila Hildmann* zu eigen machte. Hildmanns Telegram-Kanal wurde mittlerweile gesperrt*, dem Account von Xavier Naidoo könnte es bald ähnlich ergehen. Dort teilte er nun ein Video, indem der Holocaust, der im Zweiten Weltkrieg den tragischen Tod von unzähligen Juden zu verantworten hatte, als eine „gelungene historische Fiktion“ bezeichnet wird, kurzum: ein „Märchen“. [Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde aktualisiert am 18. Juni 2021]

Auch in Berlin droht das Xavier Naidoo-Konzert zu platzen.

„Trinity Music“: Es gibt „interessantere Themen“ als Naidoo-Boykott

War sich „Trinity Music“ nicht bewusst, mit welchen Aussagen Xavier Naidoo, der aktuell über einen Song mit BILD-Chef Julian Reichelt* nachdenkt, um sich wirft? Geschäftsführer Thomas Spindler scheint für die Debatte jedenfalls kein Verständnis zu haben. Empört gab er dem Tagesspiegel zum Protokoll, dass es in Zeiten der Corona-Pandemie Themen gebe, deren Berichterstattung deutlich wichtiger sei.

Kritik an Xavier Naidoo sowie „Trinity Music“ sei „ein schlechter Witz“. Ähnliche Worte wählte seine „Trinity“-Kollegin Stephanie Lipka, die empfahl, dass man lieber „interessanteren Themen im Weltgeschehen“ nachgehen sollte.

Berliner Konzertveranstalter rudert zurück: Man werde Xavier Naidoo „keine Bühne geben“

Am Abend des 16. Juni kam dann aber auch im Hause „Trinity Music“ die Einsicht. Nachdem die Firma kurz vorher ihre lobenden Worte an Xavier Naidoo von ihrer Homepage entfernt hatte, ruderten sie sich nun auch auf Facebook zurück. Das Unternehmen rund um Geschäftsführer Thomas Spindler gab an, sich „ausdrücklich von den andauernden und erschreckenden Aussagen des Herrn Naidoo“ zu distanzieren.

„Lieber heute als morgen“ wolle man „von den Verträgen zurücktreten“, die mit dem einstigen Ausnahmesänger im Zuge des Berlin-Konzerts beschlossen wurden. „Trinity Music“ zieht nun also Schlüsse wie zuvor schon Konzertveranstalter aus Rostock, die die Verschwörungstheorien von Xavier Naidoo nicht länger dulden. Man werde Xavier Naidoo auch in der Berliner Zitadelle „keine Bühne geben“.

Wie viele „Fans“ sich überhaupt noch auf ein Konzert des Sängers freuen würden, steht an dieser Stelle nicht zur Debatte. Gedanken über ein mögliches Karriere-Ende wären jedenfalls schon lange angebracht. (Transparenzhinweis: Der Artikel wurde am 20. Juni 2021 aktualisiert: Eine vorherige Version erklärte, dass Xavier Naidoo das Video selber veröffentlichte, anstatt das Video eines Holocaust-Leugners auf Telegramm teilte. Darüber hinaus ist Xavier Naidoo bereits seit 2017 kein Bestandteil mehr der Band „Söhne Mannheims“.) *24hamburg.de, tz.de, 24rhein.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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