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Wirt erteilt Café-Gästen Jogginghosen-Verbot: „Für saubere Atmosphäre“

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Von: Christian Einfeldt

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Ein Wirt möchte seinen Kunden „eine saubere Atmosphäre bieten“. Die Konsequenz: Für Gäste gilt ab sofort ein striktes Jogginghosen-Verbot.

Mülheim – Innerhalb kürzester Zeit machte auf Facebook ein Beitrag eines Mülheimer Cafés die Runde. „Aus aktuellem Anlass“ wollte ein Café-Betreiber auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen. Nicht etwaige Auflagen – wie die 2G-Regel, die die Maskenpflicht in Hamburg aufhebt*, sondern die Kleiderordnung rückt in den Fokus. „Verehrte Gäste, wir bitten Sie, unser Lokal nicht in Jogginghosen zu besuchen“, mahnt ein beliebtes Café in Mülheims Fußgängerzone. „Jogginghosen nicht erlaubt!“, ein Appell, der jedoch nicht nur Kritik hervorruft.

Stadt:Mülheim an der Ruhr
Fläche:91,26 km²
Bevölkerung:170.880 (2019)
Vorwahl:0208

„Eine Herzensangelegenheit“: Café verbietet Gästen eine Jogginghose zu tragen

Während der Corona-Pandemie, in der Hamburg Bußgelder in Millionenhöhe kassierte*, wurde die Jogginghose für viele zum täglichen Begleiter. Auch mehrere Wochen nach dem letzten Lockdown begleitet die bequeme Klamotte auch weiterhin den Alltag vieler Menschen. Diese Feststellung trifft zumindest Rajesh Luthra. Er ist der Betreiber eines beliebten Cafés inmitten der Mülheimer Fußgängerzone. Ihm missfällt die Entwicklung, dass seine Besucher das Café scheinbar mit ihrer Wohnung verwechseln – und greift zu drastischen Maßnahmen.

„Es ist ebenso eine Herzensangelegenheit unserer Gäste & Besucher“, lässt das Café Leornado am 21. September auf Facebook wissen. Ausdrücklich jeder sein willkommen. Aber für Träger einer Jogginghose gelte eine Ausnahme. Man wolle „unseren Gästen eine saubere Atmosphäre bieten“, begründet Luthra die Entscheidung, die vielen Menschen vor den Kopf stößt.

Ein Facebook-Beitrag eines Cafés weist auf ein Jogginghosen-Verbot hin.
„Jogginhose nicht erlaubt!“: Ein Café-Besitzer verbietet seinen Gästen, eine Jogginghose zu tragen. © Screenshot Facebook @leonardomuelheim

Nach Jogginghosen-Verbot: Gäste drohen mit Café-Boykott

Viele Facebook-User scheinen hinsichtlich des Jogginghosen-Verbots einer Meinung zu sein. Kunden, die das Café zuvor gerne besucht haben, wenden sich jetzt ab. „Ich habe dort gerne meinen Kaffee getrunken, aber jetzt ist mir der Appetit vergangen“, stellt eine Person klar. „Da weiß ich ja, wen ich nicht unterstützen muss“, schreibt eine andere. Manch einer macht sich Gedanken, wo ein solches Verbot hinführen soll. Zuletzt ging ein schockierendes Video viral, mit der Botschaft, Frauen würden die Scheidung verdienen, wenn sie nach der Geburt nicht abnehmen. Das Jogginghosen-Verbot ruft nun einige fragende Kommentare hervor, ob dann bald auch dicke oder hässliche Menschen ausgesperrt werden könnten.

Doch Café-Betreiber Rajesh Luthra bekommt in den Facebook-Kommentaren auch Rückenwind. Ein Facebook-User sei bereits „an dem Laden vorbeigelaufen und verstehe zu 100 Prozent, weshalb Ihr Euch zu diesem Schritt entschieden habt“. Darüber hinaus werden Vergleiche zu Hotels oder Clubs, die in Hamburg dank der 2G-Regel wieder geöffnet haben*, aufgebracht. Dort würden mitunter ähnliche Regeln gelten.

Trotz einiger Zustimmungen sieht sich Luthra in einer Rechtfertigungspflicht: „Wir sind kein Ausflugslokal an der Ruhr, wo Jogger und Spaziergänger einkehren, wir sind ein Stadtcafé“, bekräftigt der Café-Besitzer. Allen Anfeindungen zum Trotz wird er auch weiterhin an das Jogginghosen-Verbot festhalten. Einen Unterschied, von welcher Marke die Jogginghose ist, macht der Betreiber übrigens nicht. „Das wäre ja diskriminierend“, so der Café-Besitzer, der alle Menschen willkommen heißen möchte –, sofern sie eben keine Jogginghose tragen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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