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Weg von Gas und Öl: Wintershall Dea wird zum Wasserstoff-Produzenten

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Von: Andree Wächter

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Wilhelmshaven könnte zum Knotenpunkt für LNG und Wasserstoff werden. Wintershall Dea will dort ab 2028 Wasserstoff in Pipelines pumpen.

Wilhelmshaven - Vom Saulus zum Paulus? Was schon in der Bibel funktioniert hat, versucht in der Neuzeit der Gas- und Ölkonzern Wintershall Dea. Das Unternehmen will am Standort Wilhelmshaven künftig umweltschonenden Wasserstoff aus norwegischem Erdgas produzieren. Im Rahmen des Großprojekts BlueHyNow sollen dabei über 200.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde hergestellt werden, wie das Unternehmen am Donnerstag (5. Mai) ankündigte. In Wilhelmshaven soll auch ein schwimmendes LNG-Terminal gebaut werden.

Hauptsitz WintershallKassel
CEOMario Mehren
Gründung1894
GründerCarl Julius Winters

Das entspreche einem Jahresvolumen von 5,6 Terawattstunden (TWh) und in etwa dem dreifachen Energieverbrauch des Wolfsburger Volkswagenwerks (VW) im Jahr 2019. BlueHyNow soll nach jetzigem Planungsstand Ende 2028 in Betrieb gehen.

Der produzierte „blaue“ Wasserstoff soll ins Pipeline-Transportnetz eingespeist und an Industriekunden geliefert werden. Für das Projekt will Wintershall Dea gemeinsam mit weiteren Partnern mehr als eine Milliarde Euro investieren. Mit potenziellen Partnern würden dazu bereits konkrete Gespräche geführt. Geplant ist, das bei der Wasserstoffherstellung abgeschiedene Kohlendioxid (CO₂) von Wilhelmshaven aus über den Seeweg zu Lagerstätten in Norwegen und Dänemark zu transportieren und dort unterirdisch einzulagern.

Wintershall Dea: Wasserstoffbedarf in Deutschland liegt bei 55 Terawattstunden

„Unser Projekt steht für Fortschritt. Für die deutschen Netto-Null-Ziele bei den Emissionen als auch für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und für sichere, flexible Energieversorgung“, sagte der Vorstandschef von Wintershall Dea, Mario Mehren. Er verwies auf aktuelle Prognosen, wonach der jährliche Wasserstoffbedarf in Deutschland von heute 55 TWh (Terawattstunden) bis 2030 auf 90 bis 110 TWh steige.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wird am Donnerstag in Wilhelmshaven erwartet, wo noch in diesem Jahr das erste schwimmende Terminal für Flüssigerdgas (LNG) in Betrieb gehen soll. Gemeinsam mit Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) will er auch Vereinbarungen über einen Ausbau Wilhelmshavens zu einer Drehscheibe für saubere Energie für Deutschland unterzeichnen.

Speicher für Wasserstoff. Das Unternehmen Wintershall Dea will in Wilhelmshaven Wasserstoff für die Industrie produzieren.
Das Unternehmen Wintershall Dea will in Wilhelmshaven Wasserstoff für die Industrie produzieren. © PantherMedia/Alexander Kirch

Doch das ist nicht das einzige Projekt, welches Wintershall Dea verkündet hat. Laut dem Handelsblatt hat das Unternehmen einen Kaufvertrag mit dem italienischen Energieversorger Edison abgeschlossen. Wintershall kauft Edison dessen 11,25-prozentigen Anteil an dem Erdgasprojekt Reggane Nord ab und hält so künftig 30,75 Prozent daran. Damit wird das Geschäft in Algerien intensiviert.

Winterschall in Niedersachsen: Mehr als 100 Mitarbeiter im Landkreis Diepholz – Ärger im Landkreis Verden

Wintershall Dea hat auch einen Standort in Barnstorf (Landkreis Diepholz) in Niedersachsen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Vorstandsvorsitzende Mario Mehren sagte schon Ende April gegenüber der Kreiszeitung: „Wir werden unser Unternehmen weiterentwickeln und in Lösungen für Wasserstoff investieren.“

Doch Wintershall Dea sorgt auch immer für Ärger. Im Landkreis Verden gibt es Bürgerinitiativen gegen die Gasbohrungen in der Region. Im September gab es in Langwedel (Landkreis Verden) ein Erdbeben. Eine Folge der Bohrungen.

Wir haben Zahlungen nach Russland eingestellt.

Mario Mehren, Vorstandschef Wintershall

Die Beteiligung an der Gaspipeline Nord Stream 2 hat finanzielle Folgen. Mario Mehren: „Wir haben die Abschreibung unserer Finanzierung für Nord Stream 2 verkündet. Wir haben Zahlungen nach Russland eingestellt. Wir haben ganz klar Nein zu neuen Projekten in Russland gesagt.“ So die Reaktion auf den Ukraine-Konflikt. Die Pipeline wurde je zur Hälfte vom russischen Energieriesen Gazprom und den fünf Unternehmen OMV, Wintershall Dea, Engie, Uniper und Shell finanziert und hat die Investoren mehr als zehn Milliarden Euro gekostet.

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