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Wenn Senioren leiden: ein Viertel der Altenheim-Bewohner ist mangelernährt

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Von: Annabel Schütt

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Schlechtes Essen, fehlendes Personal: Bis zu 25 Prozent der Altenheim-Bewohner sind mangelernährt – mit gravierenden Folgen für die Lebensqualität.

Schlechte Qualität des Essens, Appetitlosigkeit, Kau- und Schluckprobleme: Die Gründe, warum Bewohner in Altenheimen an einer Mangelernährung leiden, sind vielschichtig. Doch gerade, weil immer mehr ältere Menschen aufgrund der Mangelernährung an einem erhöhten Risiko, an Krebs zu erkranken leiden, Gewicht verlieren und vor allem im Sommer mit Dehydrierung zu kämpfen haben, ist es wichtiger den je, ihnen Gehör zu schenken.

Fachgesellschaft:Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V (DGE)
Zweck:Förderung, Auswertung und Publikation ernährungswissen­schaftlicher Forschung sowie Ernährungsberatung und -aufklärung
Präsident:Jakob Linseisen
Gründungsdatum:4. November 1953
Mitgliederzahl:4130: 97 % Einzelmitglieder, 3 % Wirtschafts­verbände und Unternehmen
Sitz:Bonn, Deutschland

„Vor“ oder „nach“ Corona: Bewohner in Altenheimen vereinsamen

Immer wieder heißt es, dass Menschen in Altenheimen vereinsamen – ob vor, während oder nach der Corona-Pandemie spielt dabei kaum eine Rolle. Für viele Bewohner gibt es kein „vor dem Besuchsverbot“ und „nach dem Besuchsverbot“, stattdessen haben sie irgendwo mitten während des ersten oder zweiten Lockdowns das Gefühl für Zeit verloren.

Insbesondere für Demenzkranke und Schwerhörige war die Zeit in der „In-den-Arm-Nehmen, Bewegung, Nach-draußen-Gehen“ plötzlich wegfielen, schwer. „Demenzkranke haben einen siebten Sinn für Gefühle. Wenn jemand Angst hat oder gestresst ist, das Pflegepersonal sich Sorgen macht, spüren sie das“, so Seelsorgerin Edith Öxler. Ihnen jedoch immer wieder aufs Neue zu erklären, was es mit den Masken, mit dem Mindestabstand, den Besuchs- und Kontaktbeschränkungen, dem alleine Essen und den Risikogruppen auf sich hat, dafür fehlte an manchen Tagen die Zeit.

Ernährung in Altenheimen: 25 Prozent der Bewohner leiden an Mangelernährung

Doch während Hoffnung auf die nächste Partie „Mensch ärgere dich nicht“ oder auf den Sonntags-Spaziergang im Park besteht, jetzt wo Altenheim-Bewohner und Angestellte vollständig geimpft sind, kommt ein ganz anderes Problem ans Tageslicht. Ein Problem, das bereits seit geraumer Zeit besteht, allerdings nur von der Pandemie, die vor den Türen zahlreicher Altenheime wütete, verdrängt wurde.

Nachdem bereits vor zwei Jahren zahlreiche Senioren auf Facebook ihre aufgetischten Gerichte veröffentlichen, die manch einen an einen Unfall auf dem stillen Örtchen erinnern möchte, entsteht der Eindruck, dass es um das Essen in zahlreichen Alten- und Pflegeheimen teils nicht sonderlich gut gestellt ist.

Ein Fertigessen bestehend aus Kartoffeln, Schnitzel und Gurken. Daneben schiebt ein Senior seinen Rollator durch ein Altenheim. (24hamburg.de-Montage)
Bis zu 25 Prozent der Altenheim-Bewohner sind mangelernährt. (24hamburg.de-Montage) © Joko/IMAGO & epd/IMAGO

Eine europaweite Erhebung zur Ernährungssituation in Krankenhäusern und Pflegeheimen hat ergeben, dass gerade einmal ein Prozent der Pflegeheime die Qualitätsstandards der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) erfüllt. Die Folge: Eine Mangelernährung bei bis zu 25 Prozent der Bewohner, wie auch bei Hartz-IV-Empfängern, die sich mit dem Regelsatz kein Bio-Essen leisten können. „Um dem entgegenzuwirken, brauchen wir in den Krankenhäusern wie auch in Pflegeeinrichtungen und Altersheimen eine wesentlich bessere Aufklärung zu Ursachen und Folgen einer Mangelernährung. Gerade bei Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust muss sofort gehandelt werden“, fordert Professorin Dorothee Volkert, Leiterin der Arbeitsgruppe „Ernährung und Stoffwechsel“ der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).

Erhöhtes Krebsrisiko, Dehydrierung und Gewichtsverlust: Blick auf gute Ernährung in Altenheimen schärfen

Zu beobachten ist bei vielen älteren Menschen eine allgemeine Appetitlosigkeit und ein damit einhergehender Gewichtsverlust, was zu erhöhtem Krankheitsrisiko, Abbau der Muskelkraft und verzögerter Genesung führt. „Wenn ärztlich nicht anders verordnet, sind eineinhalb Liter Wasser am Tag in Form von verschiedenen Getränken sinnvoll. Hinzu kommen jeden Tag eiweißreiche Produkte wie Milchprodukte, Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte, auch Zwischenmahlzeiten mit Nüssen, Obst oder Käsewürfeln bereichern die tägliche Ernährung“, ist die Lösung, um ausreichend Flüssigkeit und Nährstoffe aufzunehmen. Vielerorts mangelt es jedoch an Verpflegungskonzepten, die Wert auf die Qualität des Essens legen und an einer entsprechenden Kontrolle der Bewohner, ob gegessen und getrunken wurde. Denn in nicht einmal 50 Prozent der Altenheime gibt es ein Ernährungsteam oder eine Ansprechperson für Ernährung, die sich um die Belange der Senioren kümmert.

„Im Alter haben die Menschen einen geringeren Energiebedarf, weil sie sich weniger bewegen und dadurch weniger verbrauchen“, weiß Dorothee Volkert. Gerade deswegen ist es so immens wichtig, dass die Altenheim-Bewohner trotz vielleicht kleiner Portionen alle wichtigen Nährstoffe zu sich nehmen – ohne den Geschmack der Speise aus den Augen zu verlieren.

Ihr Rat an alle Pfleger und Angehörigen: „Einfach mal nach dem Appetit fragen und ob das Essen schmeckt.“ * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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