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Weil rassistisch: Weihnachtskrippen sollen umgestaltet werden

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Von: Annabel Schütt

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Die Debatte über Alltags-Rassismus und Cancel Culture macht keinen Halt vor der klassischen Weihnachtsgeschichte. Jetzt im Fokus: Die „Heiligen Drei Könige“.

Die „Heiligen Drei Könige“ Caspar, Melchior und Balthasar gehören zur Weihnachtsgeschichte wie die Hirten, die Engel, der Weihnachtsstern, Josef, Maria und Jesus. Kaum nährt sich das Weihnachtsfest finden sie in zahlreichen Haushalten oder Kirchen ihren Platz in liebevoll dekorierten Krippen.

Doch kaum entbrannte eine wilde Rassismus-Diskussion um die Mohren-Apotheken in Deutschland, geraten auch die „Heiligen Drei Könige“ ins Visier zahlreicher Kritiker – insbesondere der dunkelhäutige Melchior. Der Vorwurf: Er würde eindeutig rassistische Stereotype bedienen.

Weihnachten:Fest der Geburt Jesu Christi
Festtag:25. Dezember
Heilig Abend:24 Dezember

Ist die Weihnachtskrippe rassistisch? Die „Heiligen Drei Könige“Caspar, Melchior und Balthasar in der Kritik

„Die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen“, so Ernst-Wilhelm Gohl, der Dekan der evangelischen Münstergemeinde. Aus diesem Grund hat sich Kirchengemeinde dazu entschieden, die „Heiligen Drei Könige“ wegen eben dieser rassistischen Merkmale vorsorglich aus der Weihnachtskrippe zu entfernen, wie echo24.de* berichtet.

Eine Entscheidung, die vor allem im Bistum Regensburg auf Unverständnis trifft: „Klar ist, dass die Darstellung des Königs Melchior als Mensch schwarzer Hautfarbe nichts gemein hat mit rassistischem Denken. So beraubt man mit Unterstellungen eine lange Tradition ihrer Unbefangenheit und unterwirft sie einem unangemessenen Anpassungsdruck.“

Kerzen und Krippenfiguren stehen in einer Krippe. Nahaufnahme von Melchior, dem dunkelhäutigen der „Heiligen Drei Könige“. (24hamburg.de-Montage)
Die Weihnachtskrippe mit den „Heiligen Drei Königen“ steht in der Kritik. (24hamburg.de-Montage) © Friso Gentsch/picture alliance/dpa & H. Tschanz-Hofmann/IMAGO-images

„Es zeigt, dass es inzwischen einen konsequenteren Umgang mit Rassismus gibt“, freut sich dahingegen Tahir Della, Sprecher der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“. Dass in Zeiten antirassistischen Aufklärung zahlreiche Figuren, Sprichwörter und Lebensmittel auf dem Prüfstand stehen, bewiesen nicht zuletzt die Umbenennungen zahlreicher Produkte von Bahlsen, Knorr, Nestlé & Co. sowie die von über 1000 Vogel-Arten und das Streichen des Begriffes „Schwarzfahren“.

Weihnachtsfriede in Gefahr: Theologen fordern, Kindern beim Sternsingen nicht mehr schwarz anzumalen

Doch die Rassismus-Debatte betrifft nicht nur die „Heiligen Drei Könige“ als Figuren, sondern auch beim Sternsingen. „Ist es angemessen, dass einer der Sternsinger schwarz angemalt wird?“, so Jürgen Bärsch, Prodekan der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Die Träger der Aktion Dreikönigssingen empfehlen daher, kein Kind mehr schwarz zu schminken. Allerdings heißt es auf der Homepage des Missionswerks, dass der Brauch des Sternsingens nichts mit rassistischem „Blackfacing“ zu tun habe. Stattdessen gehe er darauf zurück, dass Caspar, Melchior und Balthasar die drei Kontinente Asien, Afrika und Europa repräsentierten, wobei Melchior für Afrika stand: „Gleichwohl geht die Gleichsetzung von Hautfarbe und Herkunft heute nicht mehr auf. Wir glauben, dass der ursprüngliche Sinn der Tradition besser deutlich wird, wenn Kinder als Sternsinger so gehen, wie sie eben sind: vielfältig in ihrem Aussehen.“ * 24hamburg.de, echo24.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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