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Wegen Hungerlohn: Ganzes Laden-Team kündigt geschlossen

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Von: Ulrike Hagen

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Sämtliche Mitarbeiter eines Laden kündigen gleichzeitig und gehen, weil das Gehalt nicht zum Leben reicht. Die dramatische Notiz an der Ladentür geht viral.

Rochester/Minnesota – Der Fall erinnert an das Ereignis in einer britischen McDonalds-Filiale, in der ein ganzes Team geschlossen mitten in der Schicht kündigte, weil die Arbeitsbedingungen eine Katastrophe waren: Die Kunden der ,Apache Mall´ in Rochester erlebten in der vergangenen Woche eine ähnliche Riesen-Überraschung, als sie das ,Hot Topic´-Geschäft geschlossen vorfanden. In der Eingangstür hing eine kurze Nachricht der Mitarbeiter, die erklärten: „Fast alle Mitarbeiter haben gekündigt, weil die Firma nicht in der Lage ist, einen existenzsichernden Lohn zu zahlen“.

Bundesstaat der Vereinigten Staaten:Minnesota
Einwohner:5,64 Millionen
Größe:225.171 km²
Hauptstadt:Saint Paul
Gouverneur:Tim Walz (Demokratische Partei)

Ganzes Laden-Team kündigt gleichzeitig und geht – unter Mindestlohn bezahlt

Die dramatische Botschaft des ,Hot Topic´-Teams, in der sie erklären, dass der Shop nach einem Streik der gesamten Belegschaft geschlossen bleibt, weil sie der Lohn nicht mehr reiche, die Familie zu ernähren, hat sich im Internet schnell viral verbreitet. Der Wirtschaft geht es in den USA nicht gut – die Inflationsrate lag im Oktober bei 6,2 Prozent und damit ist die Preissteigerung so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Auch hierzulande steigen die Lebenshaltungskosten – und selbst unsere Brötchen könnte bald mehr als einen Euro kosten.

Ausgehängtes Streik-Schild im Fenster eines Ladens
„Fast alle haben gekündigt, weil die Firma Hot Topic nicht in der Lage ist, einen existenzsichernden Lohn zu zahlen“, heißt es auf dem ausgehängten Zettel. © Twitter/@srslyberserk/imago/beaveraphoto 24hamburg.de-Collage

„Wir können uns und unsere Familien nicht ernähren. Wir haben so hart gearbeitet und können das nicht länger tun.“

Aus der Abschiedsnotiz des Laden-Teams

Weil sie vom Gehalt ihre Familien nicht ernähren konnten: ganze Belegschaft kündigt Job

„Wir können uns und unsere Familien nicht ernähren. Wir haben so hart gearbeitet und können das nicht länger tun. Sie können Ihre Arbeiter nicht mit Leidenschaft bezahlen. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten“, schreibt die Belegschaft des Geschäftes für Geschenkartikel und Accessoires herzzerreißend. Das Foto des ausgehängten Zettels wurde von der Nutzerin Shanice Mxnique auf Facebook gepostet, seitdem tausende Male geteilt – und erhielt inzwischen über 62.000 Stimmen auf Reddit und über 349.000 Likes auf Twitter. 

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Dramatische Abschiedsnotiz an Ladentür löst Welle der internationalen Unterstützung aus

Obwohl das ursprüngliche Blatt mittlerweile entfernt wurde, erregt es weiter riesige Aufmerksamkeit: „Wir erhalten eine wahnsinnige Welle internationaler Unterstützung. Sie kommt aus der ganzen Welt, es ist einfach verrückt. Und wir wissen das wirklich zu schätzen, es bedeutet uns sehr viel, vor allem denjenigen von uns, die eine besonders harte Zeit hatten“, berichteten die Mitarbeiterinnen Sarah Sailors und Elle Driskell Felts gegenüber ABC 6 News.

„Die Pandemie hat uns die Augen dafür geöffnet, wie schrecklich die Bedingungen für uns sind.“

Die Beschäftigten erklärten gegenüber dem Nachrichtensender: „Hot Topic sieht von außen nach einer fortschrittlichen und gut durchdachten Karriere für Mitarbeiter aus. Die Pandemie hat uns die Augen dafür geöffnet, wie schrecklich die Bedingungen für uns sind. Für diejenigen, die darum kämpfen, Essen auf den Tisch zu bekommen, und die bis zum Umfallen arbeiten, um ein Zuhause zu haben, in das sie zurückkehren können, ist dies eine Chance, für Respekt und das Recht auf einen existenzsichernden Lohn zu kämpfen.“

Viel postive Resonanz auch bei Facebook: „Ihr wollt guten Service? Bezahlt gut!“

Die Kommentare auf Facebook sind dementsprechend solidarisch: „Mädchen, du verdienst nicht mal 1000 Dollar pro Vollzeitjob. Das ist Armut!“, schreibt etwa eine Userin. „Ihr wollt guten Service? Bezahlt gut. Gib sogar Trinkgeld. Behandle die Leute im Einzelhandel und in Fast Food-Lokalen mit Respekt statt mit Dreck. Denn eines Tages werden sie vielleicht nicht mehr dort sein, weil sie beschlossen haben, die klassenkämpferische Giftigkeit hinter sich zu lassen.“, rät ein anderer. Bleibt abzuwarten, ob in den USA ähnlich wie hierzulande auf den Inflations-Wahnsinn reagiert wird, wo inzwischen diskutiert wird, ob die Deutschen jetzt mehr Lohn* bekommen. * 24hamburg.de , fr.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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