1. 24hamburg
  2. Niedersachsen

Wahllokal lässt mehrere Frauen mit Kopftuch nicht wählen

Erstellt:

Von: Ulrike Hagen

Kommentare

Bundestagswahl 2021: Wahllokal verbietet Frauen mit Kopftuch und Maske, ihre Stimme abzugeben. Erst nachdem sie die Wahlleitung kontaktieren, dürfen sie wählen.

Bergheim – Wahlhelfer im nordrheinwestfälischen Bergheim haben bei der Bundestagswahl 2021 mehreren Frau mit Kopftuch der Zutritt zum Wahllokal verweigert. Erst nachdem die Frauen sich bei der Wahlleitung beschwerten und diese sich einschaltete, durften die Frauen ihre Stimme abgeben. Die Stadt hat sich inzwischen entschuldigt.

Parlamentswahl:Bundestagswahl 2021
Datum:26. September 2021
Wahlbeteiligung:76,6 %
Wahlkreise:299
Teilnehmende Parteien:47

Wahlhelfer: Kein Wahlschein für „verhüllte“ Frauen mit Kopftuch

Als eine 21-Jährige am Wahlsonntag das Wahllokal in der Astrid-Lindgren-Grundschule betreten wollte, wurde ihr der Zugang verwehrt. „Am Eingang sagte man mir, dass ich mein Kopftuch absetzen müsse“, berichtet die „taz“. Begründung: Eine Wahl sei verhüllt nicht erlaubt., lautete die Begründung. Der Vorfall stützt das Ergebnis jüngster Rassismus-Studien, nach denen Frauen mit Kopftuch „systematisch anders behandelt“ werden.

Frau mit schwarzem Kopftuch und Kinderwagen läuft an einem Wahlplakat der Partei Buendnis 90 Die Gruenen vorbei.
Keine Wahl mit Kopftuch: In Bergheim bei Köln verbieten Wahlhelfer einer Frau, ihre Stimme abzugeben. (Symbolbild) ©  IPON/Imago

Zurückweisung wurde mit einem neuen Gesetz begründet

Kurios: Die Zurückweisung der Frauen im Wahllokal wurde mit einem neuen Gesetz begründet, das im Internet nachzulesen sei. Die Frauen recherchierten und fanden natürlich: nichts. Denn im Gegensatz zum Urteil, nach dem Arbeitgeber das Kopftuch-Tragen in der Firma verbieten dürfen und das nach einer Klage gegen das Kopftuchverbot bei der Drogeriemarktkette Müller auf europäischer Ebene eingeschränkt wurde, existiert so ein Gesetz nicht. Auf weitere Nachfrage sagte man den Frauen, sie mögen sich an die Stadt wenden. Das taten die Frauen. Und erst als sich das Wahlbüro Bergheim einschaltete, händigt man ihnen endlich die Wahlscheine aus.

Alle News aus Hamburg und der Welt gibt es täglich um 8:30 Uhr mit dem Newsletter von 24hamburg.de – eine Anmeldung ist kostenlos und eine Abmeldung jederzeit unkompliziert möglich.

Aufnahme zeigt patzige Reaktion der Wahlhelfer: „Das geht sie doch gar nichts an“

Als die junge Frau anschließend nachfragt, wie viele Frauen mit Kopftuch bereits abgewiesen wurden, antwortet der Wahlhelfer schroff: „Das werde ich Ihnen jetzt hier nicht erzählen. Das geht Sie doch gar nichts an.“ Die Aufnahmen von der Reaktion des Mannes ist in einem Clip zu hören, den die Frau auf ihrem Instagram-Kanal. postete. Das Video wurde inzwischen über 284.000mal aufgerufen. Verständlich, dass die Betroffene die Angelegenheit öffentlich macht. Denn sie ist kein Einzelfall. Auch bei der Wohnungssuche werden Bewerberinnen mit Kopftuch in diskriminiert. Und Studien zeigen, dass Bewerbungen von Frauen mit Kopftuch und türkischem Namen deutlich geringere Chancen haben.

Instagram -Posting. Frau mit Kopftuch darf zur Bundestagswahl 2021 nicht wählen
Keine Wahl mit Kopftuch. Eine Betroffene postete den Vorfall auf ihrem Instagram-Kanal. © Instagram/nahari

Entschuldigung der Stadt Bergheim: „Peinlicher Vorfall“

Inzwischen hat die Stadt sich in einer Pressemitteilung zu dem Fall geäußert: „Bei der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag kam es im Wahllokal 6, Astrid-Lindgren-Schule in Bergheim- Kenten zu einem bedauerlichen Vorfall, bei dem einer Wählerin mit Kopftuch und Mundschutz von einer Wahlhelferin zunächst das Wahlrecht unter Hinweis auf das Verhüllungsverbot verwehrt wurde“ heißt es dort. „Für diesen peinlichen Vorfall hat sich die Stadtverwaltung Bergheim, auch im Namen des Wahlvorstandes und der betreffenden Wahlhelferin bei der Frau schriftlich entschuldigt.“

„Kein irgendwie gearteter ausländerfeindlicher Hintergrund“ – Bürgermeister lädt die Frau ein

Der Bürgermeister der Kreisstadt, Volker Mießeler, hat nun telefonischen Kontakt zu der jungen Frau aufgenommen und sie ins Rathaus eingeladen. Er sagt: „An dieser außerordentlichen Fehleinschätzung gibt es nichts schön zu reden, so etwas darf einfach nicht passieren. Daher ist es mir wichtig, den Sachverhalt in einem persönlichen Gespräch mit der Betroffenen nochmals lückenlos aufzuklären, sodass keine Fragen mehr nach einem irgendwie gearteten ausländerfeindlichen Hintergrund offen sind.“
* 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare