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Von Lena zu Leon – wie es ist, trans* zu sein

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Von: Maria Sandig

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Unsere Welt wird immer bunter. So trauen sich auch immer mehr Menschen, so zu leben, wie sie es wollen. Leon ist einer davon, er hat sich vor sechs Jahren als trans* geoutet.

Leipzig – Eigentlich wusste er es schon immer, er war nie ein Mädchen und auch keine Frau. Vor sechs Jahren nahm Leon Eick aus Leipzig all seinen Mut zusammen und outete sich als Transgender.

„Prinzipiell war ich schon von Anfang an so ein kleiner Junge. Es ging schon damit los, dass ich im Kindergarten nur mit Jungs gespielt habe. Ich habe mich regelmäßig mit meinen Kumpels auf dem Bolzplatz getroffen und Fußball gespielt. Ich war schon immer der kleine Wildfang, der in den Bäumen rumgeklettert ist – der kleine Junge halt“, sagt Leon rückblickend.

Zahlreiche Demonstranten und Demonstrantinnen ziehen während des Christopher Street Day 2021 durch Oldenburg.
Zahlreiche Demonstranten und Demonstrantinnen ziehen während des Christopher Street Day 2021 durch Oldenburg. © Mohssen Assanimoghaddam/ dpa

Von Lena zu Leon: „Nicht der Körper, den ich eigentlich will“

Leon ist vierzehn Jahre alt, als er merkt, dass ihn etwas von anderen Mädchen unterscheidet. Er ist unzufrieden mit sich, mit seinem damaligen weiblichen Körper. Während die Jungen in seiner Klasse in den Stimmbruch kommen und die Körperbehaarung dichter wird, bekommt er Brüste. „Mit Beginn der Pubertät habe ich gemerkt: Das ist nicht der Körper, den dich eigentlich will“, erinnert er sich.

Jeder Mensch hat bekanntlich ein Päckchen mit sich zu tragen. Leon nimmt sein Päckchen mit auf eine lange Reise, die erst im Alter von 26 endet. Bis dahin ist er die etwas maskuline Lena, die auf Frauen steht. 

Für mich war es die richtige Entscheidung.

Leon Eick, 32 Jahre

„Es fing damit an, dass mir eine Bekannte das Buch ‚Blaue Augen bleiben blau‘ von Balian Buschbaum ausgeliehen hat. Vielleicht hat sie gemerkt, dass ich nicht das bin, was ich vorgebe zu sein“, sagt Leon. Das Buch beschäftigt sich autobiografisch damit, wie er die Entwicklung von der Frau zum Mann durchmacht. „Es ist schon interessant, wenn man das für sich realisiert und merkt: Mensch eigentlich will ich genau diesen Weg auch gehen.“

Mittlerweile ist Leon vollständig operiert und fühlt sich wohler als je zuvor. Psychotherapie, medizinische Eingriffe und das Outing waren große Hürden in seinem Leben, die der junge Mann bewältigen musste. : „Für mich war es die richtige Entscheidung“, sagt er.

Hinweis über Zahl der trans* Menschen in Deutschland geben Namens- und Personenstandsänderungen

Die Anzahl von trans* Menschen in Deutschland lässt sich nicht genau beziffern. Eine Annäherung aber ermöglichen Angaben aus den Amtsgerichten sowie Zahlen zu Operationen. Diese Zahl ist aufgrund der uneinheitlichen trans* Definitionen und fehlender Zählungen schwer zu bestimmen.

Einen Hinweis geben die Verfahren zur Namens- und Personenstandsänderung, die Menschen nach dem Transsexuellengesetz bei den Amtsgerichten anstoßen: Im Jahr 2020 ließen 2687 Personen ihre Daten ändern. Mit Blick auf die jährlichen Geburten, rund 773.100 im Jahr 2020, entspricht das etwa 0,35 Prozent der Bevölkerung. 

Zahlen zu trans* Menschen in Deutschland

Namens- und Personenstandsänderungen (2020)2687 Personen
geschlechtsangleichenden Operationen (2020)2155 Personen
davon trans* Frauen1462 Personen
davon trans* Männer693 Personen

Laut Statistischem Bundesamt haben sich 2020 außerdem 2155 Personen einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen – 1462 davon waren trans* Frauen und 693 trans* Männer. Diese Zahlen geben laut Deutscher Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti) allerdings kein vollständiges Bild wieder.

Die Anzahl derer, die trans* sind, liegt demnach höher. Angelehnt an repräsentative Befragungen in den USA geht die dgti von mindestens 0,6 Prozent Bevölkerungsanteil in Deutschland aus. 

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