Hinweise „oberflächlich“ geprüft

Missbrauchsfall Lügde: Ex-Landrat wirft Behörden massives Versagen vor

Im Fall des hundertfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde greift der ehemalige Landrat von Hameln-Pyrmont Polizei und Jugendamt an. Er gibt außerdem schwere Fehler zu.

Detmold - Die beiden Angeklagten im Lügde-Missbrauchsprozess waren 2019 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu Haftstrafen von 13 und zwölf Jahren mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Nun hat der ehemalige Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, den Behörden Versagen vorgeworfen und schwere Fehler zugegeben.

Stadt:Lügde
Bundesland:Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk:Detmold
Kreis:Lippe
Einwohner:9390 (31. Dez. 2019)

In Lügde hatten die beiden Täter auf einem Campingplatz über Jahre hinweg und in mehreren hundert Fällen insgesamt 32 Kinder schwer sexuell missbraucht. Einige Opfer sollen zur Tatzeit noch im Kindergartenalter gewesen sein. Die meisten Taten sollen die Männer auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben.

Missbrauchsfall Lügde: Laut Ex-Landrat wäre es möglich gewesen, die Kinder besser zu schützen

Tjark Bartels sehe ein Versagen beim Kreisjugendamt in Hameln, werfe aber auch der Polizei und dem Jugendamt im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe Versäumnisse vor, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ am Mittwoch berichtet. Dabei berief sich die Zeitung auf die schriftliche Aussage des früheren Landrats und SPD-Politikers vor dem Lügde-Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags.

In einem Schreiben wirft der ehemalige Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont den Behörden Versagen vor.

Dem Schreiben zufolge habe es im Jugendamt Hameln-Pyrmont und an verschiedenen anderen Stellen durch korrekte und angemessene Bearbeitung der eingehenden Hinweise durchaus die Möglichkeit gegeben, das Pflegekind und die anderen betroffenen Kinder besser zu schützen. Bartels kritisierte eine „oberflächliche und falsche Prüfung“ der Hinweise. Zudem warf er auch der Polizei und dem Jugendamt in Lippe vor, trotz aller Hinweise zu keinem Zeitpunkt eingeschritten zu sein. Es sei für ihn schwer vorstellbar, dass niemand je etwas bemerkt habe.

Der „Untersuchungssausschuss Kindesmissbrauch“ des nordrhein-westfälischen Landtags versucht seit dem Sommer 2019 aufzuklären, wie es zu dem hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im lippischen Lügde kommen konnte, ohne dass Behörden auf die kriminellen Vorgänge aufmerksam wurden. Erst in der vergangenen Woche sagte der amtierende Landrat des Kreise Höxter sowie sein Vorgänger vor dem Ausschuss aus. Mit Material der dpa.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich / picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare