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Ukraine-Krieg: Hannover errichtet Zeltstadt für 1152 Flüchtlinge

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Von: Fabian Raddatz

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Aufbau Notunterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine
Voneinander abgetrennte Zeltdörfer für die Geflüchteten stehen in der Halle 27 der Messe © Lino Mirgeler/dpa

Die Stadt Hannover bereitet sich auf die Aufnahme von Menschen aus der Ukraine vor, die vor dem Krieg in ihrem Heimatland flüchten.

Hannover – Zahlreiche Helfer haben in den Messehallen in Hannover eine Zeltstadt errichtet, die für bis zu 1152 Menschen Platz bieten soll. Unklar ist, wann die Menschen eintreffen sollen. Doch die Stadt will vorbereitet sein, denn man geht fest davon aus, dass sie kommen werden.

Unterteilt ist die Zeltstadt in 36 Dörfer. Dazu gehören jeweils vier Zelte mit Schlafplätzen sowie ein Gemeinschaftsbereich mit Spingen, Stühlen und Tischen. So sollen die Menschen etwas Privatssphäre erhalten. Da vor allem Frauen und Kinder erwartet werden, sollen in der Messerhalle auch Spielflächen errichtet werden.

Ukraine-Krieg: Hannover errichtet Zeltstadt für 1152 Flüchtlinge – „alles tun, was möglich ist“

Zudem stehen an einer Seite der 32.000 Quadratmeter großen Halle Trockner und Waschmaschinen. Dusch- und Toilettencontainer sind an der Nordseite aufgebaut. An der Zeltstadt hätten rund 260 Helfer der Berufsfeuerwehr und Ehrenamtlichen von Freiwilligen Feuerwehren 48 Stunden gebaut. Betrieben werden soll sie dann vom Deutschen Roten Kreuz.

„Die Landeshauptstadt wird alles tun, was ihr möglich ist, um den Menschen, die vor dem Krieg fliegen, umfassend zu helfen“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay am Sonntag. „Die ganze Stadt zeigt Haltung.“ Er dankte für das große zivilgesellschaftliche Engagement, berichtet der NDR. An den Hilfsangeboten für die Geflüchteten hätten sich viele Institutionen beteiligt.

Belit Onay, Oberbürgermeister der Stadt Hannover
„Die ganze Stadt zeigt Haltung“: Belit Onay, Oberbürgermeister der Stadt Hannover, am Sonntag vor Pressevertretern. © Lino Mirgeler/dpa

In Hannover und Niedersachsen sind bereits erste Geflüchtete aus der Ukraine eingetroffen. Auch die Landkreise in Niedersachsen bereiten sich auf Flüchtlinge vor. Bereits über 1,5 Millionen Menschen fliehen vor Wladimir Putin. In Hannover rechne man damit, dass die Zahl der Geflüchteten stiegen werde. Aktuell sind 200 Geflüchtete in der Stadt.

Auch der Landkreis Rotenburg ist auf die Ankunft der Ukraine-Flüchtlinge vorbereitet. Wer sich fragt, wie man Flüchtlingen eine private Unterkunft bieten kann – so geht es.

Menschen fliehen aus der Ukraine: Bundeskanzler Olaf Scholz lobt europäische Solidarität

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lobte am Sonntag nach einem Gespräch mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die europäische Solidarität mit den Ukrainern. „Es ist gut und eben nicht selbstverständlich, dass alle EU-Staaten gemeinsam, schnell und unbürokratisch Kinder, Frauen und Männer aufnehmen“, erklärte Scholz via Twitter. Es sei klar, dass Europa zusammenhalte. „Wir helfen gemeinsam denjenigen, die vor dem Krieg Zuflucht suchen. Und wir halten zusammen.“

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums registrierte die Bundespolizei bis Sonntag deutschlandweit bereits 37.786 Geflüchtete aus der Ukraine – und damit fast 10.000 mehr als am Vortag. Ein Sprecher des Ministeriums wies aber darauf hin, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher sein könnte, da die Daten der Bundespolizei nur einen Teil abbilden würden.

1,5 Millionen auf der Flucht: Berlin stößt an Grenzen

Nach Einschätzung des Migrationsforschers Herbert Brücker könnte die Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine bereits kommende Woche größer sein als die Fluchtbewegung in den Jahren 2015/16. „Im Laufe der kommenden Woche werden wir, sofern die dramatische Entwicklung anhält, die Schwelle von 2,4 Millionen Geflüchteten, also den gesamten Umfang der Fluchtmigration der Jahre 2015 und 2016 in die EU, übertreffen“, sagte Brücker der „Rheinischen Post“. „Noch nie sind seit den großen Vertreibungen am Ende des Zweiten Weltkriegs in so kurzer Zeit so viele Menschen geflohen.“

Diese Entwicklung bekommt auch Berlin direkt zu spüren. Laut Bürgermeisterin Giffey stößt die Hauptstadt als Hauptanlaufstelle der Geflüchteten aus der Ukraine in Deutschland bereits jetzt an ihre Grenzen. „Wir haben binnen einer Woche ein extrem dynamisches Geschehen: Am Anfang waren es 45 Menschen, die wir untergebracht haben, mittlerweile kommen über 10 000 am Tag“, sagte die SPD-Politikerin am Sonntag im ZDF. Einerseits würden Ankunftszentren, Geflüchteten-Unterkünfte, Hostels, Jugendherbergen genutzt, anderseits gebe es ein großes privates Engagement. „Wir kommen zunehmend an unsere Grenzen.“ Es müsse jetzt dringend eine bundesweite Organisation und Verteilung der Geflüchteten geben.

Geflüchtete aus der Ukraine sollen auf Bundesländer verteilt werden

Die Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales teilte via Twitter mit, dass Flüchtlinge aus der Ukraine seit Sonntag mit Bussen vom Berliner Hauptbahnhof aus in andere Bundesländer gebracht würden. 13 Bundesländer würden angesteuert, Bayern und Hamburg seien ausgenommen. Das Bundesinnenministerium erklärte auf dpa-Anfrage, dass alle Bundesländer an der Verteilung der Kriegsflüchtlinge beteiligt seien – auch Hamburg und Bayern. Wegen parallel ankommender Züge seien dorthin aber am Wochenende keine zusätzlichen Busse geschickt worden. (Mit dpa-Material) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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