Experiment geglückt

Vier-Tage-Woche in Island: „Überwältigender Erfolg“

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Im Zuge eines Experiments arbeiteten isländische Angestellte nur vier Tage in der Woche. Das Fazit: Die 4-Tage-Woche sei ein „überwältigender Erfolg“.

Statt fünf Tage die Woche, nur noch an vier Tagen arbeiten, ohne dass Leistung und Produktivität abfällt – ist das überhaupt möglich? Der Inselstaat Island, der zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen* zählt, wagte den Versuch. Zwischen 2015 und 2019 durften 2500 Arbeitnehmer einen Tag die Woche weniger arbeiten. Zwei Jahre später haben Forscher die Ergebnisse nun präsentiert. Die Bilanz spricht Bände: Es ist die Rede von einem „überwältigenden Erfolg“, der jetzt vielleicht auch in anderen Ländern Schule machen könnte.

Land: Island
Hauptstadt:Reykjavík
Bevölkerung:356.991 (2019)
Währung:Isländische Krone

„Wichtige Lehren“: 4-Tage-Woche-Experiment in Island war ein voller Erfolg

Es war der größte Testversuch weltweit: Etwa ein Prozent der isländischen Bevölkerung arbeitete zwei Jahre lang nur noch 35 Stunden die Woche. Ist eine 40-Stunden-Woche nicht mehr zeitgemäß? Der isländische Verband für nachhaltige Demokratie ging der Frage auf den Grund. In Zusammenarbeit mit dem britischen Think-Tank Autonomy erforschten sie die Experiment-Ergebnisse. Das Resultat: Der Testversuch sei ein „überwältigender Erfolg“ gewesen, der „wichtige Lehren“ für Arbeitnehmer und Unternehmen offenbart.

Vermeintliche Sorgen wusste der isländische Versuch im Keim zu ersticken. Die große Angst vor abfallender Produktivität sollte sich nicht bewahrheiten. Im Gegenteil. Das Experiment zeigt: Eine Vier-Tage-Woche hat sowohl für die Arbeitnehmer als auch für das jeweilige Unternehmen Vorteile: Die Wirtschaft konnte profitieren und Arbeiter berichteten im Zuge des Experiments von einer besseren Work-Life-Balance, die laut einer Umfrage bezüglich des besten Arbeitgebers in Deutschland* eine große Rolle spielt.

4-Tage-Woche: Viele Vorteile für Arbeitnehmer und Unternehmen

Durch die minimierten Arbeitszeiten hätten sich viele Menschen ausgeglichener gefühlt. Das Wohlbefinden hätte sich deutlich verbessert und auch das Burnout-Risiko zulasten Körper und Seele* ging erheblich zurück. Der wesentliche Grund liegt auf der Hand, war nun deutlich mehr Zeit für Familie, Hobbys und ehrenamtliche Aktivitäten vorhanden. Auch den Beziehungen hätte die Veränderung gutgetan. Dem Ergebnisbericht zufolge hätten Männer in heterosexuellen Beziehungen mehr Aufgaben übernommen als zuvor.

Experiment in Island: Sowohl Arbeiternehmer als auch Unternehmen würde von 4-Tage-Woche profitieren.(Symbolbild)

Für die Wirtschaft hatte das Experiment derweil kaum einen negativen Einfluss. Die Produktivität blieb auf einem guten Niveau oder übertraf sogar erhoffte Prognosen. Weniger Stress und mehr Freizeit ließen die Angestellten besser auf die Arbeit konzentrieren. Im Zuge dessen wurden Meetings auf das Wesentliche verkürzt und unnötige Kaffeepause entfielen.

„Es gibt keinen Weg zurück“ – Island-Experiment als Vorbild für andere Länder?

Das Resümee des Experiments hätte kaum positiver ausfallen können. „Eine kürzere Arbeitswoche ist die Zukunft, es gibt keinen Weg zurück“, fasst ein Teilnehmender seinen Eindruck zusammen. Mittlerweile freut sich ein Großteil der Arbeitnehmer auf die Erkenntnisse, die das Experiment gebracht hatte. Rund 86 Prozent der isländischen Angestellten haben nun die Möglichkeit auf eine Vier-Tage-Woche zurückzugreifen.

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie* wäre es nicht unwahrscheinlich, wenn sie ihre Arbeit von zu Hause aus leisten würden. Auch in Nord-Deutschland, wo aktuell die Delta-Variante um sich greift*, halten viele Unternehmen auch nach Ablauf der Home-Office-Pflicht an dem Modell fest. So etwa in Hamburg, wo Firmen wie Otto, Beiersdorf oder Haspa* ihre eigene Strategie gefunden, wie sie mit dem Homeoffice-Ende umgehen.

Auch andere Länder wie Spanien oder Japan legten bereits Ansätze vor, um ebenfalls eine Veränderung der Arbeitsgewohnheiten anzustreben. Vereinzelte Firmen starteten sogar bereits in die Testphase. „Die kürzere Arbeitswoche in Island zeigt uns, dass es in modernen Zeiten nicht nur möglich ist, kürzer zu arbeiten, sondern dass auch Veränderung möglich ist“, bewerte der isländische Verband das Experiment. Stellt sich für viele Arbeitnehmer in Deutschland nur die Frage, wann es hierzulande so weit sein könnte. *24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ANP

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