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Tornado-Gefahr in Norddeutschland: „Sie werden heftiger“ 

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Von: Fabian Raddatz

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Ein großer Tornado fegt über Felder in Nebraska, USA
Ein mächtiger Tornado fegt über Felder in den USA. Stürme von solcher Größe sind auch in Deutschland möglich. © Robert Postma/imago

Ein Tornado wütet in Ostfriesland, eine riesige Wasserhose fegt entlang der Ostseeküste. Beides innerhalb von wenigen Tage. Wie gefährlich sind Tornados bei uns?

Hannover – Sie sind Gebilde purer Zerstörung, können auf ihrem Weg alles vernichten, was ihnen in den Weg kommt: Tornados. Längst ist die Naturgewalt nicht nur ein Phänomen, wie man es aus Filmen oder den USA kennt. Die Wirbelstürme sind längst in Deutschland angekommen.

Und sie können großen Schaden anrichten – wie der Tornado in Ostfriesland, der am Montagabend, 16. August 2021, wütete. In der Gemeinde Großheide (Landkreis Aurich) entwurzelte der Wirbelsturm Bäume, riss Dächer weg und schmiss Fahrzeuge um. 50 Häuser wurden verwüstet. Ein Video zeigt den Wirbelsturm.

Wetterphänomen:Tornados
Größe:Bis über 1 Kilometer Durchmesser
Windgeschwindigkeit:Bis zu 510 Kilometern pro Stunde
Verbreitung:Überall da, wo es Gewitter gibt

Mehr Glück hatten die Bewohner von Damp (Schleswig-Holstein): Auf Facebook dokumentierte die Seite Wetterwarnungen Norddeutschland eine gewaltige Wasserhose, die am Sonntagabend, 15. August 2021, über die Ostsee zog. Und dort blieb sie glücklicherweise auch, bis sie sich auflöste.

Wetter-Experte klärt auf: So hoch ist die Tornado-Gefahr in Norddeutschland

Zwei gewaltige Unwetter innerhalb weniger Tage. Müssen wir uns in Norddeutschland künftig vermehrt auf Tornados einstellen? Wie hoch ist die Gefahr? Kreiszeitung.de sprach darüber mit Andreas Friedrich, Tornado-Beauftragter des Deutschen Wetterdienstes.

„Wir haben in Deutschland glücklicherweise keine Tornado-Alley wie in den USA“, sagt der Wetterexperte – und meint damit einen Bereich im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, der für seine hohe Tornado-Wahrscheinlichkeit bekannt ist. Friedrich: „Die Chance für Tornados ist in Norddeutschland nicht höher, als im restlichen Deutschland.“

Tornados wüten in Norddeutschland: „Sie werden heftiger“

20 bis 60 Tornados misst der Deutsche Wetterdienst jedes Jahr. „Die Dunkelziffer liegt aber weitaus höher“, so Friedrich. Der Grund dafür, dass die Berichte über Tornados in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen haben, liegt laut dem Sturm-Experten an der gestiegenen Zahl sogenannter „Sturmjäger“ – den Menschen, die den Unwettern hinterherfahren und sie dokumentieren.

Tornados seien kein neues Phänomen, es habe sie schon immer gegeben. Und auch der Klimawandel wird nicht für mehr Wirbelstürme sorgen – im Gegenteil: „Es wird sogar so sein, dass mit dem Klimawandel die Anzahl an Tornados abnehmen wird, denn durch die langanhaltenden Düre-Perioden, die kommen werden, können keine Tornados entstehen.“ Wirbelstürme bräuchten sehr feuchtwarme Luft in Bodennähe, die sich dann mit trockenkalter Luft in der Höhe übereinander schichtet.

Doch, so Friedrich: „Die Tornados, die wir dann haben, werden heftiger sein.“ Der Tornado, der in Ostfriesland wütete, sei ein Sturm der Kategorie F2 auf der sogenannten Fujita-Skala gewesen, die Wirbelstürme je nach Stärke und Schadenspotential klassifiziert. Ein F2 kann mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 253 Stundenkilometern wüten. Auch in Ostfriesland schmiss der Tornado ohne Mühe ein Wohnmobil um. Erst Ende Juni flutete eine schweres Unwetter ein halbes Dorf in der Region.

Tornados in Norddeutschland: So verhalten Sie sich richtig

Stürme der Kategorie F5 gehören zu den Schlimmsten, sie sorgen vor allem in den USA für massive Zerstörung und Tote. Windgeschwindigkeiten von bis zu 512 Stundenkilometern schälen selbst Asphalt von der Straße. Auch in Deutschland sind sie möglich, sagt Friedrich. Und sie kamen auch schon vor: So soll ein F5-Tornado in Mecklenburg im Jahr 1764 eine Spurlänge von etwa 30 Kilometern gehabt haben. Bei solchen Monster-Stürmen bleibt den Menschen nicht viel übrig, als sich an einem sicheren Ort zu verschanzen und das Beste zu hoffen.

Viele sind rausgerannt und haben Videos gemacht. Das ist lebensgefährlich!

Tornado-Experte Andreas Friedrich über das Unwetter in Ostfriesland

Bei dem Tornado in Ostfriesland hätten sich viele Menschen falsch verhalten, sagt Experte Friedrich. „Viele sind rausgerannt und haben Videos gemacht. Das ist lebensgefährlich!“ Die größte Gefahr bei Tornados gehe von den umherfliegenden Trümmerteilen aus. Auch Autofahrer sollten aufpassen. F3s können diese schon durch die Luft wirbeln.

Meteorologe Friedrich rät: „Das Beste ist: sich, wenn möglich, von dem Tornado fernhalten. In den Keller gehen und nicht an Fenstern stehen. Das Glas kann zersplittern.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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