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Tödlicher Reitunfall sorgt für Kritik – folgen politische Konsequenzen?

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Von: Anika Zuschke

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Das Auto erfasste die Reiterin samt Pferd und schleuderte beide durch die Luft
Das Auto erfasste die Reiterin samt Pferd und schleuderte beide durch die Luft © Blaulicht-News.de

Der tödliche Unfall zwischen einer Reiterin und einem Pkw bei Eyendorf sorgte über Landkreis-Grenzen hinweg für Aufruhr. Werden daraus Konsequenzen gezogen?

Eyendorf – Kürzlich ereignete sich in der Nähe von Eyendorf im Landkreis Harburg ein tragischer Unfall zwischen einer Reiterin und einem Pkw, bei dem Pferd sowie Reiterin tödlich verunglückten. Erkenntnissen der Polizei zufolge habe sich die 61-jährige Reiterin zum Zeitpunkt des Unfalls regulär am rechten Fahrbahnrand fortbewegt – gemäß der Straßenverkehrsordnung.

Der Autofahrer sei laut Polizei hingegen unaufmerksam gewesen und habe die Reiterin zu spät bemerkt. Wie aus Polizeikreisen bekannt ist, haben Reitvereine im Landkreis bereits vor dem Unfall bemängelt, dass auf der Strecke Warnschilder für Autofahrer fehlen – welche Konsequenzen werden nun aus dem Unfall gezogen?

Tödlicher Reitunfall in Eyendorf – „Hätte womöglich verhindert werden können“

Aktuell liegt der Fall aus Eyendorf der Staatsanwaltschaft vor. Die Polizei hat ihre Ermittlungen abgeschlossen, da es keine neuen Erkenntnisse gab. Doch für viele Menschen aus dem Landkreis ist der Unfall damit keineswegs abgehakt. „Der tödliche Unfall hätte womöglich verhindert werden können“, sagte Joachim Bartels, Grüner im Eyendorfer Gemeinderat und im Salzhäuser Samtgemeinderat, im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.

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„Mehrfach wurden vor dem Eyendorfer Ortseingang ein Tempo-70-Schild und dann eine Reduzierung auf 50 Kilometer pro Stunde mit dem Hinweis ‚Vorsicht Reiterhof‘ gefordert“, fuhr Bartels fort – doch sei nichts passiert. Auf Anfrage von 24hamburg.de konnte die Polizei bestätigen, dass es auf der Straße keine Warnschilder für Reiter und andere Verkehrsteilnehmer gebe. Dabei kursieren zahlreiche Gerüchte, die besagen, dass es bereits zu vielen Beinaheunfällen auf der Strecke gekommen ist.

Landesbeauftragte für Tierschutz Niedersachsen fordert Verkehrsschild und Tempolimit

Auch der Landesbeauftragten für den Tierschutz des Landes Niedersachsen, Michaela Dämmrich, zufolge sollten an Stellen, wo sich die Nutzung der Straße für Reiter nicht vermeiden lässt und wo diese häufiger anzutreffen sind, mit einem Verkehrsschild „Vorsicht Reiter“ auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden sowie die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 50 Kilometer pro Stunde gesenkt werden. Das äußerte Dämmrich auf Anfrage von 24hamburg.de.

„Gibt es neben der Straße einen Radweg oder Fußweg, sollte, wenn es keine Ausweichmöglichkeit gibt und die Straße ein Stück benutzt werden muss, [...] im Einzelfall Reiter:innen die Nutzung des Radweges oder Fußweges im Schritt erlaubt werden“, fuhr die Landesbeauftragte für Tierschutz fort. Des Weiteren sei es hilfreich, reflektierende Kleidung als Reiter:in zu tragen und gegebenenfalls einen Helm mit Rücklicht.

Ihrer Meinung nach sollte auf den Straßen aber generell nicht geritten werden, „sondern der Ausritt so geplant werden, dass Feldwege genutzt werden“.

Kritik nach Reitunfall in Eyendorf wird laut: Warnschilder fehlen – doch Konsequenzen bleiben aktuell aus

Abgesehen davon, dass Warnschilder fehlen, gibt es aktuell auf der betroffenen Strecke aber auch keinen Fuß-, Reit- oder Radweg, auf den die Reiterin hätte ausweichen können. Wird sich daran in Zukunft etwas ändern?

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Für den Landkreis Harburg sei es derzeit noch zu früh, um die Ursachen, die zu dem tragischen Unfall führten, seriös zu beurteilen, heißt es auf Anfrage von 24hamburg.de. Dafür warte der Landkreis die abschließenden Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen ab. „Anschließend wird es einen Ortstermin geben, auf dem wir gemeinsam mit der Polizei, Vertretern der Gemeinde und Samtgemeinde sowie gegebenenfalls ortskundigen Bürgerinnen und Bürgern beraten und prüfen, welche Möglichkeiten zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sinnvoll und machbar sind“, heißt es weiter aus dem Büro des Landrats Rainer Rempe.

Dieser befinde sich aktuell in einem länger geplanten Auslandsurlaub und konnte sich aus dem Grund nicht persönlich zu der Thematik äußern.

Stelle von tödlichem Reitunfall in Eyendorf ist bislang „nicht polizeilich als Unfallschwerpunkt oder Gefahrenstelle definiert worden“

Bisher sei die jetzige Unfallstelle aber dem Landkreis Harburg zufolge nicht polizeilich als Unfallschwerpunkt oder Gefahrenstelle definiert worden. Auch offizielle Anträge zur Einrichtung einer Tempobeschränkung auf dem Abschnitt der Straße seien ihnen aus den letzten Jahren nicht bekannt. Wann und ob überhaupt politische Konsequenzen aus dem tragischen Unfall gezogen werden, steht demnach noch nicht fest.

Verhalten von Autofahrern bei der Begegnung mit einem Pferd – langsam fahren und Abstand halten

Doch wie können solche Unfälle dann in Zukunft verhindert werden? „Indem der Kraftfahrzeugfahrer die nach § 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) vorgeschriebene gegenseitige Rücksichtnahme einhält und seine Geschwindigkeit nach § 3 der StVO anpasst, weil auch ein Reiter mit seinem Pferd ein Verkehrsteilnehmer ist“, erklärt der Landestierschutzverband Niedersachsen auf Anfrage von 24hamburg.de.

Autofahrer müssten demnach bei einer Begegnung mit einem Pferd ihre Geschwindigkeit reduzieren und langsam heranfahren. Außerdem dürften diese nicht hupen und müssten langsam und mit großem Abstand vorbeifahren. Erst nach dem Passieren dürfe laut dem Landestierschutzverband Niedersachsen langsam wieder beschleunigt werden. (Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde am 9. November 2022, 9:30 Uhr aktualisiert.)

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