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Tödliche Schüsse an Ampelkreuzung in Hannover: Zehn Jahre Haft für Angeklagten

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Von: Anika Zuschke

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Der Angeklagte sitzt im Verhandlungssaal im Landgericht Hannover.
33-Jähriger nach tödlichen Schüssen an einer Ampelkreuzung in Hannover zu zehn Jahren Haft verurteilt. © Ole Spata/dpa

Vor knapp einem Jahr fielen an einer Ampelkreuzung in Hannover tödliche Schüsse. Der 33-jährige Angeklagte wurde nun zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Hannover – Wegen tödlicher Schüsse in der Innenstadt von Hannover ist ein 33-Jähriger zu zehn Jahren verurteilt worden. Am 3. Juni 2021 waren gegen Mittag an einer belebten Ampelkreuzung in Hannover mehrere Schüsse gefallen. Vorausgegangen war ein Streit zwischen den Insassen zweier Autos, indem einer der Männer aus seinem Wagen Schüsse auf den Fahrer sowie den Beifahrer des anderen Autos abfeuerte. Der 30-jährige Fahrer wurde dabei tödlich verletzt. Fast ein Jahr später wurde der 33-jährige Schütze nun am Mittwoch, dem 25. Mai 2022, verurteilt.

Schüsse an Ampel in Hannover: Zehn Jahre Freiheitsstrafe für den Angeklagten

Der Angeklagte sei des Totschlags und des versuchten Totschlags schuldig gesprochen worden, erklärte eine Sprecherin des Landgerichts Hannover am Mittwoch laut Deutscher Presse-Agentur (dpa). Denn nach Überzeugung des Gerichts zielte der 33-Jährige bewusst auf die beiden Männer. Das Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig.

Die Verteidigung des Angeklagten hatte zuvor in dem Prozess auf Freispruch plädiert, weil es sich nach ihrer Einschätzung um eine Notwehr-Situation gehandelt habe, berichtet dpa. Anwälte des Schützen halten ihn wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung infolge von Kindheitserlebnissen im Kosovo-Krieg außerdem für vermindert schuldfähig. Doch die Richter sahen es laut NDR.de als erwiesen an, dass der Angeklagte nicht aus Notwehr gehandelt habe. Die Verteidiger kündigten nun an, in Revision gehen zu wollen.

Jahrelanger Streit in Hannover eskaliert: 33-Jähriger feuerte mehrere Schüsse aus seinem Auto auf zwei Männer ab

Ein jahrelanger Streit habe an diesem Tag in Hannover einen traurigen Höhepunkt erreicht – so die Schilderungen des Angeklagten laut NDR.de. Er selbst sei wiederholt mit dem Tod bedroht worden, heißt es weiter, woraufhin ein Bekannter ihm eine Waffe gegeben habe, damit er sich verteidigen könne.

Am 3. Juni 2021 eskalierte die Situation schließlich. Laut Anklage war an einer roten Ampel an der hannoverschen Kreuzung zunächst der Beifahrer des späteren Todesopfers ausgestiegen und hatte mit einer Holzlatte auf den Wagen des Angeklagten eingeschlagen – wohl, um diesen zum Aussteigen zu zwingen. Daraufhin soll der 33-Jährige zweimal mit einer Pistole auf den Angreifer geschossen haben. Dieser konnte hinter einem Lieferwagen in Deckung gehen, blieb unverletzt und flüchtete laut dpa.

Anschließend habe der Angeklagte auf den Fahrer des neben ihm haltenden Wagens geschossen und den 30-Jährigen tödlich getroffen. Nach der schrecklichen Tat flüchtete der Schütze zunächst, stellte sich aber wenige Tage später selbst der Polizei. Seitdem sitzt der 33-Jährige in Untersuchungshaft. Der Prozess begann Ende November unter hohen Sicherheitsvorkehrungen.

Zehn Jahre Haft für Angeklagten: „Was passiert ist, ist die höchste Strafe meines Lebens.“

Aufgrund des Angriffs mit einer Holzlatte auf das Auto sei eine Notwehrlage laut Gerichtssprecherin zwar anzunehmen – doch wurden zwei Schüsse auf den Angreifer von dem Gericht als nicht verhältnismäßig eingestuft. Von dem getöteten Autofahrer sei zudem überhaupt keine Bedrohung ausgegangen, bei ihm sei auch keine Waffe gefunden worden. NDR.de zufolge wurde der Angeklagte im Laufe des Prozesses von einem Psychiater als voll schuldfähig eingestuft.

Noch vor dem Urteil habe der Angeklagte laut Bild.de insbesondere bei den Familienangehörigen des Opfers um Entschuldigung gebeten. „Was passiert ist, ist die höchste Strafe meines Lebens“, äußerte er und fuhr fort: „Ich wollte, ich könnte es rückgängig machen.“

Weitere Blaulicht-Meldungen aus Bremen und Niedersachsen: Unbekannter schießt einen Mann nieder

Auch in Bremen kam es erst kürzlich zu einer brutalen Attacke: Demnach schoss ein Unbekannter wohl einen Mann nieder – die Polizei sucht nach Zeugen. In Hannover wurde am gestrigen Dienstag außerdem ein schrecklicher Fund gemacht: Eine Babyleiche musste aus einem Müllcontainer geborgen werden. In Delmenhorst sucht die Polizei derweil nach einem jungen Exhibitionisten und in Niedersachsen suchen die Beamten nach 182 vermissten Kindern.

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