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Corona und Shishas: Raucherquote steigt über 30 Prozent

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Von: Andree Wächter

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Die Zahl der regelmäßigen Raucher sinkt in Niedersachsen. Trotzdem ist der Tabakkonsum gestiegen. Gründe könnten Corona und Shishas sein.

Hannover - Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. An diesem Tag werden Statistiken rund ums Rauchen und dem Tabakkonsum veröffentlicht. In diesem Jahr berichtet nun die Kaufmännischen Krankenkasse KKH, dass die Zahl der Tabaksüchtigen in Niedersachsen seit 2010 deutlich gestiegen sei. Demnach wurden 2020 58 Prozent mehr Menschen wegen Krankheiten im Zusammenhang mit Tabakkonsum behandelt als zehn Jahre zuvor. Bundesweit stieg die Raucherquote von 26 auf 30,9 Prozent. Zum Tabakkonsum gehören neben der klassischen Zigarette auch Zigarren, Zigarillos, Pfeifen und auch Shishatabak.

18-20 Jährige26,1 % (Männer) 18,7 % (Frauen) rauchen deutschlandweit
25-29 Jährige31,9% / 34,1%
40-49 Jährige32,1% / 28,2%
60-64 Jährige22% / 19,4 % (Quelle: BZgA, 2018)

Nach der Hochrechnung der KKH wurden im Jahr 2020 in Niedersachsen 600.000 Menschen wegen Tabakabhängigkeit oder psychischer Probleme aufgrund von Tabakkonsum behandelt. Demnach waren in dem Jahr 7,5 Prozent aller Niedersachsen in Behandlung wegen ärztlich diagnostiziertem Tabakmissbrauchs.

Ein Grund für den Anstieg könnte die Zunahme von Homeoffice-Zeiten sein, sagte Michael Falkenstein, Experte für Suchtanfragen bei der KKH. Zu Hause sei man nicht auf Raucherpausen angewiesen. Darüber hinaus habe es in der Corona-Krise Einschränkungen bei Hilfsangeboten gegeben. Möglicherweise seien ehemalige Raucher rückfällig geworden.

Rauchen: Mehr Fälle von diagnostiziertem Tabakmissbrauch

Obwohl die Fälle von diagnostiziertem Tabakmissbrauch steigen, sinkt die Zahl der regelmäßigen und aktiven Raucher, wie das niedersächsische Gesundheitsministerium mitteilte. Die Mehrheit junger Menschen habe noch nie geraucht. Sorge bereite allerdings der zunehmende Konsum von Wasserpfeifen.

„Rauchen ist der Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs, welcher in Deutschland die führende Krebstodesursache darstellt“, sagte die Chefärztin der auf Lungenkrebs spezialisierten Paracelsus Klinik am See in Bad Gandersheim, Eva-Maria Kalusche-Bontemps. Neben Nikotin befänden sich in Tabak Tausende weitere gesundheitsschädliche Stoffe, sagte sie.

Der Griff zur Zigarette: Corona hat den Tabakkonsum wieder steigen lassen. (Symbolbild)
Der Griff zur Zigarette: Corona hat den Tabakkonsum wieder steigen lassen. © Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

Rauchen gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit, es schadet auch der Umwelt enorm. Viele Ressourcen werden für die Herstellung von Zigaretten verbraucht, im Müll landen nach dem Qualmen oft giftige Chemikalien, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem aktuellen Bericht konstatiert. Und das Problem wird nicht kleiner: Allein in Deutschland qualmt mittlerweile jeder Dritte.

Vor der Corona-Pandemie lag der Anteil der Raucher ab 14 Jahren noch bei etwa 26 bis 27 Prozent. Ende 2021 war die Quote schon auf 30,9 Prozent gestiegen. Es sei eine erschreckende Entwicklung, sagte der Epidemiologe und Debra-Leiter Daniel Kotz. Er leitet an der Uniklinik Düsseldorf den Forschungsschwerpunkt Sucht. Wahrscheinlich handele es sich bei der steigenden Raucherquote um eine Auswirkung der Pandemie. Es sei eine Corona-Spätfolge, dass die Leute vermehrt zu Tabakprodukten griffen.

Einen Zusammenhang mit dem Krieg sehe ich nicht

Debra-Leiter Daniel Kotz

„Einen Zusammenhang mit dem Krieg sehe ich nicht“, sagte Kotz, gefragt zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Mit Blick auf den Weltnichtrauchertag sagte er: „Da gibt es seitens der Politik viel zu tun, wenn Deutschland 2040 tabakfrei werden möchte.“ Die Debra-Studie untersucht fortlaufend den Konsum von Tabak und alternativen Nikotinprodukten in der Bevölkerung.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitgeteilt hatte, starben 2020 rund 75.500 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens. Die mit Abstand häufigste Todesursache dabei waren Krebserkrankungen.

Tabak: Vergiftung unseres Planeten

Laut dem WHO-Bericht „Tabak: Vergiftung unseres Planeten“ kosteten Herstellung und Konsum von Tabak jedes Jahr weltweit mehr als acht Millionen Menschenleben, außerdem 600 Millionen Bäume, 200.000 Hektar Land sowie 22 Milliarden Tonnen Wasser, und setzten rund 84 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid (CO₂) frei. Die CO₂-Menge entspreche dem Ausstoß von etwa 17 Millionen benzinbetriebenen Autos jährlich. Die Umweltbelastung durch Rauchen ist enorm.

Tabakprodukte enthielten über 7000 giftige Chemikalien, die beim Wegwerfen in die Umwelt gelangten, sagte Rüdiger Krech, Direktor für Gesundheitsförderung bei der WHO. Rund 4,5 Billionen Zigarettenfilter landen demnach jedes Jahr in Ozeanen und Flüssen, auf Bürgersteigen und Böden sowie an Stränden. Die Kosten für die Beseitigung weggeworfener Tabakerzeugnisse trügen fast immer die Steuerzahler und nicht die Industrie.

Zigarettenfilter und Stummel sind ein großes Problem für die Umwelt.
Zigarettenfilter und Stummel sind ein großes Problem für die Umwelt. © Friso Gentsch/dpa

Dies koste China jährlich umgerechnet etwa 2,6 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) und Indien etwa 766 Millionen Dollar (rund 712 Millionen Euro). Die Kosten für Deutschland belaufen sich laut Schätzung der WHO auf mehr als 200 Millionen Dollar (186 Millionen Euro).

Die WHO forderte Länder und Städte auf, die Industrie bei der Beseitigung der Tabakreste stärker in die Pflicht zu nehmen. Außerdem solle die Politik ein Verbot von Zigarettenfiltern in Betracht ziehen. Diese enthielten Mikroplastik und trügen stark zur Plastikverschmutzung bei. Ihr gesundheitlicher Nutzen sei hingegen nicht nachgewiesen, so die WHO.

Aufhören zu Rauchen: Mehr Geld und länger am Leben

Wer den Weltnichtrauchertag zum Anlass nimmt, um mit dem Rauchen aufzuhören, tut viel Gutes für sich. Nichtraucher leben im Schnitt zehn Jahre länger. Dies betrifft nicht nur die regelmäßigen Raucher, sondern auch die Gelegenheitsraucher. Selbst bei ihnen steigt das Krebsrisiko. Der Körper kann sich vom Nikotin erholen, braucht aber viele Jahre für die Reparatur. Positiver Nebeneffekt: Man hat mehr Geld. Beispielrechnung: 12 Jahre lange jeden Tag zehn Zigaretten = 15.330 Euro.

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