„Gefangen im Netz“

„Stört es nicht, dass ich 12 bin?“: Doku enthüllt Kindesmissbrauch-Abgründe

  • Annabel Schütt
    VonAnnabel Schütt
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Nahezu jedes Kind erfährt Belästigung im Netz. Der Dokumentarfilm „Gefangen im Netz“ zeigt nun, wie skrupellos Täter Jagd auf Jugendliche machen. Schockierend.

Tschechien – Belästigungen gehören für Kinder der Generation Internet zum Alltag. Egal, ob auf Snapchat, Instagram oder bei Onlinespielen wie Fortnite: Täglich versuchen Erwachsene, Kinder im Netz um den Finger zu wickeln, um dann intime Handlungen von ihnen einzufordern. Der Dokumentarfilm „Gefangen im Netz“ zeigt nun auf, wie dreist Täter die Naivität, die Unwissenheit oder Unerfahrenheit ihrer Opfer im Netz ausnutzen.

Dokumentarfilm:Gefangen im Netz
Erscheinungsdatum:18. Februar 2021 (Deutschland)
Direktoren:Vít Klusák, Barbora Chalupová

„Gefangen im Netz“: Dokumentarfilm offenbart, wie skrupellos Täter im Netz Jagd auf Jugendliche machen

Hier ein Foto im Bikini vom vergangenen Urlaub posten und da eine Freundschaftsanfrage in den sozialen Medien annehmen. Vielen Kids wird der sorglose Umgang mit Instagram, Snapchat und Co. allerdings zum Verhängnis. Beinahe täglich fallen sie der Generation Internet Cyber-Grooming zum Opfer und werden von Erwachsenen zu intimen Handlungen und Bildern gedrängt.

Zwei tschechische Filmemacher wollen mit ihrem Dokumentarfilm „Gefangen im Netz“ nun zeigen, wie skrupellos Täter im Netz Jagd auf Jugendliche machen. Ab Sonntag (27. Juni) ist die Doku kostenpflichtig im Internet abrufbar.

Neben der Vollversion gibt es zudem eine gekürzte Fassung der Doku, die Schulen sowie Pädagogen und Pädagoginnen zur Verfügung gestellt wird, um sich mit dem Thema Cyber-Grooming auseinanderzusetzen und vor allem, um zu vermitteln, dass nicht die Kinder Schuld sind, die ins Netz gehen, sondern die Eltern.

„Stört es dich nicht, dass ich 12 bin?“: Tausende Männer belästigen vermeintlich 12-jährige Mädchen

Zehn Tage lang geben sich Sabina, Anezka und Tereza, drei mädchenhaft aussehende Schauspielerinnen, in nachgebauten Kinderimmern als 12-Jährige aus und tun, was Mädchen in diesem Alter eben tun: das neuste TikTok-Video drehen, lustige Pics via Snapchat versenden und auf Instagram das aktuellste Urlaubsfoto posten.

Dabei werden sie rund um die Uhr von sechs Kameras gefilmt. Kameras, die aufnehmen, wie fremde Männer sie kontaktieren, versuchen mit ihnen zu chatten und sie nach pornografischen Bilder fragen. Nichtsahnend, dass sie gerade gefilmt werden und das die Mädchen gar nicht zwölf Jahre alt sind, verschicken die Männer entsprechende Fotos von ihren Genitalien, um die ein oder andere Gefälligkeit vor der Webcam einzufordern.

Der Dokumentarfilm „Gefangen im Netz“ offenbart, wie skrupellos Täter im Netz Jagd auf Jugendliche machen. (24hamburg.de-Montage)

Das Ergebnis des Filmes „Gefangen im Netz“ ist erschreckend: Fast 2.500 Männer aller Altersklassen fordern die vermeintlichen Mädchen zu intimen Handlungen auf. „Nach ein paar wenigen Eröffnungsfloskeln kamen sie sofort zur Sache: zu expliziten s******** Angeboten“, so Regisseurin Barbora Chalupová.

„Komm, ich zeig‘ dir was“, kündigt ein entblößter Mann an. Einige verlangen sogar persönliche Treffen. „Stört es dich nicht, dass ich 12 bin?“, fragt eines der Mädchen im Chat mit einem der Mann. „Warum sollte das ein Problem sein, wenn du auf mich stehst und ich auf dich“, antwortet dieser.

Einmal sei sogar ein Mann in Begleitung einer Frau erschienen. „Die Frau fragt das Mädchen, ob es schon ihre Tage habe und noch Jungfrau sei“, erinnert sich Chalupová.

Filmmaterial der tschechischen Polizei übergeben: Einige Täter für ihre Vergehen belangt

Dank des tschechischen Dokumentarfilms „Gefangen im Netz“ konnten 50 Täter für ihre Vergehen belangt werden, die restlichen 2.450 Männer kamen mit einem blauen Auge davon.

„Es ist auch so, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Täter, erwischt zu werden, gering ist und deswegen gehen sie so vor. Und dazu kommt auch noch, wenn sie es dann immer wieder machen und sie erleben nie, dass da irgendjemand sichtbar überführt wird, dann senkt das weiter die Hemmschwelle der Täter“, so Thomas-Gabriel Rüdiger, Experte für Cyberkriminologie. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/IMAGO & Milan Jaroš/picture alliance/dpa

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