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Stau auf der Nordsee: Viele Waren stecken auf Containerschiffen fest

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Von: Marcel Prigge

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Hapag-Lloyd Containerschiff in Cuxhaven
Derzeit warten zwölf Containerschiffe auf das Einlaufen in deutsche Häfen. Aufgrund von Lieferketten-Problemen ist es auf der Nordsee zu Staus gekommen. (Symbolbild) © Rust/Imago

Aufgrund von Staus können Containerschiffe die norddeutschen Häfen nicht mehr ansteuern. Einerseits eine logistische Herausforderung für die Hafenbetreiber, andererseits eine Verhandlungsbasis für die Tarifverhandlungen der Hafenarbeiter, die Freitag, 10. Juni 2022, ihren Höhepunkt erreichen soll.

Bremerhaven/Hamburg – Aufgrund von weltweiten Verzögerungen in der Logistikbranche ist es zu einem Stau der Containerschiffe auf der Nordsee gekommen. Laut eines Berichts des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sind es derzeit zwölf Schiffe mit etwa 150.000 Containern, die auf der Nordsee warten. Ausgerechnet in einer solchen Situation spitzen sich die Tarifverhandlungen der Hafenarbeiter zu. Am Freitag, 10. Juni 2022, gehen die Verhandlungen in die dritte Runde.

Containerstau auf der Nordsee: 150.000 Container stecken auf dem Weg in die Häfen fest

Dass die Häfen aufgrund der Pandemie und des Ukraine-Kriegs weltweit überlastet sind, ist nichts Neues. In vielen Ländern ächzt Handel und Industrie unter Nachschubmangel. Nun ist der Containerstau auch in Norddeutschland angekommen. Laut einem Bericht des IfW stecken aktuell elf Prozent der weltweit verschifften Waren fest – allein in der Nordsee seien es etwa 150.000 Container, die auf ihren Weg in die Häfen nicht weiter kommen.

Waren stecken fest: Waren im Wert von 700 Millionen Euro nicht nach Deutschland gelangt

Vor den Häfen von Deutschland, Holland und Belgien steckten zwei Prozent der globalen Frachtkapazität fest und könnten weder be- noch entladen werden. Das hat erhebliche Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft. Das IfW schätzt das Volumen der Waren, die wegen des Corona-Lockdowns in Shanghai nicht nach Deutschland gelangen konnte, auf etwa 700 Millionen Euro. Der Schiffstau vor Shanghai führte bereits im April zu verzögerten Lieferketten und höheren Preisen. Aber auch das Ende des Lockdowns führt nicht zur Entspannung des Problems. Eher werden die Staus an den Zielhäfen länger.

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Da die Lagerplätze an den Häfen knapp geworden sind, hat der Hamburger Hafenbetreiber bereits zu Beginn der Lieferkrise Fläche für 4000 zusätzliche Container organisiert. Das sorgt zwar für eine kleine Entlastung, aber das eigentliche Problem wird dadurch nicht gelöst.

Stau auf der Nordsee: Reedereien verkaufen Kapazitäten, die es gar nicht gibt

Die Ursachen zur Lieferproblematik sind vielfältig. Wie die Faz berichtet, haben die Reedereien mehr Kapazität auf den Schiffen verkauft, als eigentlich zur Verfügung steht. Es habe die Erwartungshaltung gegeben, dass einige Container ohnehin nicht mehr rechtzeitig zum gebuchten Schiff gebracht werden können.

Für Container, die sicher mitgenommen werden könnten, müssten die Kunden deshalb höhere Preise zahlen. Container stehen in den Häfen vor Warteschleifen, damit sie auf Schiffe verladen werden können. Ein Transport mit einer niedrigen Frachtrate müsse zu solchen Zeiten ohnehin warten. Dieses Problem betreffe nicht nur Export-Container. Auch Lieferungen der Waren für den Import verzögert sich immer häufiger. Pandemiebedingt habe es zudem Verzögerungen in den Fahrplänen gegeben. Diese Verspätungen bauen sich mit den jetzigen Problemen in den Häfen weiter auf.

Schiffe liegen im Containerhafen
Gedränge an der Kaje: Zu logistischen Herausforderungen kommt es derzeit an deutschen Häfen. Mehrere Containerschiffe warten zur Zeit auf der Nordsee auf das Einlaufen. (Symbolbild) © Sina Schuldt/dpa

Enges Zeitfenster vor Weihnachtsgeschäft: Stau an den Häfen muss schnell abgebaut werden

Wie Ökonom Vincent Stamer vom IfW gegenüber buten un binnen betonte, habe es in den letzten zwei Jahren ein hohes Transportaufkommen gegeben, da die Konsumenten während der Pandemie eher physische Güter als Dienstleistungen nachgefragt hätten. Der derzeitige Lockdown in China verschaffe den Häfen jetzt ein Zeitfenster, um die Staus vor dem aufkommenden Weihnachtsgeschäft abzubauen. Der Abbau eines Staus brauchte jedoch dreimal länger als sein Aufbau, so Stamer.

Auch an Land herrscht eine angespannte Logistiksituation. Stürme mit Starkregen und Engpässe bei der Bahn verursachen Engpässe. Auch der Mangel an Lastwagenfahrer trifft so manch europäisches Land hart. Kein Wunder also, wenn mancher Reeder es mit Ausweichmanöver versucht. Bernd Althusmann, Wirtschaftsminister in Niedersachsen, wirbt für den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Erste Reedereien verlegen nun Dienste dorthin.

Streiks der Hafenarbeiter möglich – Am Freitag gehen Tarifverhandlungen weiter

Wann sich der Containerverkehr entspannen könnte, ist derzeit unklar. Eine schwierige Situation, vor der die Häfen stehen. Um ein vielfaches schwieriger könnte sie erst werden, wenn die Hafenarbeiter anfangen zu streiken. Momentan wird diesbezüglich ein neuer Tarifvertrag verhandelt; am Freitag, 10. Juni 2022, geht es in die dritte Verhandlungsrunde. Arbeitsniederlegungen seien derweil noch nicht angekündigt. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe bot zuletzt sieben Prozent mehr Einkommen an – zu wenig für die Gewerkschaft Verdi. Zusätzlich zum Inflationsausgleich stehen außerdem die Vergütungssteigerungen um 1,20 Euro pro Stunde und eine Containerzulage pro Jahr von 1200 Euro im Raum.

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