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Shitstorm weil OTTO gendert – Konzern kontert: „Du musst nicht bei uns bestellen“

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Von: Anika Zuschke

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Die Otto GmbH hat auf Twitter eine hitzige Diskussion hervorgerufen. Weil das Hamburger Unternehmen genderte, drohen Kunden jetzt mit der Abwanderung.

Hamburg – Das Hamburger* Handels- und Dienstleistungsunternehmen „Otto“ gendert. Es bezieht in öffentlicher Kommunikation anhand des Gender-Sternchens also das weibliche, männliche und diverse Geschlecht mit ein. So auch bei einem aktuellen Tweet, bei dem es um hybride Zusammenarbeit der Otto Group geht. Einem Follower stieß das offenbar besonders sauer auf, dieser kommentierte unter dem Post: „Wer gendert, kriegt keine Bestellung. So einfach ist das und Amazon freut sich“ – und löste damit eine hitzige Diskussion aus, an der auch „Otto“ sich beteiligte.

Unternehmen:Otto Group
CEO:Alexander Birken (1. Jan. 2017–)
Umsatz:14,3 Milliarden EUR (2019–2020)
Gründung:17. August 1949, Hamburg
Hauptsitz:Hamburg

„Immer mehr Kolleg*innen arbeiten wieder im Büro – aber eben nicht alle.“ Dieser Satz in einem Tweet von Otto war augenscheinlich schon genug für Twitter-User Roger, Online-Bestellungen zukünftig nicht länger bei Otto, sondern bei dem Onlinehändler „Amazon“ durchzuführen. Doch „Otto“ selbst konterte geschickt auf den genderkritischen Vorwurf.

Otto gendert auf Twitter und erntet kritische Kommentare

Der Konzern antwortete mit folgenden Worten auf den Tweet: „Stimmt, so einfach ist das: Wir gendern. Und du musst nicht bei uns bestellen“ und fügte der freundlich-bestimmten Aussage einen Zwinker-Smiley hinzu. Das wiederum löste eine Welle von über 1500 Kommentaren aus, die sich teilweise auf die Seite von Otto stellten, teils aber auch die Reaktion des Konzerns kritisierten. Dabei steht Otto mit einer gendergerechten Sprache keineswegs allein da: Jedes dritte Unternehmen gendert bereits.

„Auf ein paar Schreihälse kann Otto sicher verzichten!“ – Fans setzen sich für Unternehmen ein

Ein Twitter-User beispielsweise bringt die Otto-Kritiker unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: „Auf ein paar Schreihälse kann @otto_de sicher verzichten! Ihr überschätzt gewaltig eure Anzahl und wirklichen Einfluss auf das Konsumverhalten!“.

Sitz der Otto GmbH in Hamburg und ein Sternchen mit *innen.
Otto spaltet mit einem gegenderten Tweet das Internet. (24hamburg.de-Montage) © Hanno Bode/Christian Ohde/Imago

Dem kann der Kommentierende „Herr M.“ auf dem Kurznachrichtendienst nur zustimmen: „Sie müssen sich auch nicht in Krankenhäusern behandeln lassen, die gendern. Keine Autos nutzen, wenn die Hersteller gendern. Warum fühlen Sie sich eigentlich ausgeschlossen, wenn andere eingeschlossen werden? Funfact: Amazon gendert auch.“

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Hamburger Unternehmen Otto gendert auf Twitter: Fans veräppeln Genderkritiker

Auf diesen „Funfact“ springen viele weitere Kommentierende ebenfalls auf: „Amazon gendert auch. Wenn das so weiter geht, wird Roger bald Selbstproduzent“, feixt Felix von B. auf Twitter und Userin Frau Sonnenschein belegt die Aussagen ihrer Mitstreiter mit einem Retweet von Amazon, in dem eindeutig ebenfalls gegendert wird.

Twitter-Nutzer Marc Berthold ist der Meinung: „Dass manche Männer bei so einem kleinen Sternchen so abdrehen, ist maximal unattraktiv.“ Frauenministerin Lambrecht möchte die Gender-Sternchen übrigens ebenfalls verbieten.

Otto gendert – und verliert auf diesem Weg Kunden

Doch Otto muss auch Gegenstimmen hinnehmen: „Gendern ist 100 % sinnlos. Es wird auch ohne Gendern niemand ausgeschlossen. Dieser Unfug geht vorbei. Nur etwas Geduld“, prophezeit Nutzer „Brunnendichter“. Sabine ist ebenfalls der Meinung: „Amazon verabscheue ich eigentlich noch mehr. Auch wenn der Genderzwang von Otto ein ganz mieses Image bei mir hinterlässt. Sprache soll Kommunikation ermöglichen, nicht verhindern!“

Ingo S. setzt bei der hitzigen Diskussion noch einen drauf: Auf Twitter lädt der ehemalige Otto-Nutzer einen Screenshot hoch, auf dem er seinen offiziellen Austritt als Otto-Kunde verewigt hat: „Mit Verweis auf Ihre Kommunikation bei Twitter, insbesondere Ihre Kommentare gegenüber genderkritischen Usern, löschen Sie bitte meinen Account bei otto.de. Um eine kurze Bestätigung wird gebeten. Danke“, schreibt Ingo als Begründung für die Forderung, seinen Account zu löschen. Den Kunden scheint Otto tatsächlich verloren zu haben.

Dies ist bei Weitem nicht der erste Gender-Fall, der für Aufsehen gesorgt hat: Junge Katholiken wollen jetzt auch Gott gendern und die erste Stadt gendert sogar schon bei der Hunde-Steuer. Nicht nur Hunde – auch Crashtest-Dummys sollen, wenn es nach Katharina Fegebank ginge, in Hamburg gegendert werden. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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