Shorts sind „unangemessener Bekleidung“

Sexismus bei Beach-Handball-EM: Frauen müssen in knappen Höschen spielen

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Die Beachhandball-EM heizt die Sexismus-Debatte im Sport an: Handballerinnen müssen in Mini-Bikinis spielen. Ein Team weigert sich – jetzt droht eine hohe Strafe.

Warna – Erst seit 2012 dürfen Frauen im Beach-Volleyball die gleiche Sport-Kleidung wie Männer tragen. Demnach sind mittlerweile also auch Shorts zugelassen. Für Beach-Handballerinnen hingegen herrscht nach wie vor eine strikte Vorschrift: Der Stoff der Hosen der Handballerinnen darf nicht länger als zehn Zentimeter sein – ganz zum Leidwesen der Spielerinnen. Das norwegische Handball-Team wollte diese fragwürdige Verordnung nicht akzeptieren – nun droht eine hohe Strafe.

Turnier:Beachhandball Euro 2021
Austragungsort:Warna, Bulgarien
Zeitraum:8. bis 18. Juli 2021
Gewinner:Deutschland (Frauen), Dänemark (Männer)

Europäischer Handballverband hält Shorts für „unangemessene Bekleidung“

Bei der vergangenen Beach-Handball-Europameisterschaft in Bulgarien machte vor allem eine brisante Meldung Schlagzeilen. Weil die Handballerinnen des norwegischen Teams nicht akzeptierten, in knappen Bikini-Höschen zu spielen, wurde eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro verhängt. Statt im Bikini spielten sie in Shorts. Der Europäische Handballverband (EHF) spricht nun von einer „unangemessenen Bekleidung“, die die Norwegerinnen beim Spiel um den dritten EM-Platz getragen hätten.

Bei der vergangenen Fußball-EM hagelt es im Netz Hass-Kommentare gegen ZDF- und ARD-Kommentatorinnen. Das Regelwerk des Beachhandballs entfacht jetzt erneut die Sexismus-Debatte im Sport. Dort heißt es: „Spielerinnen müssen Bikinihosen tragen, die der angehängten Abbildung entsprechen. Sie müssen körperbetont geschnitten sein, mit einem hohen Beinausschnitt. Die Seitenbreite darf höchstens 10 cm betragen“.

Beach-Handball-Dresscode würden vielen den Zugang zum Sport verwehren

Bereits seit zehn Jahren prangert der norwegische Verband die geltende Kleidervorschrift an. So auch im vergangenen April, als Präsident Kare Geir Lio auf eine Veränderung der Verordnung pochte. „Wir haben es satt, dass die Kleidung eine Einschränkung für Leute ist, die Beach-Handball spielen wollen“, so der norwegische Verantwortliche.

Das Regelwerk des Beachhandballs verpflichtet Spielerinnen, im Bikini zu spielen.

Der Europäische Handballverband stellte aufgrund der Sexismus-Vorwürfen, die kürzlich auch WHO wegen eines geforderten Alkoholverbots für gebärfähige Frauen trafen, ein Umdenken in Aussicht. Monate später herrschten bei der Europameisterschaft in Bulgarien dennoch die gleichen Regeln. Vor der EM wagte der norwegische Verband dann einen weiteren Anlauf, um der unzeitgemäßen Kleiderordnung zu entgehen. Damit sich die Spielerinnen auf dem Platz wohlfühlen können, war der norwegische Verband sogar bereit, ein hohes Strafmaß zu akzeptieren.

So hätte jede Missachtung der Verordnung jeweils 50 Euro gekostet. Doch es kam anders. Bis zu ihrem letzten EM-Spiel liefen die norwegischen Handballerinnen in dem geforderten Dresscode auf. Medienberichten zufolge drohte der Europäische Handballverband alternativ mit einer Disqualifikation.

„Sie fühlen sich unwohl, nackt und beobachtet“: Handballerinnen fordern ein Umdenken

Wie belastend die Situation für die Spielerinnen ist, machte zuletzt Katinka Haltvik deutlich. Der ehemaligen Welthandballerin, die Teil des norwegischen Teams in Bulgarien war, ist die fragwürdige Kleiderordnung schon seit längerem ein Dorn im Auge.

„Man beschäftigt sich mehr damit, dass sie nicht verrutschen, als mit Handball“, sagte die 30-jährige Handballerin dem norwegischen Sender NRK. Das schlimmste sei jedoch, dass sich viele Frauen gar nicht an den Sport herantrauen würden. Ihre Forderung ist eindeutig: Sie möchte Teil eines inklusiven Sports sein, der niemanden ausgegrenzt.

Ähnlich deutliche Worte fand auch Frankreichs Nationaltrainerin Valerie Nicolas. „Die Spielerinnen sagen mir, sie fühlen sich unwohl, nackt und beobachtet“. Darüber hinaus sei der von dem Handball-Verband geforderte Bikini nicht für die Bewegungsabläufe des Sports geeignet und lasse sich mitunter mit religiösen Gründen nicht vereinbaren. Zoff rund um Handball gibt es übrigens auch bei den olympischen Spielen in Tokio: Der deutsche Handball-Boss schildert Zustände bei Olympia: „Wie im Gefängnis“ *. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julia Nikoleit/dpa

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