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Schlechte Noten im Zeugnis: Panik muss nicht sein

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Von: Andree Wächter

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Eine Psychologin meint: Wenn ein Kind in der Schule sitzenbleibt, wird es seinen Weg finden. Im Vorfeld können Eltern schon helfen.

Hannover – Druck erzeugt Diamanten, zumindest wenn man Kohlenstoff als Basis nimmt. Der menschliche Körper besteht auch in Teilen aus Kohlenstoff. Doch ob Druck – egal ob psychisch oder physisch – ihn nun zum Diamanten werden lässt, darf bezweifelt werden. Die nächste Überprüfung der Druckfestigkeit erfolgt für Schüler Ende Januar. Dann gibt es Halbjahreszeugnisse (Zwischenzeugnis) in Niedersachsen. Viel Schüler haben jetzt schon Angst vor schlechten Noten. Ein Problem könnte sein: Sie können nur schwer mit Schuldruck umgehen.

ZwischenzeugnisBeurteilung bezieht sich auf das vergangene Halbjahr
JahreszeugnisBeurteilung bezieht sich auf das Schuljahr
AbschlusszeugnisZeugnis am Ende einer jeden Schullaufbahn
Nummer gegen Kummer für Kinder u. Jugendliche0800/111 03 33 (gebührenfrei), Mo.–Fr. 14.30–19.30 Uhr

Miese Noten: Benotung in der Schule stößt nicht bei allen Eltern auf Gegenliebe

Schulnoten werden seit Jahren kontrovers diskutiert. Es gibt Experten, die halten sie nach wie vor für eine angemessene Darstellungsform des aktuellen Leistungsstands. Andere sehen die Benotung von eins bis sechs eher kritisch und wünschen sich eine Abbildung der schulischen Leistungen in anderer Form – zumindest an Grundschulen, zum Teil auch in den unteren Klassenstufen weiterführender Schulen.

Ob es Schulnoten gibt und in welcher Form diese vergeben werden, hängt auch von der gewählten Schulform ab. Bei Schulen, die nach Montessori-Pädagogik ausgerichtet sind, wird zum Beispiel weitestgehend notenfrei bewertet, ähnlich wie bei Waldorfschulen, wo bis zur Oberstufe auf Noten verzichtet wird. Das klassische Schulnotensystem ist in Deutschland allerdings weit verbreitet und stellt Eltern und Kinder immer wieder vor die Herausforderung: Wie geht man damit um, wenn die Noten nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen?

Zeugnisse: Was ist eine schlechte Note?

Doch was ist eigentlich eine schlechte Note? Für den einen ist ein 2 im Zeugnis schon eine mittlere Katastrophe. Ein anderer freut sich über eine 4. Das Problem: Viele Eltern haben eine hohe Erwartungshaltung, die die Kinder oft nicht erfüllen können – sei es tatsächlich oder nur gefühlt.

Das passiert manchmal auch unterbewusst, sagt Christian Ehmann, Leiter einer Klinikschule in Baden-Württemberg und Mitbegründer von „lehrerschueler.de“, dessen Portal Beratungen bei Schulproblemen sowie bei Problemen im Lehrerberuf vermittelt. Eltern täten das oft, weil sie wollen, dass aus dem Kind oder Jugendlichen etwas wird. Mindestens das Gleiche, was aus ihnen geworden ist. Besser wäre aber, wenn sie noch erfolgreicher oder angesehener werden.

Schlechte Schulnoten: Experten geben Tipps – bei Zeugnissen führen viele Wege für nach Rom

Auch wenn von vielen Lehrern, Eltern und Schülern selbst ausgeht, dass das Zeugnis nur gute Noten zieren dürfe, sind diese nicht unmittelbar entscheidend für ein Studium oder eine bestimmte Ausbildung. „Viele Wege führen nach Rom“, sagt Spitczok von Brisinski und beruhigt: „Mit schlechten Noten ist nicht alles verloren.“

Das Kind erstmal in den Arm nehmen

Psychologin Elisabeth Raffauf

Eltern sollten mit Gelassenheit darauf reagieren, wenn das Kind mit Versagensängsten oder schlechten Noten aus der Schule nach Hause kommt. „Wenn es deswegen traurig ist, sollte man das Kind erstmal in den Arm nehmen und ihm anbieten, eine Tasse Tee mit ihm zu trinken“, so Psychologin Elisabeth Raffauf. Dann könne man immer noch gemeinsam schauen, wie es weitergeht.

Schlechte Noten in der Schule nicht mehr so schlimm wie früher

Vielleicht hat das Kind oder auch der Jugendliche etwas nicht verstanden. Vielleicht gibt es gerade andere Themen, die es oder ihn beschäftigen. Das Signal dabei sollte laut Raffauf sein: Es gibt wichtigere Dinge als Schule. „Ist eine 5 wirklich so schlimm?“ Immerhin sind Noten heutzutage, wo es selbst fürs Studieren andere Wege gibt als das Abitur, nicht mehr ganz so essenziell wie früher.

„Viele Eltern haben jedoch ein altes Schema im Kopf“, hat Christian Ehmann festgestellt. Auch eine Prüfungsnote habe heutzutage nicht mehr einen so großen Einfluss. Prüfungsängste gibt es aber dennoch. Spitczok von Brisinski sagt, dass diese oft von diffuser Natur sind, weil die Schüler sich vorstellen, was alles passieren könnte, wenn sie die Prüfung nicht schaffen.

Bedeutung einer 6 im Zeugnis

„Diese Ängste sind viel unangenehmer als konkrete Sorgen“, sagt der Jugendpsychiater. Deswegen sollten Eltern mit ihrem Kind sprechen, es fragen, was passiert, wenn es nicht genug gelernt hat und was eine 6 auf dem Zeugnis bedeuten könnte.

Ende Januar wird abgerechnet: Es gibt Zwischenzeugnisse an den Schulen in Niedersachsen.
Ende Januar wird abgerechnet: Es gibt Zwischenzeugnisse an den Schulen in Niedersachsen. © Jonas Güttler / dpa

Bei manchen Prüfungsängsten kann ein Psychologe helfen. Christian Ehmann rät, herauszufinden, was für eine Art von Prüfungsangst das Kind hat. „Da gibt es ganz verschiedene Level“, sagt der Schulleiter. Der ganz normale Bammel vor einer Klausur sei dabei vielleicht sogar ganz gut für das Abschneiden des Schülers. Und dann gebe es noch die Angst, die im schlimmsten Fall zum Versagen in der Prüfung führt. „Da würde ich sagen, dass Eltern hier machtlos sind und besser einen Fachmann, also ein Psychologe, zur Hilfe geholt werden sollte.“

Eltern sollten Kinder bei schlechten Noten das Gefühl geben kein schlechter Mensch zu sein

Egal, um welche Form von Angst es sich auch handelt, empfiehlt Elisabeth Rauffauf Eltern, ihren Kindern das Gefühl zu vermitteln, dass sie kein schlechterer Mensch sind, wenn die Noten mal nicht so gut sind. Daher sei es wichtig, dass Eltern sich selbst überprüfen, ob sie nur wollen, dass das Kind gute Noten schreibt, weil sie sich dann selbst besser fühlen.

Es gibt für Rauffauf aber eine noch bessere Denkweise: Auch wenn das Kind mal sitzenbleibt, wird es seinen Weg finden. „Wenn das Kind nicht lernt, Schwierigkeiten zu meistern, dann kann es das später auch nicht. Es muss lernen, wie es damit zurechtkommt, wenn etwas nicht glattläuft“, so die Psychologin. (Mit dpa-Material) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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