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Unglaublich: Lehrer bestraft Schülerin, weil sie ihre Periode hatte

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Von: Annabel Schütt

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Bestraft für etwas, was ganz natürlich sein sollte: Für eine Schülerin wird ihre Periode zur reinen Hölle, sie landet im Isolationsraum.

Maidstone – Zugegeben, die weibliche Periode ist immer noch ein Tabu-Thema. Monat für Monat muss Frau sich mit ihrer Blutung auseinandersetzen und hat nicht selten mit üblen Regelschmerzen, Übelkeit und Stimmungsschwankungen zu kämpfen, während manch einer angewidert das Gesicht verzieht.

Nun musste neben einer Schülerin im Homeschooling* auch eine Schülerin der Valley Park School in Maidstone, Kent am eigenen Leib erfahren, wie es ist, für die eigene Periode bestraft und diskriminiert zu werden.

Hauptstadt der Grafschaft Kent:Maidstone
Fläche:25,45 km²
Bevölkerung:113.137 (2011)

Menstruation wird Schülerin zum Verhängnis – von Lehrer zur Strafe in einen Isolationsraum gesteckt

Mitten im Unterricht kündigte sich ihre Menstruation an – für die Schülerin aus Maidstone Grund genug, ihren Lehrer zu bitten, für einen Klo-Besuch kurz den Unterricht verlassen zu dürfen.

Als der Lehrer ihr diese Bitte ausschlägt, tritt sie einen Entschluss: Sie widersetzt sich der Lehrkraft und verschwindet trotz Verbot auf die Toilette. Zur Strafe wird die Schülerin den Rest des Tages in einen Isolationsraum gesteckt. Völlig fassungslos erzählt die Mutter der Schülerin, die anonym bleiben will, der Metro: „Als meine Tochter mir erzählte, was passiert war, dachte ich zunächst: ‚Das kann nicht sein, dass du in einen Isolationsraum geschickt wurdest, nur weil du gefragt hast, ob du zur Toilette gehen kannst‘. Man hat mich noch nie wegen ihres Verhaltens angerufen und sie hat auch noch nie irgendwelche Schwierigkeiten gehabt, daher halte ich das für absolut lächerlich.“

Eine junge Frau hält sich den Bauch vor Schmerzen. Im Hintergrund sind mehrere Tampons zu sehen. (24hamburg.de-Montage)
Einer Schülerin in England wird ihre Menstruation zum Verhängnis. (24hamburg.de-Montage) © CHROMORANGE/IMAGO & Shotshop/IMAGO

Für ihre Tochter war jener Tag in der Valley Park School in Maidstone, Kent, so traumatisch, dass sie am nächsten Tag nicht mehr zur Schule wollte.

Period-Shaming in britischer Schule – Schulleiterin kritisiert Respektlosigkeit gegenüber Lehrkräfte

Während abertausende Frauen mit der britischen Schülerin mitfühlen können, ist es gerade die Reaktion der Schulleiterin, die für Kopfschütteln sorgt. „Wir bitten unsere Schüler darum, dass nach aller Möglichkeit während der Pausen zu erledigen, um Störungen des Unterrichts auf ein Minimum zu begrenzen.“ Zur Strafe teilt die Schulleitung lediglich mit: „Es ging um ihre Respektlosigkeit der Lehrkraft gegenüber, weil sie das Klassenzimmer ohne Erlaubnis verlassen hat“, rechtfertigt Margaret Hutchinson auf Nachfrage der Metro den Vorfall an der britischen Schule.

Respektlosigkeit gegenüber der Lehrkräfte? Sollte es nicht viel eher Ziel der Schule sein, dass junge Mädchen lernen, ohne Scham über ihre Periode zu sprechen und diese Enttabuisierung auch an die nächste Generation weitergeben, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der Bluten so normal ist wie Essen und Trinken?! Sollte man Schüler nicht nur vor dem Coronavirus mittels Impfung schützen, sondern auch vor Diskriminierung?!

Mega-Aufschrei nach DHDL-Deal mit „Pinky Gloves“ – Period-Shaming in aller Munde

Dass die Menstruation für viele immer noch ein Thema ist, das Frauen verschämt verstecken sollten, hat bereits der Aufschrei rund um das Start-up „Pinky Gloves“, finanziert von Ralf Dümmel, gezeigt. Spätestens seit ihrem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ (Vox) ist Menstruation-Shaming in aller Munde. Kaum gingen die pinken Tampon-Handschuhe, die es möglich machen sollten, Damenhygieneartikel in eben dem Handschuh als blicksicheren Müllbeutel diskret wegzuwerfen, viral, schüttelten zahlreiche Feministinnen den Kopf.

Männer, die ein Produkt entwickeln, das auf lediglich unterstellte - oder sogar erzwungene - Bedürfnisse von Frauen eingeht? Kaum vorstellbar. Franka Frei, Autorin des Buchs „Periode ist politisch“, ließ als eine von vielen ihrer Wut auf Instagram freien Lauf: „Dieses Produkt ist nicht nur verdammt überflüssig und ökologisch verwerflich, sondern auch ein Schritt nach hinten in Sachen Stigmatisierung Menstruierender.“ Die Folge: Die Gründer nahmen ihr Produkt ebenso schnell vom Markt* wie es erschienen war, wie extratipp.com berichtet.

Bleibt zu hoffen, dass die Normalität von Regelblutungen irgendwann genauso in der Gesellschaft angekommen sind wie die des täglichen Zähneputzens – ein Grund zur Scham und sogar Abstrafung dürfte die „Regel“ jedenfalls längst nicht mehr sein. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und extratipp.com sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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